Kann ein Autohändler einen anderen Autohändler ein Auto ohne Gewährleistung verkaufen?

5 Antworten

Grundsätzlich gilt das Gewährleistungsrecht natürlich auch bei Verkäufen zwischen Autohändlern. Die insoweit maßgeblichen §§ 434 ff. BGB befinden sich im allgemeinen Teil des Kaufrechts des BGB und gelten damit zunächst einmal für jeden Kaufvertrag, unabhängig davon wer Käufer oder Verkäufer ist.

Allerdings gelten für den Ausschluss des Gewährleistungsrechts einfachere Anforderungen:

  • Individualvertraglich ist ein Ausschluss immer möglich
  • Durch AGB ist der Ausschluss einfacher möglich als gegenüber einem Verbraucher
  • Wenn der Käufer Kaufmann ist und nach Ablieferung des Autos die Ware nicht unverzüglich kontrolliert, dann kann er keine Gewährleistungsansprüche geltend machen (§ 377 HGB)
  • Da man von einem Autoverkäufer Sachkunde erwartet, kommt ein Ausschluss des Gewährleistungsanspruchs zudem nach § 442 BGB in Betracht.

Die ganzen Vervraucherschutzbestimmungen, zu denen auch die Gewährleistungspflicht gehört, gelten nur bei Verkäufen an Endkunden.

Bei Verkäufern unter Gewerbetreibenden entfallen diese ganzen Bestimmungen und stattdessen gilt das Recht auf freie Vertragsgestaltung. Dementsprechend darf dabei auch die Gewährleistung ausgeschlossen werden.

Nicht selten findet man daher öfters mal bei älteren billigen Autos in den Anzeigen eine Bemerkung wie "nur für Export oder Gewerbe", weil bei beidem der Verkäufer die Gewährleistung legal ausschließen darf.

Gewährleistungsrecht ist kein Verbraucherschutzrecht! Es gilt grundsätzlich auch gegenüber Unternehmern.

@uni1234

Zum Verbraucherschutzrecht gehört das Verbot, die Gewährleistung auszuschließen (§ 474 und 475 BGB).

Für gewerbliche Händler gilt das HGB und das lässt den Ausschluss und ein Verfahren gem. §377 zu.

@Hamburger02

Eben, sag ich doch. Und das Verbraucherschutzrecht gilt nun mal nur gegenüber Endberbrauchern und nicht gegenüber gewerblichen Kaufleuten.

Ich würde als 🚛 WerkstattIch würde als Werkstatt den Kaufpreis pfänden, Und den Kunden das Auto um den Preis der Reparaturen verteuert zurück kaufen lassen.

Ich glaube das ist korrekt aber viele Werkstätten Handeln nach dem Treu und Glauben.

Servus,

wenn Händler miteinander Geschäfte eingehen nennt man dies einen zweiseitigen Handelskauf (in engl. b to b; buisness to buisness).

Beim zweiseitigen Handelskauf gelten andere Regeln und Gesetze. Der Verbraucherschutz regelt so einiges bei einem einseitigen Handelskauf (Unternehmen und Privatperson, b to c; buisness to customer).

Es gibt bei einem zweiseitigen Handelskauf keine gesetzlich vorgeschriebenen Fristen. Sie können aber indivudell vereinbart werden und fallen unter die Freizeichnungsklauseln.

Ergo: es ist möglich, aber kein muss!

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Nicht immer wenn zwei Autohändlern Verträge abschliessen liegt ein zweiseitiger Handelskauf vor. Nicht jeder Autoverkäufer muss nämlich auch ein Kaufmann sein.

Zudem haben die Vorgaben des HGB insoweit keinen maßgeblichen Einfluss auf die §§ 434 ff. BGB.

@uni1234

Müssen Autohändler nicht immer Kaufleute sein?

Wäre mir neu, dass es Privatautohändler gibt. Wirtschaftlicher Hintergrund = Kaufmann erforderlich.

@emesvau

Nein, das stimmt nicht. Kaufmann ist, wer ein Handelsgewerbe betreibt. Das ist mehr als mehr als „nur“ ein Gewerbe.

Ja von Gewerbetreibenden zu Gewerbetreibenden braucht es keine Gewährleistung das ist eine reine Verbraucherschutz Angelegenheit.

Woher ich das weiß:Beruf – KFZ Meister

Gewerblich untereinander ja.

Die Pflicht zur Gewährleistung gilt m.W. nur von Händler an privat.

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