Kann man einen Testamentsvollstrecker seines Amtes entheben, wenn er nachweislich sein Amt nicht oder nur ungenügent ausführt?

7 Antworten

Schließlich hat das Nachlassgericht die Möglichkeit, einen Testamentsvollstrecker zu entlassen, wenn dieser seine Pflichten grob verletzt hat oder sich als unfähig herausgestellt hat. Eine diesbezügliche Anregung kann das Gericht von einem an der Nachlasssache Beteiligten erhalten.

Ein wichtiger Grund wurde von den Gerichten zum Beispiel für den Fall angenommen, dass der Testamentvollstrecker sich nicht an die noch vom Erblasser gemachten Anweisungen hält oder auch einen Erben gegenüber anderen bevorzugt. Ebenfalls läuft der Testamentvollstrecker Gefahr seines Amtes enthoben zu werden, wenn er eigene Interessen vor die der Erben in den Vordergrund stellt. Auch überzogene Vergütungsforderungen des Testamentvollstreckers oder seine beharrliche Weigerung, ein Nachlassverzeichnis zu erstellen und zu übergeben, können eine Entlassung nach sich ziehen.

http://www.erbrecht-ratgeber.de/erbrecht/testament/testamentvollstrecker.html

Ich bin überzeugt, ein Anwalt, vielleicht auf "Erbrecht" spezialisiert wird Dir weiterhelfen können. Den wirst Du warscheinlich ohne brauchen, um Deine Ansprüche gegen die Erbin, bzw. deren gesetzlichen Vertreter durchzusetzen und Deine Auslagen erstattet zu bekommen.

Hier meine Frage: Kann ich per Antrag den Testamentsvollstrecker seines
Amtes entheben lassen und z.B. selbst dieses Amt ausführen.

Punkt 1 wäre nach §2227 BGB möglich, wenn sie Beteiligter sind. Das ist allerdings alles andere als einfach. Punkt 2 ist auszuschließen, da sie ja gerade Beteiligter sind und somit als TV in einen Intressenkonflickt stehen. Es müßte dann wegen §181 BGB zwingend ein Ergänzungsvollstrecker berufen werden.

verweigert mir nun die gesamte Mitbenutzung der Gemeinschaftsräüme und verweigert die Eintragung im Grundbuch.

Das ist eine GANZ andere Bausstelle. Um das durchzusetzen müssen sie in der Sache klagen, z.B. auf Eintragung in das Grundbuch. Allerdings dürfte das nicht billig werden, da beim Wohnrecht ein ganz erheblicher Geschäftswert zugrunde gelegt wird. Und verweigern klingt für mich jetzt eher nach aktiven Widerspruch und nicht nach Untätigkeit.



Hallo,

grundsätzlich kann man einen Antrag auf Entlassung der TV (wegen z.B. Unfähigkeit zur ordnunggemäßen Amtsführung) beim Nachlassgericht stellen. Um Erfolg zu haben, kommt es aber auf den genauen Wortlaut im Testament an und ob der TV tatsächlich dagegen (Erblasserwillen) verstößt. Das Verfahren ist aber schwierig, langwierig und extrem teuer, da es vermutlich auch bei Dir über alle Instanzen geführt werden muss. Bei mir hat das 3 1/2 Jahre gedauert und etliche Tausend € gekostet, war aber letztendlich erfolgreich. Ich kann Dir davon nur abraten, es sei denn, Du kannst soetwas auch finanziell bis zum Ende durchstehen und unter dem Strich muss es sich ja auch für Dich rechnen. Ohne einen wirklich guten Fachanwalt für Erbrecht hast Du aber keine Chance. Eine ausführliche Recherche im Internet (Fachaufsätze zu dem Thema) haben mir geholfen den richtigen Anwalt zu finden. Es wird Dich vermutlich ehr weiter bringen, den/die Erben (TV) auf Erfüllung Deiner Ansprüche zu verklagen, da sind wir aber wieder beim genauen Wortlaut im Testament, ob Du damit erfolgreich sein kannst.

Sollte der TV entlassen werden, würde das Nachlassgericht einen neuen TV berufen, das ist im Normalfall ein Anwalt, welcher schon häufiger von Amtswegen für soetwas eingesetzt wurde.

Viel Glück...

Ich wohne in einem Haus und habe hier lebenslanges mietfreies Wohnrecht.

Inwiefern? Gibt es einen entsprechenden Vertrag mit dem Eigentümer? Eine entsprechende Verfügung seines Testaments oder Erbvertrags? Ist die als Teilungsanordnung oder Vermächtnis erteilt? Besteht demnach überhaupt ein Erfüllungsanspruch auf mietzinsfreie Wohnrechtgewährung oder grundbuchliche Eintragung? Wurde der Verfügung seitens des rechtsnachfolgenden Erben bzw. des Testamentsvollstreckers widersprochen? Ist Anfechtungsklage anhängig?

Grundsteuer, Brand- , Hagel- , Sturm-, Wasserschadenversicherung wurden noch nie bezahlt, obwohl es die Pflicht wäre.

Bis auf die Steuer ist es selbstverständlich keine Pflicht eines Eigentümers, Versicherungen abzuschliessen oder Beiträge zu bezahlen. Aber die des Erben, Verträge des ehemal. Eigentümers zu kündigen :-)

Seit 36 Monaten kümmere ich mich um das Anwesen und bezahle auch alle Rechnungen.

Warum?  Seit wann steht dies einem Wohnrechtberechtigten zu oder wäre von ihm zu leisten?

Kann ich per Antrag den Testamentsvollstrecker seines Amtes entheben lassen und z.B. selbst dieses Amt ausführen.

Aus welchem Grund? Dass er ein dir angeblich zustehendes Wohnungrecht nicht gewähren will, ist allein deine Wahrnehmung. Ob hierin tatsächlich ein wichtiger Grund i. S. d. § 2227 BGB liegt, vermag ich der Fallschilderung nicht zu entnehmen :-)

Der TV wurde von dem Erblasser aus gutem Grund eingesetzt und zwar nicht zur Wahrnehmung deiner Interessen, sondern die des minderjährigen Erben :-)

G imager 761


Es ist im Testament klar festgelegt, das mein Wohnrecht im Grundbuch dinglich zu sichern ist. Der Nachlassnehmer hat sich um den Erhalt des Anwesens zu kümmern, sowie die erforderlichen Versicherungen zu übernehmen solange der Nachlaßnehmer nicht volljährig ist, ist der Vollstrecker damit beauftragt. So stehts im Testament und so hat der Notar das auch damals beurkundet.

@louismarcel

solange der Nachlaßnehmer nicht volljährig ist, ist der Vollstrecker damit beauftragt.

Der TV verwaltet nur und wird dafür vergütet. Selbst Hand anlegen muß der TV natürlich nicht, sondern wenn dann entsprechenden Firmen beauftragen. Das Geld dafür muß folglich zwingend aus den Nachlass stammen.

Der Nachlass muß die Vermächtnisse und Auflagen nach Berücksichtung von Nachlassverbindlichkeiten und Pflichtteilen natürlich hergeben, sonst kann und muß der TV dies natürlich verweigern.

Es wird also ganz entscheiden sein, ob es Pflichtteilberechtigte gibt und welche Nachlasswerte es noch neben den Haus gibt.

Es ist im Testament klar festgelegt, das mein Wohnrecht im Grundbuch dinglich zu sichern ist. Der Nachlassnehmer hat sich um den Erhalt des Anwesens zu kümmern, sowie die erforderlichen Versicherungen zu übernehmen solange der Nachlaßnehmer nicht volljährig ist, ist der Vollstrecker damit beauftragt. So stehts im Testament und so hat der Notar das auch damals beurkundet.

@louismarcel

Das habe ich schon verstanden. Nur du offenbar meine Einwände nicht, wonach dir trotz des Wortlauts ("im Testament klar festgelegt, das mein Wohnrecht im Grundbuch dinglich zu sichern ist") das gerade mglw. überhaupt nicht zusteht:

  1. Ist den Umständen nach hierüber eine Teilungsanordnung, § 2048 BGB, oder Vorausvermächtnis, § 2150 BGB erteilt, kann sich der Erbe/Testamentsvollstrecker darüber hinwegsetzen.
  2. Ist ein Vermächtnis nach § 2147 BGB bestimmt, kann  der Erbe/Testamentsvollstrecker dessen Erfüllung verweigern, wenn der bei/nach Erfüllung verbleibende Nachlass weniger Wert wäre als der dazu hälftige Pflichtteil mit dieser Beschwerung i. H. v. ortsüblicher Vergleichsmiete x 12 Monaten x statistischer Lebenserwartung des Berechtigten.
  3. Und wenn die Voraussetzungen einer Anfechtung dieses Testaments gegeben wären, schuldet er bis zur Rechtskraft eines letztinstanzlichen Urteils auch keinerlei Erfüllung.
  4. Genau das vermag selbst der tüchtigste Notar eben im Zeitpunkt seiner Beurkundung nicht vorauszuahnen :-O

G imager761


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