Kinder adoptieren wann ist es am besten und was sollte man beachten?

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Lieber Nash59!

Erst mal finde ich es schön, dass ihr einem fremden Kind die Chance auf ein gutes Zuhause ermöglichen wollt! Die Grundvoraussetzungen scheint ihr ja schon erfüllt zu haben: Beide unter 30 oder 35, (so genau weiß ich das nicht mehr), einer mit gutem, festem Einkommen, eine liebevolle Hausfrau. Ich hatte mich selber mal erkundigt. Da hieß es, dass auf ein Adoptivkind ca. 20 Elternpaare "anstehen" würden, weil es so wenig Kinder gibt, die überhaupt zur Adoption freigegeben sind ... Und da würden dann Eltern mit pädagogischem Hintergrund bevorzugt, weil Adoptivkinder ja oft nicht einfach oder sogar in ihrer Entwicklung zurück sind (denke nur an Alkohol der Mutter in der Schwangerschaft).

Insofern solltet ihr euch lieber eher früher als später bewerben, weil die Eltern erst auf Herz und Nieren geprüft werden und das Adoptionsverfahren wohl auch recht langwierig ist. Insofern wird eure Tochter dann sowieso schon mindestens ein Jahr älter sein...

Warum sollte deine Tochter erst alt genug sein, um zu verstehen, dass ihr Geschwisterchen adoptiert ist? Gehört es denn nicht mit zur Familie? Es wird doch aufgezogen wie euer eigenes? Und dann IST es eben ihr Geschwisterchen, mit dem sie idealerweise aufwächst! Normal!

Als Pflegemutter habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Du kannst im Grunde nicht normal und entspannt mit dem Kind umgehen, weil du nichts, aber auch gar nichts ohne Zustimmung der Mutter oder des Pflegekinderdienstes entscheiden darfst! Du bist immer nur der Ausführende für das, was andere Menschen für richtig halten. Auch wenn du es anders siehst. So was bezieht sich z.B. auf Arztbesuche, nötige Operationen, Schulwechsel, Nachhilfestunden, Sport in einem Verein, die gesamte Erziehung... Mir wurde z.B. untersagt, meinem 15 jährigen, heftig pubertierenden Pflegesohn als Sanktion auf nicht gemachte Schularbeiten oder verursachten Jugendlichen Mist auch nur 5 Euro vom Taschengeld abzuziehen - immerhin 60 Euro vom Amt! Ich wolle mich ja nur bereichern...

Um etwas zu verändern, muss man sich zu einem Gespräch mit allen treffen. Natürlich müssen dann alle Zeit haben. Das hat manchmal Wochen gedauert!!!

Pflegekinder sind meist älter und auf alle Fälle schwierig. Sie bringen z.T. wirklich schlimme Vorgeschichten mit, weil sie ihren Eltern weggenommen werden mussten. Sie können z.B. traumatisiert sein, lernverzögert, immer noch nicht trocken oder Bettnässer sein, kennen keine Regeln, bestehlen euch evtl., können kein Vertrauen fassen. Das kann im Alltag ganz schön schwierig werden! Liebe allein reicht dann nicht mehr aus. Nur noch Nerven wie Drahtseile und wenigstens etwas pädagogisches Grundwissen... Und das alles neben eurem eigenen Kind. Sollte man sich gut überlegen! Und am Schluss kommt dann die Mutter und möchte nach Jahren ihr Kind, an das ihr euch so gewöhnt habt, wiederhaben.... DAS tut weh, das kann ich euch sagen!

LG

Danke für deine ausführliche Antwort und das heißt da meine Frau Erzieherin ist haben wir sogar noch bessere Chancen? Dann werde ich mich am Wochenede mal mit meiner Frau schlau machen. Deine Erzählung über eine Pflegefamilie stimmen mit der meiner Frau überein und das es dann soviel Aufwand bedarf, wussten wir dann auch noch nicht. Finde es wirklich sehr nett das du dir die Mühe gemacht hast mir so eine detaillierte Antwort zu schreiben. 😉 Sobald ich am Pc bin gibts das Sternchen

@Nash59

Vielen Dank, leiber Nash59! Wenn deine Frau sogar Erzieherin ist - besser kann man´s doch gar nicht treffen! Super! Die "Mühe" habe ich mir gerne gemacht, weil ich es wichtig finde, sich sozial zu engagieren. Aber man wird dabei nicht immer ehrlich und fair behandelt.

Mir ist noch was eingefallen: Eine Kollegin von mir hatte 2 eigene, kleine Kinder und hat sich auch sozial engagieren wollen. Der Pflegekinderdienst hat gefragt, ob es irgendein Ausschlußkriterium gäbe. Sie und ihr Mann waren sich einig, dass einzig ein geistig behindertes Kind nicht für sie in Frage käme. Alles andere sei ihnen willkommen. Rate, was sie bekommen haben? Ein geistig behindertes, 3jähriges Kind... Es war noch inkontinent und musste gewickelt werden, als es dann mit 18 Jahren die Familie verlassen hat. Der Geruch war nicht aus dem Haus zu kriegen. Und ihre eigenen Kinder hat meine Kollegin nur so im Vorbeigehen erlebt, weil sie jede Minute auf das geistig behinderte Pflegekind aufpassen musste! Die Kindheit der eigenen Kinder war praktisch im Eimer. Soo hatten sie sich das nicht vorgestellt...

LG

Hallo Hopsfrosch, das ist wirklich traurig zu hören😯 Natürlich weiß ich das die Adoption kein Wunschkonzert ist aber sowas sollte man dann doch beachten. Ich für mich selbst hoffe nur das ich beiden Kindern gerecht werde und nicht eins bevorzuge, das ist eigentlich meine größte Angst. Das mit der Pflegefamilie kommt für uns wohl nicht in Frage. Sollten wir kein Kind hier Adoptieren dürfen dann werden wir es auch dabei belassen! Vll. gibt es ja auch bald schon ein zweites eigenes Kind wer weiß das schon😊 Nochmals vielen Dank und jetzt wissen wir wenigstens worauf wir uns einstellen müssen.

Du kannst im Grunde nicht normal und entspannt mit dem Kind umgehen, weil du nichts, aber auch gar nichts ohne Zustimmung der Mutter oder des Pflegekinderdienstes entscheiden darfst! Du bist immer nur der Ausführende für das, was andere Menschen für richtig halten. 

Dem muss ich leider hundertprozentig zustimmen. Gerade erlebe ich es wieder beim Thema Schule.

Als Pflegemutter hat man natürlich null Ahnung, was für das Kind, dass man aufzieht, das richtige ist :-(

@passaufdichauf

Genau, liebe passaufdichauf. Denn als Pflegemutter lebt man ja auch nur mit diesem Kind zusammen.... Da kann man so was offenbar  nicht beurteielen... :-(  

Mein Pflegesohn hatte ADS, war aber von der Herkunftsfamilie her auf dem Gymnasium. War damit natürlich heillos überfordert. Die Terminfindung für das Gespräch, ob er nicht auf einer Realschule besser aufgehoben sei, dauerte ein halbes Jahr....Es ging um die 10. Klasse, er stand kurz vor dem Abschluss. Er war schon 16, fiel also aus der Schulpflicht heraus. Da er das Gymnasium auf keinen Fall geschafft hätte, hätte er den Sommer drauf die Schule ohne Abschluss verlassen..... Da einfach kein Termin zustande kam und mir was an dem Kind lag, habe ich es schließlich eigenmächtig abgemeldet. Nun hat er wenigstens den Hauptschulabschluss. Aus meinem Haushalt geht kein Kind ohne Schulabschluß! Dieser Alleingang ist mir sehr übel genommen worden....

Da stell ich mir doch die Frage wieso mir das Kind überhaut anvertraut wird, wenn mir doch ständig in die Erziehung gepfuscht wird? Das Kind weiß doch später gar nicht mehr wo oben und unten ist😐 Das tut mir in der Seele weh sowas zu hören schließlich gehts hier ja um ein Kind. Ich hoffe dennoch ihr könnt das beste darauß machen. Viel Glück und danke😊

@Nash59

Richtig. Die selbe Frage habe ich mir dann auch gestellt... Zumal ich die Erziehung auch immer mit der Psychologin der Erziehungsberatung abgesprochen hatte. Und dann kommt der Sozialarbeiter, der das Kind nicht wirklich gut kennt, und schmeißt alles wieder um...  Na ja, mit 18 ist mein Pflegesohn auch ausgezogen. Diese Zeiten sind also passeè...

Hallo Nash,

ich schlage vor, ihr informiert euch mal ausgiebig beim Jugendamt. Denn zum einen hat jedes Jugendamt andere Vorgehensweisen, Präferenzen und Problemlagen und zum anderen ist nicht alles zutreffend, was man über Pflege (und auch Adoption) so hört.

Es gibt z.B. JAs, bei denen man es als Familie mit leiblichem Kind sehr sehr schwer hat, für ein Adoptivkind in Betracht gezogen zu werden. Je nach dem wo ihr wohnt, stehen nämlich tatsächlich mehr als 10 Bewerber für jedes Kind, das neue Eltern auf dem Weg einer Adoption braucht, zur Verfügung. Die Altersempfehlung für die Aufnahme eines Kindes zur Adoption liegt übrigens bei 40 Jahre Altersabstand zwischen Kind und Adoptiveltern! Das ist aber auch keine fixe Grenze sondern eine Empfehlung und wird von den JAs sehr unterschiedlich gehandhabt.

Was das Thema Pflege angeht, würde ich mich auch darüber sehr genau vom JA informieren lassen. Nicht jedes Pflegekind ist schwierig und nicht jedes Adoptivkind ist frei von Auffälligkeiten. Normalerweise berücksichtigen die Jugendämter z.B. Ausschlußkriterien auch und letztlich kann man sowohl bei Adoption als auch Pflege Kindervorschläge auch ablehnen, ohne dass man dadurch nicht nochmal in Betracht gezogen würde. Wir haben das selbst mehrfach durch (Kindervorschläge für Adoption und Pflege) und sind in der Zwischenzeit Adoptiveltern eines wundervollen Jungen und angehende Pflegeeltern!

Grüße, Claudia

Hallo Claudia, auch ein Dank an dich für die Mühe mir zu antworten. Wir werden uns sicher die nächsten Monate damit beschfätigen. Das auch adoptierte Kinder verhaltensauffällig sein können ist mir schon bewusst da meine Frau auch schon damit Erfahrung hat. Es ist uns lediglich wichtig gewesen wie man sich verhält mit einem eigenen Kind in der Familie. Wir sind sehr gespannt was uns erwartet, ich hoffen das wir einem Kind die Möglichkeit bieten können, in einem glücklich und zufriedenem Umfeld aufzuwachsen. Ich wünsche dir und deine kleinen Familie alles gute😉

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