Kinder bestrafen?

5 Antworten

Ich bin seit 14 Jahren Mitglied des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener, Mitgründer und Vorstandsmitglied im Hamburger Landesverband Psychiatrie-Erfahrener, aktives Mitglied und auch Gründer von Selbsthilfegruppen (SHG) und habe in diesem Zusammenhang an mehreren Durchgängen Fortbildungsmodulen für SHG-Mitglieder teilgenommen. Wenn man die Lebens- und Leidensgeschichten der Menschen hört, die betroffen sind von psychischen Störungen / Erkrankungen, könnte man oft meinen, eigentlich die Eltern hätten schon dringend Therapie nötig gehabt, aber sie haben ihre Störungen an den Kindern ausgelebt und so sind die schließlich konkret krank geworden. Nicht nur innerhalb eines Menschen können "Sumptomverschiebungen" stattfinden, auch in Familien und ähnlichen Systemen. Zum Patienten wird immer das schwächste Glied in dem jeweiligen System. Die Systemtherapie hat sich diese Zusammenhänge zum Arbeitsfeld gemacht. Leider ist diese sinnvolle Therapie in Deutschland keine Kassenleistung, während sie es in Österreich jedoch ist.

Korrektur: "Nicht nur innerhalb eines Menschen können SYMPTOMVERSCHIEBUNGEN stattfinden..."

Kinder erleben sich als total ausgeliefert, wenn ihre Eltern sich gegen sie stellen. Das allein empfinden sie schon wie Terror, umfassend und lebensbedrohlich; je sensibler sie sind, je mehr. Wer auch noch schlägt, siganlisiert seinen Kindern, sie seien wertlos und er selbst habe keien Berreschung. Schlechte Voraussetzungen für die seelische Entwicklung! In meiner Kindheit verprügelte unsere Mutter uns jähzornig, oft aus den nichtigsten Anlässen, unser Vater schlug uns nie. Ich habe aus den Verboten meiner Mutter nichts gelernt. Als mein Vater einmal ein Schokoladenpapierchen im Park wieder aufhob, das ich fallen gelasen hatte und nicht selbst wegzuräumen bereit gewesen war, hat mich das für mein ganzes weiteres Leben gelehrt, keine Papierchen in Parks oder sonstwohin zu schmeißen... dementsprechend sage ich: nie schlagen, nicht "zornige allmächtige unzurechnugsfähihe Gottheit" spielen, sondern so menschlich wie möglich mit seinen Kindern umgehen, damit sie Menschen werden können, selbstverantwortlich, selbstachtend, respektvoll mit der Zartheit de anderen.

äh - tausche "keien Berreschung" in "keine Beherrschung" um - sorry... :-)

@hypericum

Ich wollte noch anfügen: auch wenn man seine Kinder nicht willkürlich misshandelt, sondern "mit gutem Grund bestraft": man sollte sich unbedingt klarmachen, dass die KInder DIE Maßstäbe an einen anlegen, die man an ihnen exekutiert. Und das kann man sich nicht leisten, wenn man seine Autorität behalten möchte - denn: kein Mensch ist unfehlbar. Unsere Kinder erwischen uns dauernd bei irgendwelchen kleinen und größeren Fehlern, denn sie schauen genau und ununterbrochen. Sie merken, wenn ihre Eltern inkonsequent sind, also: so zu ihren Kindern sagen, und für sich selbst in der gleichen Situation anders handeln. -Die Kinder haben dann 2 Möglichkeiten: sie sagen sich entweder, die Eltern wüßten es eben am besten, sie selbst seien nicht urteilsfähig und eh schlechter - das ist der leider meist lebenslängliche Tod der Selbstachtung; oder: sie verlieren die Achtung vor ihren Eltern, weil sie sie beim Heucheln erwischt haben. ---Da ich das nicht will, hänge ich meine Erziehung nicht so hoch und spiele nicht den höchsten Richter. :-)

Ich habe keine Kinder, sondern bleibe bei der Hundeerziehung (meiner Ansicht nach kann man da eine ganze Menge übertragen). Und dort habe ich gelernt und positiv angewendet, dass die mildeste Strafe immer die beste ist. Wenn möglich gar nicht strafen, sondern positiv bestärken.

Wenn immer die Bombe kommt, dann verliert diese an Wirkung - und Vorbombliches wird mit einem Lacher und Auflehnung quittiert.

Zum Thema Schläge verweise ich auf meine recht ausführliche Antwort bei dieser Frage: Klapps auf den Hintern?

Der Schwiegermutter würde ich mal klar machen, dass sie für eine Tracht Prügel angezeigt werden kann - und das vollkommen zu recht! Vielleicht sollte sie auch mal eine Ohrfeige bekommen, wenn sie mal wieder bockig ist - hat ja schließlich noch keinem geschadet...

Bravisssima!!!!!!!

Daumen hoch!

hast zwar recht mit dem was du sagst, Kinder mit Hunden zu vergleichen find ich aber doch etwas zuviel.

@Avelon

Ich habe nicht Kindern mit Hunden verglichen, sondern die Grundsätze der modernen Hundeerziehung mit Kindererziehung. Das ist was vollkommen anderes.

Ich sag nur "Klassische Konditionierung"! hihihihi....Beide Daumen hoch für diese Antwort!!!!

Der Vergleich, Kinder- mit Hundeerziehung zu machen, habe ich auch schon öfters so hingestellt, dass sich da vieles ähnelt. Beide Lebewesen sollten mit Geduld und Liebe erzogen werden. Und immer muß ich bei Gewalt gegen Kinder auch daran denken, wenn sie uns Erwachsene jedesmal ohrfeigen oder gar schlagen würden, wenn wir mal was falsch machen, wäre eigentlich gerecht.

vorweg, ich habe keine kinder. wurde nicht nur mit der hand erzogen, sondern auch mit regenshirm und etlichen dingen verprügelt. es waren andere zeit damals, und man hatte keine andere alternativen, man wusste es nicht anderes. aber durch meine verprügelt zeit, bin ich gut durch gekommen und habe keine tendenz zu gewalt, im gegenteil. und mein bruder der auch die prügel mit mir "genossen hat", ist eine sehr gewaltfreien vater gewesen. also. nur so am rand.

grada13, da gebe ich dir recht. wir wurden mit prügel erzogen und sind wir deshalb gewalttäter?

es wurde zu den zeiten so erzogen, so wie später die antiautoritäre erziehung kam. aus dieser generation gibt es auch schlagende menschen und gewaltfreie, wie in jeder generation.

nein, ich bin nicht für prügel, aber gegen die verteufelung von autoritärer erziehung...

was konsequente erziehung ist.

Es scheint zwar so zu sein, daß eine "Tracht Prügel" den Kindern nicht schadet, aber die Schäden, die im Laufe solcher Erziehung entstehen, fallen meist nur deswegen nicht auf, weil die große Mehrheit der Menschen in der zivilisierten Gesellschaft seelisch deformiert / gestört ist! Wenn man wirklich genau hinschaut, ist so gut wie jeder auf die eine oder andere Art traumatisiert, von Angst / Unsicherheit dominiert, mit psychischen Mängeln behaftet. Auch in Anlehnung an Arbeiten / Veröffentlichungen über massenpsychologische Phänomene (die nach meinem Verständnis auf bewußtseinsenergetischer Grundlage ablaufen), kann man m.E. davon ausgehen, daß der größere Teil der "Probleme", die bei Kindern auftauchen, durch die innere Einstellung ihrer Eltern und ihres weiteren Umgangs verursacht/ausgelöst werden. Ansonsten verweise ich auf die Veröffentlichungen zu dem Phänomen, das ich vorzugsweise "kollektive Zivilisationsneurose" nenne. Siehe u.a. mein GF-Tipp dazu.

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