Kitaprojekt gegen den Willen der Eltern

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Ich habe viele Jahre mit diesem Konzept gearbeitet. Folgende Prämissen galten dabei für unsere Arbeit:

  • Ziel der spielzeugfreien Zeit ist, die Kinder zu befähigen, entscheidenden Lebenskompetenzen zu entwickeln. Der Umgang mit Frustration ist entscheidender Bestandteil, da die Kinder Strategien entwickeln müssen, aus eigener Kraft damit umzugehen. Inwieweit das Auswirkungen auf Suchtverhalten hat, lässt sich - wie übrigens in keiner Form der Prävention - nicht nachweisen. Der Charakter von Prävention ist es, Verhaltensweisen zu beeinflussen, bevor sie sich nachteilig auswirken können. Dabei lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob bestimmte negative Verhaltensweisen auch ohne die Prävention nicht entstanden wären.

  • Die spielzeugfreie Zeit wird mit den Kindern und Eltern vorbereitet. Die Eltern erfahren an insgesamt 3 Elternabenden - einer vor Beginn, einer nach der Hälfte der Zeit (also nach 1,5 Monaten) und einer am Ende - den Sinn und das Procedere und erhalten kontinuierlich Rückmeldung über die Prozesse. Während der spielzeugfreien Phase ist auch Raum für Einzelgespräche mit den Eltern, wenn diese gewünscht werden.

  • Das Leerräumen der Gruppe erfolgt in Absprache mit den Kindern nach und nach.

  • Bereits beim Wegräumen reduzieren die Erzieherinnen die Impulse und übergeben den Kindern einen Teil der Organisation. In dieser Phase erlebt man die Kinder vorwiegend in großer Begeisterung. Noch haben sie zu tun und erfassen die Tragweite des Wegräumens nicht. Einzelne Kinder müssen aber bereits Trennungsarbeit leisten.

  • Je weniger Spielzeug zur Verfügung steht, desto stärker müssen sich die Kinder miteinander auseinandersetzen, wer damit spielen darf. Das führt zu Konflikten, die gewollt sind und die die Kinder mit Unterstützung der Erzieherinnen bewältigen müssen. Dabei ist das Ziel, nicht für schnelle Einigung zu sorgen, sondern den Kindern Lösungsstrategien für den Umgang mit Konflikten nahezubringen. Im Laufe der Zeit entwickeln die Kinder immer mehr Kompetenzen für den Umgang mit Streitsituationen und brauchen die Erzieher immer weniger.

Die Erzieher lassen die Kinder dabei niemals allein, fordern aber auch zunehmend eigene Lösungsstrategien ein. Einvernehmliche Lösungen sind nicht zwingend angestrebt, denn die Kinder sollen auch lernen, sich hin und wieder dem Stärkeren/ Schnelleren/ Kreativeren zu fügen wie auch Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren.

  • Das Mobiliar darf zum Spielen verwendet werden - und das auch ausdrücklich abseits der "normalen" Nutzung. Es gibt aber Absprachen z.B. darüber, dass vor dem Essen die Tische saubergemacht werden. Dass Kinder ausprobieren, Tische und Stühle zu beklettern, ist normal.

  • In den ersten Tagen geht es erfahrungsgemäß wild zu. Das wird ein ganzes Stück weit toleriert, wobei die Aufgabe darin besteht, alle Kinder im Blick zu haben. In der Regel holen sich Kinder schnell Unterstützung beim Personal, wenn sie sich durch allzu wilde Kinder belästigt fühlen. Auch hier greift wieder das Prinzip, den Kindern Strategien zur Lösung der Konflikte zu vermitteln.

  • Auf Anfrage erhalten die Kinder Material. Zu diesem gehören Decken, Werkzeuge, Papprollen u.ä. Die Kinder müssen begründen, wozu sie das Material brauchen, was bedeutet, dass sie vorher besprechen und planen müssen, was sie tun möchten. Das fördert Kommunikation und Sozialverhalten, denn es müssen Ideen gehört und gemeinsame Entscheidungen getroffen werden.

Wir haben auch immer das Außengelände einbezogen, wobei es natürlich auch draußen keine Fahr- und sonstigen Spielzeuge gab. Dem Gruppenprozess war das eher zuträglich, da die Kinder draußen oft andere Spielpartner wählten als drin.

  • Die ersten Wochen sind von vielen Konflikten und Frustrationen geprägt. Dabei ist entscheidend, dass die Kinder nie die Sicherheit verlieren, die Unterstützung der Erzieherinnen bekommen zu können, wenn sie von Nöten ist. Die Kinder müssen Selbststeuerungsmechanismen erst nach und nach einüben. Sie völlig sich selbst zu überlassen, wäre eine Überforderung.

  • Mit zunehmender Dauer gewinnen die Kinder an Sicherheit im Umgang miteinander. Sie entwickeln eine ungeheuere Kreativität in Bezug auf die Gestaltung von Spielsituationen. Das zu erleben ist eine wirklich wunderbare Erfahrung, die das Personal über eine entsprechende Dokumentation unbedingt mit den Eltern teilen muss. Dadurch wächst in der Regel auch das Verständnis der Eltern für das Unternehmen.

  • Der Kontakt mit den Eltern, insbesondere auch ihre Erfahrungen darüber, wie sie ihr Kind in den verschiedenen Phasen erleben - ist sehr wichtig. Oft muss man Mut machen, beruhigen, um Vertrauen werben, weil sich die Kinder natürlich auch zuhause verändert zeigen.

Ich persönlich habe ausschließlich gute Erfahrungen gemacht, weiß aber, dass nicht alle Einrichtungen angemessen mit der Idee umgehen.

ich denke auch, da läuft gewaltig was schief in der umsetzung. wir haben hier einen waldkindergarten, wo die kinder nur im starken regen in den alten bauwägen sitzen. das ist was völlig anderes. ich würde mich um eine alternative bemühen. wenn du da kein offenes ohr findest, helfen nur drastische maßnahmen.

Wenn es eine städtische Kita ist, könnt ihr euch beim Bürgermeister beschweren. Ansonsten würde mir noch die Presse einfallen, mit denen kann man immer toll Druck ausüben. Vorallem würde ich betonen das eure Kinder ohne Einverständnis der Eltern als Versuchskaninchen missbraucht werden. Wenn das mit der Zeitung und dem Fernsehen nicht klappt, dann wendet euch an die Politik - Frau Merkel oder unsere Familienministerin. Euch wird schon was einfallen. Ich würde das auch nicht mit mir machen lassen. Eine Pedition ist auch noch eine Möglichkeit.... Ich drück euch die Daumen!

Ich schließe mich dem voll und ganz an! Viel Erfolg wünscht auch miniyukka

Eines ist richtig: Wenn Sie die Fragebögen nicht ausfüllen, brauchen Sie sich hinterher nicht beschweren. Ich bin selbst Erzieherin und habe bisher nur Positives von so einem Projekt gehört. Wenn es da bei Ihnen anders läuft, dann liegt es bestimmt nicht an dem Projekt, sondern an dem WIE. Da möchte ich nicht weiter Stellung dazu nehmen, möchte niemand zu nahe treten. Nur Eines noch: Bei so einem Projekt wird die Phantasie der Kinder angeregt, aus nichts was zu machen. Schauen Sie sich doch die Kinder heutzutage mal an. Sie haben allen vollgestopfte Kinderzimmer und wissen nicht was sie spielen sollen. Im Wartezimmer beim Arzt ist ihnen langweilig, wenn sie nichts zu spielen dabei haben. und haben Sie schon mal irgendeinen Jugendlichen in der Öffentlichkeit gesehen, egal wo, der nicht mit seinem Handy herumspielt ? Ich nicht. Wenn sie aber in der Schule einen Aufsatz schreiben sollen fällt ihnen nichts ein. Die Kinder heutzutage werden bespielt, sie spielen nicht mehr selbst. Sie werden den ganzen Tag berieselt mit Fernseher Computer, vorgefertigtem Spielzeug , auch auf Spielplätzen ist alles vorgefertigt, kann man nichts mehr machen. Ich könnte noch lange so weiter schreiben.......

Hm, ja, das sehe ich ja auch so. Und ich habe kein Problem mit spielzeugreduzierung, oder dass eben Tücher und Papprollen zum Einsatz kommen. Ich habe ein Problem damit, dass wir versuchen, aus unseren Kindern halbwegs kultivierte Menschen zu machen und die Kita drei Monate lang dagegen arbeitet. Dazu gehört nunmal auch, dass man nicht auf Tische klettert und auch nicht auf Schränke, dass Essen nicht zum Spielen da ist, usw. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Ich wehre mich nicht gegen alternative Ideen zum Massenspielzeug sondern gegen die antiautoritäre Geschichte, die damit einher ging. Und ganz massiv wehre ich mich dagegen, dass die Kinder nicht rausgehen sondern den ganzen Tag im Raum hocken. Wir wohnen in einer sehr wald- und wiesenreichen Gegend, Impulse der Natur gibt es da genug... Vielen Dank aber für Ihre Meinung!

Ich würde deine Tochter in dieser Zeit einfach von der KiTa befreien. Also sie zuhause lassen.

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