kein geld für wohnung da ich krankengeld beziehe. welche möglichkeiten habe ich für unterstützung?

5 Antworten

Beim regional zuständigen JobCenter erhält jeder bedürftige Erwerbsfähige zwischen 15 und 65 sogenanntes Arbeitslosengeld II (ALG II), vulgo "Hartz IV". Das gibt es auch aufstockend zum Gehalt oder zum Krankengeld, soweit noch Bedarf vorhanden ist.

Als erwerbsfähig gilt Jedermann solange, bis er noch nicht als erwerbsgemindert festgestellt worden ist von Amts wegen, also auch du: SGB II § 44a Feststellung von Erwerbsfähigkeit und Hilfebedürftigkeit - http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/index.html

Wer "krankgeschrieben" ist, also arbeitsunfähig ("AU" = "gelber Schein" vom eigenen Arzt), gilt deshalb noch lange nicht als "gemindert erwerbsfähig" oder gar als "erwerbsunfähig". Die auch hier fälschlich genannte "Sechs-Monats-Regel" gilt beim ALG II höchstens für stationär behandelte Kranke! Und noch nicht einmal für die, wenn sie "voraussichtlich für weniger als sechs Monate in einem Krankenhaus (§ 107 des Fünften Buches) untergebracht sind", sagt § 7 SGB II (Link oben) in Absatz 4!!!

Zum Bedarf zählen beim ALG II 1.) der Regelbedarf (Singles 374,- im Monat; § 20 SGB II), 2.) angemessene tatsächliche Kosten für Unterkunft und Heizung (§ 22); 3.) Mehrbedarfe (§ 21) für Schwangere, Behinderte in Maßnahmen, Ernährungsgestörte und Elternteile zur Wahrnehmung ihres Umgangsrechts inklusive Fahrkosten zum Kinde laut Absatz 6:

"(6) Bei Leistungsberechtigten wird ein Mehrbedarf anerkannt, soweit im Einzelfall ein unabweisbarer, laufender, nicht nur einmaliger besonderer Bedarf besteht. (...)"

Nicht zu den Mehrbedarfen zählt die Tilgung von Schulden (seltene Ausnahme: Ein fast abbezahltes Haus, aber dann per § 22!): Hierfür gibt der Staat keine Zuschüsse, weil diese indirekt der Vermögensbildung dienten (dazu gibt es andere Fördertöpfe wie Bausparverträge usw. :-)). Für Schulden in Notzeiten gibt es die Pfändungsfreigrenzen, auch für Sozialleistungen, auch per P-Konto.

Kann man einen Umzug nicht selbst finanzieren, gibt es zwei Fördermöglichkeiten: 1.) Die Zusicherung nach Absatz 6 § 22 SGB II, in der Regel aber nicht für Fernumzüge. Dafür gibt es 2.) zwecks Arbeitsaufnahme § 45 SGB III in Verbindung mit § 16 SGB II.

Will man sichergehen, dass die Kosten für die neue Wohnung auch voll übernommen werden (auch vom neuen zuständigen JobCenter), beantrage man eine dahingehende Zusicherung beim aktuell zuständigen, also alten, JobCenter in der Region, siehe § 22 SGB II Absatz 4:

"(4) Vor Abschluss eines Vertrages über eine neue Unterkunft soll die erwerbsfähige leistungsberechtigte Person die Zusicherung des für die Leistungserbringung bisher örtlich zuständigen kommunalen Trägers zur Berücksichtigung der Aufwendungen für die neue Unterkunft einholen. Der kommunale Träger ist zur Zusicherung verpflichtet, wenn der Umzug erforderlich ist und die Aufwendungen für die neue Unterkunft angemessen sind; der für den Ort der neuen Unterkunft örtlich zuständige kommunale Träger ist zu beteiligen."

Will man nicht sichergehen und auch keine Umzugskosten erstattet bekommen und auch kein Darlehen für eine Kaution erhalten und keine Zuschüsse für eine Maklergebühr (alles Absatz 6 § 22 SGB II), dann zieht man einfach um und beantragt neu ALG II beim neuen zuständigen JobCenter. Dann kriegt man lediglich die tatsächlichen angemessenen Kosten erstattet laut Satz 1 Absatz 1 § 22 SGB II.

In NRW wären das bei einem Single ca. 50 m² im unteren Preissegment zu, je nach Region, also sagen wir mal Aachen: 47 m² bis zu € 238,29 plus angemessene kalte und warme Nebenkosten. Da muss man also schon die Sorgerechtskosten dazu nehmen, um als Single mit "750€ krankengeld monatlich" noch aufstockend ALG II zu erhalten (und sich ansonsten alternativ um Wohngeld bemühen).

Einkommen wie Krankengeld wird laut § 11b SGB II übrigens vor seiner Anrechnung auf den Bedarf an ALG II bereinigt um zumindest 30,- Versicherungspauschale - Erwerbseinkommen wie Gehalt oder Gewinn hingegen um mindestens 100,- plus 20 % vom Rest.

Fahrkosten zum umgangsberechtigten Kind werden wohl begrenzt auf die Kosten für das billigste Bahnticket, auch wenn man mit dem Auto hinfährt oder mit dem Moped. Analog sollte wohl das Bundesreisekostengesetz angewandt werden: "Die Erstattung von Fahrt- und Flugkosten nach § 4 Abs. 1 Sätze 1 und 3 BRKG ist begrenzt auf die Höhe der Kosten der niedrigsten Klasse des regelmäßig verkehrenden Beförderungsmittels" (Ausführungsbestimmungen aus Niedersachsen). Üblicherweise müssen Rabatte in Anspruch genommen werden, mutmaßlich auch solche, die es bei Vorbestellung (womöglich auch per Internet) gibt.

Gruß aus Berlin, Gerd

Leider werden deine sonstigen Ausgaben nicht berücksichtigt. Eine Hilfe von der Arbeitsagentur/JobCenter bekämst du nur wenn mit dem Umzug ein konkretest Arbeitsangebot verbunden wäre. 750 € sind mehr als die Grundsicherung und die Kosten der Unterkunft. Deine Schulden interessieren niemenden. Dafür kann der Steuerzahler nicht gerade stehen.

Allerdings ist es ein Grundsatz der Sozialhilfe, dass Obdachlosigkeit unter allen Umständen vermieden werden soll. Also käme die Hilfe des Sozialamtes in Betracht( hier allerdings nur in Darlehensform, da die Hilfsbedürftigkeit ja nur vorübergehend ist)

Das ist noch die kompetenteste Antwort von allen.

Alg II kannst du gar nicht beantragen, das können nur Leute die im Arbeitsverhältnis stehen und zuwenig verdienen. Es sieht ja nicht so aus als wenn du in absehbarer Zeit arbeitsfähig bist, lass dich doch mal vom Arzt beraten und beantrage dann ev Berufsunfähigkeitsrente. Wenn entsprechende Atteste vorliegen, dann kannst du einen Termin mit dem Sozialamt vereinbaren und dich dort beraten lassen. Wohngeld kann erst beantragt werden wenn du eine Wohnung hast, Mietkaution und die 1. Miete kann als Darlehn gewährt werden vom Sozialamt. Wenn du sowieso umziehen willst, warum ziehst du dann nicht dichter zu deinem Kind? Aber auch da können Zuschüsse gewährt werden, für die Fahrten, es wird allerdings überprüft ob es preiswertere Möglichkeiten gibt, zB Bus, MItfahrgelegenheiten. Bei den Schulden hilft nur Schuldnerberatung! Ansonsten kann man von 750€ wohnen und leben, zumindestens ich und ich lebe in Berlin.

Stell beim zuständigem Versorgungsamt einen Antrag auf teilweise Berufsunfähigkeitsrente dann kannst Du ergänzende Sozialleistungen in Anspruch nehmen.

Das Versorgungsamt ist für die Beantragung von Renten überhaupt nicht zuständig. Wenn überhaupt muss sich der Fragesteller in diesem Fall an den Rentenversicherungsträger wenden.

@InfoDieter

die Einstufung des Behinderunggrades muß dort festgestellt werden, die vesch. Erkrankungen werden in % Prozentangabe zusammen gerechnet.Danach wird ausgewertet ob u. wie z.Z. eine Arbeitsfähigkeit besteht.Dieses wird gegf. v.Zeit zu Zeit überprüft. Dort wird auch das Merkmal vergeben, Bsp. Parkplatz für Behinderte zu nutzen...m.l.Gruß

@himako333

Du irrst hier leider etwas. Schwerbehinderung und Erwerbsunfähigkeit sind zwei verschiedene paar Schuhe.

Ich habe 100 % GdB an Schwerbehinderung. Das bedeutet aber noch lange nicht, das ich auch eine Erwerbsminderungsrente erhalte.

Hierüber muss die Rentenversicherung entscheiden. Und wenn die zu einem anderen Ergebnis kommt, dann gilt das. Trotz entsprechender Schwerbehinderung.

@MichaelSelm

da hast Du Recht, ich kenn auch Schwerstbehinderte die arbeiten, die erhalten dann auch einen Sonderstatus im Betrieb, falls sie Rollstuhlfahrer sind können sie auch völlig normal z.Bsp.an einem PC arbeiten!* Eine Teilerwerbsunfähigkeitsrente ist aber etwas anderes.* Eine Freundin v.mir erhält diese , Tinitus & Rücken, arbeit nicht mehr voll & erhält Lohnzuschuss( Altenpflege) .Sie muß in Abständen alle ärztlichen Unterlagen zur Auswertung beim Versorgungsamt vorlegen. ..m.l.Gruß

ALG II sollte als Aufstockung helfen, du bist ja nur vorübergehend krank und brauchst einen AUfschlag.

ich bin seit einem jahr arbeitsunfähig geschrieben. bekomme geld von der krankenkasse. dann würde mir das arbeitsamt doch keine aufstockung gewähren, oder ? die sind dann doch für mich nicht zuständig oder sehe ich das falsch ?

wo kann ich alg II aufstockung beantragen ?

@realebratwurst

Wenn du mehr als 364,00 € plus deiner tatsächlichen Wohnkosten hast, bekommst du von niemandem irgendeinen Zuschuss. Zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit höchstens ein Darlehen des Sozialamtes

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