Kfz Bremsen, beanspruchung und Temperatur?

3 Antworten

Ich denke mal dass das Geräusch das Du gehört hast gar nicht von den Bremsen kam sondern die Profile der Reifen sich durch die starke Bremsübertragung auf die Strasse verformten und schliesslich die das Geräusch verursachten.

Die Bremsen nehmen bei jedem Bremsen gewissermassen Schaden, sie nutzen dabei ab. Aber die Bremsen halten solche Dinge lange Zeit völlig problemlos durch.

Wie heiss die werden hängt davon ab wie heiss sie zuvor schon waren. Ich hab mir nie Gedanken darüber gemacht, eine (Not-)Bremsung von 160Km/h auf Null würde die mutmasslich grade soweit aufheizen dass man die Bremsen selbst nicht mehr anfassen kann ohne sich zu verbrennen.

Brandgefahr wäre noch weit entfernt. Im Rally-Rennsport konnte man bei Nachtfahrten damals sehen wie die Bremsscheiben vor jeder Schikane gut Rotglühend gebremst wurde und nie hätte ich gehört dass dabei ein Brand ausgelöst wurde.

Man kann bei einer Nicht-Gafahrenbremsung stossweise bremsen um die Bremse zwischendurch etwas zu entlasten und kühlen zu lassen. Braucht man aber nicht, mehr wichtig wäre dies bei einer langen Gefällstrecke hauptsächlich den Motor bremsen zu lassen und die Betriebsbremse nur ab und an dazu bremsen zu lassen.

Bei einem Bremsausfall würde ich aber ganz sicher die Handbremse benutzen um mit der wenigstens eine geringe Bremskraft zu erziehlen, das ist unter solchen Umständen auch keineswegs verboten (schliesslich besser als ungebremst Irgendwo gegen zu brettern).

Die Handbremse ist meist eine mechanische Betätigung der eigentlich hydraulisch betätigten Betriebsbremse der Hinterachse. Meist ist es kein Problem für die abzubremsen, nur wirkt sie nicht sehr gut (beim Abbremsen kommt gut Zwei Drittel von der Vorderachse).

Also:

A: Exakt dafür sind Bremsbeläge ausgelegt. Diese halten auch ohne Probleme Fahrsicherheitstrainings aus, hier werden innerhalb von 1-2 Stunden locker 15 Vollbremsungen Vollführt, auch aus höheren Geschwindigkeiten. Eine Vollbremsung ist für die Bremsbeläge ein Witz. 

B: Die Bremsen werden nicht so extrem Heiß werden, nach einer Vollbremsung. Grob geschätzt zwischen 100 und 300°. Das ist nichts, Bremsen können bis zu 1000€° heiß werden. Erst nach vielen Vollbremsungen werden die Bremsbeläge wirklich heiß, das macht sich dann bemerkbar durch den Gestank. Aber auch da ist noch kein Problem, die Bremsen machen das ohne Probleme mit^^

C: Bei sehr langen Bergabfahrten solltest du unbedingt die Motorbremse nutzen. Sonst haben alle Autos aus den letzten 30 Jahren, die mit bekannt sind, vorne innenbelüftete Bremsscheiben. Hier gibt es das Problem des "Fadings"-also des starken erhitzens und Bremskraftverlustes nicht mehr-also fast nicht mehr. Außer bei langen Bergabfahrten (hier Motorbremse) oder durch sehr sehr viele Vollbremsungen hintereinander (hier änderung des Fahrstils).

D: Also das ist jetzt "komisch".

Der Reihe nach. Die Handbremse ist einfach die stinknormale Bremse hinten. Also entweder Trommel oder Scheibe. Hier wird die Bremsbacken über einen Seilzug an die Trommel/Bremsscheibe gepresst. Das System ist direkt, dazwischen sitzen keine Kontrollgeräte. 

Bremskraftverteilung: Da sich das Gewicht eines Autos beim Bremsen nach vorne verlagert, wird ein Großteil der Bremskraft auf die Vorderräder übertragen. Das Verhältnis ist meistens 70:30% Bremskraft vorne/hinten, es gibt sogar Autos mit einer Verteilung von 90/10.

Bei einer Vollbremsung die Handbremse zu ziehen ist das schlechteste was du machen kannst. Warum?

Dein Fahrzeug hat ABS. Wenn du eine Vollbremsung machst, ist jedes einzelne Rad-jedes, auch an der Hinterachse-voll abgebremst. Es ist an der Blockiergrenze, mehr Kräfte können Physikalisch nicht übertragen werden-hierfür sorgt das ABS. Alles, was deine Aktion bringt, ist, dass du dich auf die Handbremse konzentrierst. Eine Bremswegverkürzung liegt in keinem Fall vor. Wie denn auch, du überträgst ja schon jedmögliche Bremskraft auf die Straße. Mehr geht nicht mehr, irgendwann ist Schluss.

ABER: Die Gefahr des Überbremsen entsteht. Kurz gesagt-durch deine Aktion wird ein Blockieren der Hinterräder wahrscheinlicher-trotz ABS, wie gesagt, das greift nicht ein bei der Handbremse. 

Jeder Autohersteller weiß-niemals darf die Hinterachse (zuerst) blockieren. Was passiert kannst du simpel ausprobieren.

Ein blockiertes Rad überträgt keine Seitenführungskräfte mehr.

Nimm ein Spielzeugauto, möglichst ein großes. Überklebe die Vorderräder und schiebe es nach vorne. Was wird passieren? Das Auto rutscht einfach geradeaus. Nicht optimal, heutzutage verhindert das ABS das überbremsen der Vorderachse.

Nimm das gleiche Spielzeugauto und überklebe nun die Hinterräder. Schiebe es wieder an, und du wirst beobachten, dass sich das Auto anfängt unkontrollierbar um die eigene Achse zu drehen. Ein Überbremsen der Hinterachse wird auch durch das ABS verhindert. 

BTW: Die ersten ABS Systeme waren aus diesem Grund nur für die Hinterachse. Die Vorderachse war nicht geregelt und konnte Blockieren.

Wenn du jetzt also durch das ziehen der Handbremse die Hinterachse überbremst gerätst du ins Schleudern. Und dann dürfen wir von der Feuerwehr wieder rausfahren und Leichen aus Fahrzeugen ziehen.

https://youtube.com/watch?v=UUmE1U6kh1E

Hier siehst du das Beschriebene sehr gut. Die Hinterräder blockieren, das Auto gerät ins Schleudern. Wäre ein LKW auf der Rechten Spur gewesen, schätze ich die Überlebenschancen gegen 0 ein. 

Eine korrekt Ausgeführte Schlagbremsung ist da deutlich sinnvoller-das Auto bleibt Stabil und bedingt lenkbar dank ABS-Außerdem holst du das maximal möglichste aus deiner Bremsanlage raus, mehr geht nicht. Egal ob mit oder ohne Handbremse.

Empfehlung: Mache ein Fahrsicherheitstraining. Ich habe auch schon diverse hinter mir, das macht Spaß, und dort lernst du genau solche Dinge. 

Seitwärts gegen den Baum:

https://youtube.com/watch?v=XJjExx5n7GI

Vorwärts habe ich leider kein passendes Video, aber ich kann dir bestätigen, dass das mit Glück überlebbar ist (im Gegensatz zu dem Seitlichen). Ich kenne immerhin jemanden, der das überlebt hat. Also gilt nach wie vor: Lieber vorwärts gegen den Baum, da ist die Knautschzone. 

Also: Die Handbremse zu nutzen bei einer Gefahrenbremsung ist extrem Gefährlich für dein Leben und die Menschen um dich herum. Sollte nach einem Unfall dir Nachgewiesen werden können, dass du mit der Handbremse gebremst hast, kann ich mir gut Vorstellen, dass die Richter das nicht lustig finden-immerhin wird es richtig in der Fahrschule gelehrt. Ich kann mir hier sogar eine Verurteilung wegen Fahrlässiger Tötung vorstellen, da du es besser wissen musst. Also: Tu mir den Gefallen und versprich, die Finger von der Handbremse zu lassen (Am besten so oft wie möglich, auch im Stand reicht oft ein eingelegter Gang. Die Handbremse kann im Stand festbacken, das ist nicht schön (wenn zu lange)

Du solltest dich darüber informieren, ob dein Auto ein sogenanntes Adaptives Bremslicht hat.  

https://youtube.com/watch?v=EB_7enZeJ6c

Dann wäre der Griff zur Warnblinkanlage sinnlos, die Hände sind in einer solchen Situation am Lenkrad besser ausgehoben. Wie gesagt, mach ein Fahrsicherheitstraining, dort erlebst du solche Situationen in kontrllierten Bedingungen. Ein solches System kann man auch Nachrüsten.

Hier nochmal ein Video: 

https://youtube.com/watch?v=GNjs9LDXssY

Hier siehst du gut (dank der großen Räder), dass auch die Hinterachse immer wieder blockiert, und das ABS eingreifen muss-->Die Maximale Bremskraft wird immer übertragen, eine Handbremse ist überflüssig (ganz früher war das mal ein wenig anders, da waren manchmal die Hinterachsbremsen viel zu schwach ausgelegt, um das Überbremsen zu verhindern, hier hat eine Handbremse manchmal was gebracht. Heute gehört das aber in die Märchenkiste).

https://youtube.com/watch?v=CmR4_Q-rnTU

LG, hoffe, ich konnte helfen^^

Roboboy, vielen vielen Dank für die Ausführliche Antwort, aber zu (D) ich meint nicht Vollbremsung+Handbremse ich meinte Bremsversagen+Handbremse als Rückfallebene Stufenweise anziehen.

Aber danke für die ausführliche recherche, und zum Thema Maximale bremskraft bei Fahrzeuge  ( Reibwert höher als Bremskraft weiß ich schon Bescheid ) bin Werdender Lokführer bei der DB, und wenn die bremse falsch eingestellt ist zum Beispiel, kann es sein das die Radsätze blockieren und man ins Bremsgleiten kommt, passiert bei Autos ohne ABS auch, nur bei der Bahn Ver 3 Facht sich dann der Bremsweg. Und danke für die ungefähren Temperaturen, hatte nämlich etwas Angst vor nem reifenbrand, weil bei der Bahn werden die Klotzbremsen bis zu 700°C (bei fehlbedienung sogar 1200°C heiß) 

 

@LegitAnswerGer

Ok, Lesefehler meiner Seits.

Ich las "Bremsfall", nicht "Bremsausfall". Dann ist natürlich die Handbremse die einzig richtige Möglichkeit.

Tipp für diesen Fall: Dauerhaft den "Knopf" halten, so kannst du schnell die Bremse lösen, falls die Hinterräder blockieren. Denkbar wäre der Fall auf der Autobahn, du bremst mit der Handbremse relativ stark, überfährst eine Brückenfuge, dieser Impuls reicht aus, um die Räder zum blockieren zu bringen, das Heck bricht weg. Sitzt die Handbremse nun auf der Position fest, so ist ein einfangen des Fahrzeuges unmöglich. Das wäre nur mit Vollständig gelöster Bremse denkbar. 

Einen Reifenbrand kannst du nicht provozieren. Karbon-Keramik-Bremsen werden bis zu 1600°.

Eine durchschnittliche Stahlbremse kann bis zu 1000° heiß werden, jedoch kannst du die danach auch wegwerfen. So 800° hält eine normale PKW-Bremse aus. Das ist weit entfernt von einem Brand-lediglich schlechte Bremsklötze könnten Feuer fangen. Dann gilt: Einfach weiterfahren, der Fahrtwind kühlt die Bremsen. 

Aber wie gesagt, auch nach 15 oder 20 Vollbremsungen aus 50-100 km/h kurz hintereinander war meine Bremsanlage noch voll in Ordnung-hat halt ein wenig gestunken^^

Und ich fahre momentan einen Opel Corsa mit normalen Bremsen, also keine Sorge um deine Bremsen, da kannst du reinhauen so viel du willst, die bekommst du so einfach nicht kaput. Vorher ist dir Kotzübel^^

LG

Hallo,

zu A)

Nein, die Bremsanlage eine Pkw ist konstruktionsbedingt dafür ausgelegt, das Fahrzeug aus seiner maximalen Höchstgeschwindigkeit so schnell wie möglich zum Stillstand zu bringen.

zu B)

sehr heiß, deswegen werden ab einer bestimmten Fahrzeugmasse auch vorne Scheibenbremsen verbaut, da diese die Wärme schneller abführen können.Bei Sportwagen oder Motorrädern werden dann sogar gelochte Scheibenbremsen verbaut, die die Wärme noch einmal besser abführen können.Dazu wird auch noch durch Lüftungskanäle eine stärke Lüftung erreicht.

zu C)

das macht das ABS

zu D)

die Handbremse ist GENAU dafür gedacht :-)

Zu Unterscheiden ist dabei zwischen den konventionellen Handbremsen und den modernen elektrischen.

Bei den alten must du mit sehr viel Gefühl ran gehen, weil diese ausschließlich mechanisch auf die Hinterräder wirken und bei zu starker Betätigung du eine Luftreise machst

Bei den modernen  elektrischen Handbremsen gibt es eine Notbremsfunktion, die meistens durch längeres Drücken des Schalters aktiviert wird (Handbuch lesen !!)  Dabei wird dann ein Notprogramm aktiviert das ABS und EPS aktiviert und das Fahrzeug mit allen vier Rädern sofort bis zum Stillstand abbremst.

Zu deiner D-Aussage:

Ja, die Handbremse hat eine Notbremsfunktion, wenn du bei ganz neuen Fahrzeugen schaust. Diese wird aber meist erst nach längerem Drücken aktiv, ist also nur was, wenn dir das Bremspedal rausfällt. Und auch dann kann das sehr gefährlich enden, da man, wenn man Ausweichen muss, nicht mehr die Bremse lösen kann, somit kann man nur sehr bedingt lenken. JA, trotz ABS. Die volle Lenkfähigkeit bleibt nicht erhalten, dieser Irrglaube hat in meinem Umfeld mindestens eine Person getötet und eine lebensgefährlich verletzt. Ist auch nicht meine Annahme, dass das so sei, sondern die des Gutachters.

Bei alten Handbremsen wäre ein ziehen der Handbremse bei einer Gefahrenbremsung fatal-und sowas hat der FS (Frage lesen!).

Jede halbwegs moderne Auto-also alles, was in den letzten 30 Jahren gebaut wurde, bringt bei einer Vollbremsung auch die Hinterachse zum blockieren-mehr geht ja wohl nicht. Nur das ABS verhindert das. Früher-vor ABS-Zeiten sah das anders aus, um ein Überbremsen der Hinterachse zu vermeiden, wurde öfter ein großer Sicherheitspuffer eingebaut. Diesen konnte man durch die Handbremse ein wenig verringern und somit den Bremsweg verkürzen. Das gilt aber noch lange nicht für jedes Fahrzeug ohne ABS.

Wied dem auch sein wir Sprechen von einem I20. Der hat seit der ersten Generation ABS und kann seit der ersten Generation die Hinterachse mit maximaler Bremskraft abbremsen. Ein Einsatz der Handbremse würde nur ein Überbremsen der Hinterachse Provozieren....

@roboboy

mal ehrlich, hast du in deinem Leben schon einmal hinter dem Steuer eines Pkw gesessen ??

@OlafausNRW

Die Frage (D) hattest du schon richtig verstanden : ) war ja immerhin-> Bremsausfall+Handbremse 

Auch danke für deine Antwort 

@LegitAnswerGer

1: Ja, ich saß schonmal hinter dem Steuer eines PKWs-sogar häufiger. 

2: Tut mir Leid, ich las "Bremsfall", nicht "Bremsausfall". So sieht die Sache natürlich wieder anders aus, und hier ist die Handbremse natürlich angebracht. 

3: Jap, auch ich mache Fehler ;)

4: Ich sehe in meiner Antwort keinen Fehler-wenn ich die Fehlerhafte Annahme zu Grunde lege, dass der Fragesteller die Handbremse während einer Gefahrenbremsung ziehen wollte, was ich natürlich auch wegen eines Lesefehlers auch auf deinen Kommentar bezog. Würde mich brennend interessieren, weshalb du meinst, ich wäre noch nie hinter dem Steuer eines Autos gesessen.

LG

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