Ist der Mehrbedarf vom Einkommen abzuziehen bei der Unterhaltsberechnung?

1 Antwort

Ist der Mehraufwand, also die Kindergartenkosten, wirklich vom Einkommen abzuziehen bei der Unterhaltsberechnung?

Kommt im Zweifel darauf an, wie es der Richter sieht. Tendentiell wäre zunächst der einfache Unterhalt zu berechnen und der Mehrbedarf dann im Verhältniss der verbleibenden Leistungsfähigkeit auf beide Elternteile zu verteilen.

Je nach Höhe und der Verteilung des Mehrbedarfs ist eine Herabstufung der Einkommensgruppen möglich.

In jeden Fall sollte der Bedarfskontrollbetrag der jeweiligen Stufe gewahrt bleiben. Das heißt bei der 2. Stufe dürfen am Ende die 1180€ nicht unterschritten werden.

Zum Beispiel legt sie Fahrtkosten zugrunde, die sie nicht einfach, sondern doppelt berechnet.

Hierfür gibt es Leitlinien der OLG's mit welchen km Pauschalen bei entfernung oder wegstrecke zu rechnen ist.  z.B. geht das OLG Hamm von 220(tage)*2(Hin- und Rückweg) * 0,3€ / Entfernungs kilometer aus. 

Die 220 Tage erklären sich mir ja noch. Warum allerdings, anders als bei der Steuererklärung, Hin- UND Rückweg berechnet wird erschließt sich mir nicht. Es gibt allerdings auch Urteile, in denen Väter näher an die Arbeit ziehen mussten. Der Vater meines Kinder ist sogar weiter weg gezogen. Er fuhr vorher 7 km, jetzt sind es 30 km.

Der Bedarfskontrollbetrag bleibt für ihn erhalten, auch wenn er in Stufe 3 und durch die Höherstufung sogar in Stufe 4 rutscht. Er verdient Netto im Monat nämlich sogar knapp 2200 Euro, die nur leider durch seine Privatinsolvenz, die im letzten Jahr endete, geschmälert werden.

Warum der Mehrbedarf vom Einkommen abgezogen werden kann verstehe ich aber trotzdem nicht. Der Unterhalt wird ja unanhängig vom Mehrbedarf gezahlt. Der Mehrbedarf kommt ja zum Unterhalt dazu. So sollte auch der Unterhalt vor dem Mehrbedarf berechnet werden. Das ich als Mutter knapp das doppelte vom Vater für die Kinderbetreuung zahlen muss, weil ich gern ein warmes Mittagessen für mein Kind habe (und alle Sonderposten des Kindergartens über den Grundbetrag hinaus ja auch allein tragen muss), danach fragt ja auch keiner. Genauso wenig interessiert es jemanden, wie weit ich zur Arbeit fahren muss oder was für Kosten für irgendwelche Freizeitaktivitäten ich als Mutter habe. Väter können sogar Geld für die Umgangszeiten unter Umständen vom Einkommen abziehen, um so weniger Unterhalt zahlen zu müssen.

@phinemuc

Das ich als Mutter knapp das doppelte vom Vater für die Kinderbetreuung zahlen muss, weil ich gern ein warmes Mittagessen für mein Kind habe (und alle Sonderposten des Kindergartens über den Grundbetrag hinaus ja auch allein tragen muss)

Die Verteilung des Mehrbedarfes erfolgt nicht hälftig, sondern im Verhältniss der Leistungsfähigkeit. Bei den "Sonderposten" ist zu beachten, ob diese im normalen Unterhalt enthalten sind, wie z.B. Mittagessen, oder nicht.

Genauso wenig interessiert es jemanden, wie weit ich zur Arbeit fahren muss

Das spielt bei der Verteilung des Mehrbedarfs sehr wohl eine Rolle. Denn hier wäre auch Ihr Netto zu bereinigen und der Selbstbehalt abzuziehen.

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