Kann die Todesstrafe durch den Utilitarismus gerechtfertigt werden?

3 Antworten

Kann die Todesstrafe nicht dadurch gerechtfertigt werden, dass durch den
Tod eines Mörders viele Menschenleben "gerettet" bzw geschützt werden
können?

Nein. Im Einzelfall ist der Mord ja schon passiert, und im Sinne einer Abschreckung ist es unwirksam.

Ist die Todesstrafe ethisch vertretbar?

Nein. Vor allen nicht bei den auf dieser Welt real existierenden Richtern und Gerichten. Es gibt auf dieser Welt kein reales Rechtssystem, das die moralische Kompetenz zu derartigen Strafen hätte.

dass durch den Tod eines Mörders

Es werden ja die Mörder hingerichtet, sondern die Angeklagten die vom Gericht verurteilt werden. So wurden z.B. in den USA unschuldige Jahrzente lang wegen falscher Haaranalysen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das ganze viel nur auf, weil man später durch Genanalyse feststellen konnte, das die Haare von verschiedenen Personen sind.

In den meisten Fällen, fallen Fehlurteile natürlich nicht auf, so das es keine belastbaren Aussagen gibt, welcher Anteil der Urteile inhaltlich falsch ist.

Den Tod eines anderen Menschen absichtlich und ohne dessen Einwilligung herbeiführen ist Mord, auch dann wenn man versucht den Mord dadurch zu rechtfertigen, das dadurch Menschenleben gerettet werden können. Woher soll man die Gewissheit nehmen, das ein Mörder wieder zum Mörder wird? In der Bibel steht du sollst nicht töten, von irgendwelchen Ausnahmen steht da nichts. 

Den Tod eines anderen Menschen absichtlich und ohne dessen Einwilligung herbeiführen ist Mord

Juristisch stimmt das nicht.

Das deutsche Strafgesetz kennt 3 vorsätzliche Tötungsdelikte:

  • Mord
  • Totschlag, bzw. Totschlag in einem minderschweren Fall
  • Tötung auf Verlangen
@Omnivore14

Das weiß ich, aber hier geht es ja um Ethik und nicht um die juristischen Unterschiede. 

"Ist die Todesstrafe ethisch vertretbar?"

Nein. NIE!

Kann die Todesstrafe nicht dadurch gerechtfertigt werden, dass durch den Tod eines Mörders viele Menschenleben "gerettet" bzw geschützt werden können?

Nein. Denn für sowas gibt es das Gefängnis bzw. die Sicherheitsverwahrung.

Strafe als Prävention von MÖGLICHEN Folgetaten ist ethisch das allerletzte, weil so auch die Menschenrechte des Mörders verwirkt wären. Auch ein Mörder hat den Anspruch, dass für ihn weiterhin die Menschenrechte gelten. Ein Rechtsstaat wird sich nicht auf das tiefe Niveau herabsetzen und selbst den Mörder spielen.

Das entspricht auch nicht unserem Rechtsverständnis. In Deutschland wird man nicht weggesperrt, damit man im Elend hungernd zwischen feuchten Wänden sitzen soll, sondern damit man eine angemessene Strafe erhält, vor der Öffentlichkeit geschützt wird und natürlich auch wieder resozialisiert wird, um in der Gesellschaft vielleicht wieder Fuß zu fassen.

Aber würdest du dich dazu einem Philosophen zuordnen? Bzw. käme der Utilitarismus nach Mill gar nicht in Frage? 

Entgegen deiner Aussage meint Kant aber, dass die Würde des Straftäters insofern geschützt wird, da er beim Vollzug der Straftat ja aus freiem Wille gehandelt hat. Somit hat er sich bewusst dazu entschieden diese Tat zu begehen und darf deswegen auch zur Rechenschaft gezogen werden -> "Auge um Auge"-Prinzip

Wie gesagt, ich tue mich schwer einen plausibeln Vertreter für die Todesstrafe zu finden, Kant hat sich zwar in diesem Fall zur Menschenwürde geäußert, widerspricht sich aber trotzdem in seinem KI. 

@sibbl123

Aber würdest du dich dazu einem Philosophen zuordnen?

Nein! Ich habe einen eigenen Kopf und meine Eltern haben mir beigebracht diesen auch selbstständig zu benutzen und nicht sich darauf zu konzentrieren, was andere sagen.

Bzw. käme der Utilitarismus nach Mill gar nicht in Frage?

Nein und das habe ich auch beschrieben. Es gibt ethisch keine Rechtfertigung einen Menschenleben zu opfern, wenn man dafür VIELLEICHT 10 andere Menschenleben retten KÖNNTE.

Das verbietet nicht nur meiner Ethik, sondern auch meinem Rechtsverständnis, welche sich an dem der BRD größtenteils wiederspiegelt.

Und so ist es auch nach herschender Lehre so, dass selbst beim rechtfertigenden Notstand (§34 StGB) keine Abwegung zwischen Leben und Leben gibt.

Und als "Strafe" schon überhaupt nicht. Sowas hat in einem Rechtsstaat nichts verloren. Denn dann könnten wir auch dich töten, weil irgendjemand der Meinung ist, dass du zu viel isst, was 10 andere Menschen satt machen könnte.

Somit hat er sich bewusst dazu entschieden diese Tat zu begehen und darf deswegen auch zur Rechenschaft gezogen werden -> "Auge um Auge"-Prinzip

Wir haben kein "Auge um Auge" prinzip in Deutschland. Das ist nicht der Anspruch von Strafe. Auge um Auge bedeutet Hand ab beim Stehlen und Kopf ab beim töten.

So eine Rechtsauffassung teile weder ich, noch die Bundesrepublik Deutschland.

Wie gesagt, ich tue mich schwer einen plausibeln Vertreter für die Todesstrafe zu finden

Da wirst du auch so schnell keinen finden.

Was möchtest Du wissen?