Ist die Börse ein Glücksspiel?

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Bei Blackjack z.B. habe ich Karten in der Hand (Aktien). Nach einer bestimmten Spielzeit kann ich verlieren oder gewinnen (Marktsituation).

Beim Blackjack kannst du dir die Karten nicht aussuchen, mit denen du spielst. An der Börse schon. Beim Blackjack ist die Spielzeit "bestimmt", wie du schreibst. An der Börse nicht. An der Börse kannst du mit ein und derselben Aktie Gewinne machen, je nachdem in welcher Zeit oder wie lange du sie "spielst"^^. Das alles kannst du selbst entscheiden.

Aber wieso können wir die Börse nicht in Kategorie Glücksspiel einstufen?

Das Wetter ist auch kein Glücksspiel. Du kannst es zwar nicht gänzlich vorhersehen, aber du kannst dich auf Wahrscheinlichkeiten verlassen (Vorhersage, Jahreszeit, stabile Wetterlage) und damit leben. Du läufst im Sommer im T-Shirt herum und wirst vielleicht einmal unerwartet nass, erfrierst aber nicht im Schnee.

Der Grund, weshalb die Börse kein Glücksspiel ist, ist die Aktie. Sie ist ein Teil eines arbeitenden Unternehmens. Dahinter stecken Mitarbeiter, Rohstoffe, Gelände, Gebäude, Maschinen und Kraftfahrzeuge. Das sind keine Fantasieerzeugnisse, sondern echte Leute und echte Werte.

Beispiel A:

Beim Sparbuch gibst du 100 Euro der Bank und bekommst 1 Prozent Zinsen. Die Bank gibt einen Kredit an ein Unternehmen für 5% Zinsen. Das Unternehmen erwirtschaftet mit dem Kredit 10% Gewinn. Gewinner im Beispiel: Du 1 Euro, Bank 4 Euro, Unternehmen 5 Euro.

Beispiel B:

Du steckst 100 Euro in ein Unternehmen (Aktien). Das Unternehmen erwirtschaftet 10% Gewinn. Von den 10 Euro gibt es dir 3 Euro als Dividende ab, die anderen 7 Euro bleiben im Unternehmen. Diese 7 Euro gehören dir aber auch, weil du ja den Anteil am Unternehmen hast. Der Wert hinter deiner Aktie hat sich also rechnerisch um 7 Euro erhöht. Gewinner in diesem Fall du (3 + 7)

In Wirklichkeit ist es übrigens so: Beispiel C

Du steckst 100 Euro in das Unternehmen (Aktien), das wiederum zusätzlich für 100 Euro Kredit (5%) aufnimmt. Es erwirtschaftet 10% Gewinn vor Zinsen, also 20 Euro. 5 Euro erhält die Bank, die davon 1 Euro an den Sparbuchmenschen abgibt. Das Unternehmen zahlt wieder aus den 15 Euro Gewinn seine 3%ige Dividende, die nun 4,50 € ausmacht. Der Rest (10,50) bleibt im Unternehmen. Gewinner: Sparbuchmensch 1 Euro, Bank 4 Euro, Du 4,50 + 10,50 Euro.

Die Aktie im Beispiel C wird natürlich steigen. Einmal, weil der innere Wert um jene 10,50 Euro steigt, aber insbesondere halt, weil sie zu dem niedrigen Kurs 15% Rendite abwirft.

Also das meiste in Sachen Börse beruht auf einfachem Menschenverstand und etwas rechnen. Irrationaler als die Börse sind für mich die Sparbuchleute :o)

hallo napoloni,

ich finde dein vergleich zu blackjack sehr einleuchtend und verständlich. somit bestimmt der spieler sozusagen selber, welche entscheidungsmerkmale er nimmt. wie du gesagt hast liegt auch der unterschied bei den aktien, der representant unserer materiellen werte.

interessant finde ich auch deine beispiele a,b,c. aber ist das letztendlich nicht eine modernere methode des wettens? vielleicht bringe ich wetten immer in verbindung mit glücksspielen?

@terencehill7

Es kann Wetten sein, es kann Spekulation sein. Es ist aber in der Mehrheit planvolles Investieren und Ansparen.

Wer hochriskante Papiere kauft und allgemein tradet, also ständig kauft und wieder verkauft, bei dem geht es sicherlich mehr in Richtung Glücksspiel. Auch das Handeln nach Charttechnik mag ich persönlich nicht, weil nach meiner Auffassung der Wert hinter der Aktie immer im Fokus stehen sollte. Und nicht irgendwelche Kursautomatismen.

Wer aber mehr oder minder planvoll anspart, sein Risiko verteilt (nicht alles in Aktien), das Risiko innerhalb seiner Wertpapiere verteilt (verschiedene Titel und Sparten etc.) und auch einfach mal seine Papiere behält und notfalls mal das eine oder andere Kurstief aussitzt, der betreibt kein Glücksspiel. Der ist halt Anleger, nicht Spekulant.

Wenn wir hier wieder ein vergleichendes Bild suchen, dann befinden wir uns vielleicht am Steuer eines Schiffes auf hoher See. Die Winde können gut sein, das Meer kann aufgebraust sein, die Strömung schlecht. Manches spricht dafür, dass man flott voran kommt, manches dagegen. Und hier kommt es auf den Kapitän an, dass er richtig navigiert, die Gefahren abwägt und sein Schiff nicht untergehen lässt ;o)

Wir können uns aber auch im Supermarkt befinden und mit dem Einkaufswagen navigieren. Huch, Sonderangebot: 1 Pfund Kaffee für 1,99! Kaufen wir, so günstig gibt es den nie wieder. Und vielleicht kaufen wir gleich 4 Packungen, brauchen wir ja eh. Das ist wirtschaftliches Handeln. Wie an der Börse.

Der Erfolg beim Glückspiel ist ausschliesslich von Zufall abhängig. Ich kann als Spieler den Würfel nicht beeinflussen und auch nicht die Karten, die ich in der Hand habe. Eine Investition an der Börse ist eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zwar mit Risiko behaftet ist, aber die nicht dem Zufall unterliegt. Eine Aktie zu kaufen ist ebenso wenig Glüsckpiel wie die Gründung eines Unternehmens. Vielen Investoren ist es übrigens völlig schnuppe, ob ihre Aktien morgen steigen oder fallen, solange sie langfristig an der Wertenwicklung des dahinter stehenden Unternehmens beteiligt sind. Beim Glückspiel ist es weiterhin so, dass kein Wert erschaffen wird. 10 Leute setzen sich mi einem gewissen Geldbetrag an den Roulet-Tisch und 10 Leute gehen mit demselben Geldbetrag wieder vom Tisch weg ( abzüglich 3% für die Bank ). Der Geldbetrag ist jetzt nur in anderen Händen. Wenn ich Geld gewinne will, muss ein anderer exakt diesen Betrag verlieren. Bei der Börse steht auf lange sicht die Wertschöpfung der Unternehmen dahinter, deren Gewinne an die Aktionäre weitergegeben wird.

hallo travel24,

vielen dank für die antwort.

verstehe ich dich richtig, dass du meinst, dass die börse kein glücksspiel ist ?

danke nochmals!

Natürlich ist die Börse oder eher gesagt der Handel an der Börse ein Glücksspiel, es sind ja auch eigentlich alles nur Spekulationen. Sonst kannst du dir ein paar informative Webinare bei Brokern wie XM oder Comdirect z.B. anschauen.

Glücksspiele sind immer an eine gewisse Wahrscheinlichkeit gebunden. Beim Pokern hat jedes Blatt seine bestimmte Wahrscheinlichkeit, mit der du es ziehen kannst. Beim Roulette hat jede Möglichkeit, Geld einzusetzen, eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, mit der du gewinnst, und und und. Der Handel mit Aktien ist von ganz anderen Faktoren abhängig. Konjunktur, Politik, bis hin zu Breaking News. Das zu überblicken ist halt was anderes, als seine GEwinnchancen beim Würfeln zu errechnen.

hallo dottelsopt,

vielen dank für die antwort.

beim handel spielen natürlich wie du gesagt hast faktoren wie Konjuktur, Politik, News usw. ich sag mal, das ist dynamik (dynamische faktoren des lebens). beim glücksspiel spricht man von gewinnchancen, dass bezeichne ich mal statische statistik (wenn ein sack reiskorn in china umfällt, ändert sich meine gewinnchancen beim roulettspiel wahrscheinlich nicht).

Ich folgere somit: Handel ist dynamisch, Glücksspiel ist statisch.

Kann man das so durchgehen ?

so ganz stimmt das nicht. Will man beim Aktienhandel Geld verdienen benötigt man einen gewissen Vorteil gegenüber dem Markt. Und der besteht nunmal darin, dass man versucht Trades zu finden, die eine höhere Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Rendite haben. Das zu erreichen, dazu gibt es verschiedene Ansätze wie Fundamentaldaten, technische Analyse, etc. Und wirklichen Tradern geht es darum diese Wahrscheinlichkeit von HighPropabilityTrades zu erhöhen und in Verbindung mit einem guten Risikomanagement führt das dann auch langfristig zum Erfolg

Bei Aktien, Devisen, Rohstoffhandel etc kann man zum größten Teil Analysieren.

Dann kann man auch entscheiden bei negativer Entwicklung das man halt früher aussteigt als berechnet und sich mit ein paar Euro an Gewinn zufrieden gibt. Oder auch ein Verlust akzeptiert. Lieber einmal mehr ein klein Verlust akzeptieren als es bis zum Ende laufen zu lassen und alles zu verlieren. (Stop Loos) etc beziehe ich jetzt mal nicht mit ein. Würde den Rahmen sprengen.

Im Grunde ist es ein Glücksspiel für die die alles verloren haben da weil sie es einfach nicht können und die Schuld bei anderen suchen. Man muss schon was für tun und nicht glauben man käuft einfach sowas mal oder macht in 5 Min ne Analyse nach irgendwelchen wundersamen Muster etc..

Wer erfolgreich sein will muss auch was leisten dafür heisst nicht umsonst von nichts kommt nichts.

Da hilft auch kein Glaube an was auch immer

Hallo BrokerJony,

vielen dank für die antwort.

ich verstehe deine argumentation so, dass die menschen, die von der materie nicht viel verstehen und keine zeit investieren behaupten, dass das ein glücksspiel ist. wie du gesagt hast, kann man zumindest teilanalysen erstellen, die von zufallssituationen entfernt bleiben.

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