Ist das bedingungslose Grundeinkommen machbar?

5 Antworten

Also, ich versuche mal ernsthaft diese Frage möglichst wertfrei, sozusagen aus einer Metasicht heraus zu beantworten.

Finanziell wäre das vielleicht sogar derzeit machbar, nur würde das komplett der derzeitigen Niedriglohnpolitik zuwiderlaufen, denn wer will dann noch mehrere Minijobs machen oder zum Mindestlohn arbeiten. Statt in die Zeitarbeitsbüros zu laufen bleiben die Leute doch dann lieber zu Hause oder arbeiten schwarz. Von daher ist das schon mal völlig undenkbar.

Würde man allerdings die Rahmenbedingungen völlig ändern, indem man z.B. den Niedriglohnsektor ganz abschafft, wäre bei sehr wenigen Arbeitsplätzen in Folge der Digitalisierung und gleichzeitiger hoher Produktivität ein Grundeinkommen möglich, das sich dann aber immer noch an den niedrigeren Einkommen orientieren müsste.

Davon sind wir aber derzeit, vor allem auch in den Köpfen der Politiker, noch Lichtjahre entfernt, fürchte ich.

Zuerst muss man schauen, wieviel der Staat überhaupt zahlen könnte. Aber ich halte es für leicht machbar. Angeblich könnte jeder der 82 000 000 Einwohner 960,- Euro monatlich bekommen, und der Arbeitgeber würde die Summe abtiehen, damit wäre Deutschland international konkurrenzfähiger.

Aber es ist unbeliebt oder?

@Arkturus99

Politisch nicht gewollt. Aber einmal werdeen sie das sowieso einführen müssen, denn mit dem Hartz geht es so nicht weiter

@lydiab563

Es kann auch ein anderes Sozialsystem sein. Oder keines.

Das wären monatlich 78.720.000.000,00 Euro oder

jährlich 944.640.000.000, 00 Euro.

Der Bundeshaushalt 2018 hat ein Volumen von 343.600.000.000,00 Euro.

@Schnoofy

Also jährlich 944 Milliarden...wieso jetzt nur 343 Milliarden Haushaltsvolumen?

Gibt man nicht jährlich nochum einige (etwa 60) Mld mehr aus? (für Soziales)

@Schnoofy

Der Finanzmarkt setzt mit Spekulationen etwa 3 Billionen Euro pro Jahr um. Mit Hilfe einer Finanztransaktionssteuer, dem Abbau der Bürokratie und dem Verrechenen des Steuerfreibetrages ist ein Bedingungsloses Grundeinkommen nachweislich zu finanzieren.

Wenn leistungs- und bedingungslose Spitzeneinkommen, wie es sie bereits gibt, machbar sind, dann wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen ebenso machbar.

Man könnte also jene leistungslose Spitzeneinkommen, von denen vielleicht 0,001% der Bevölkerung profitieren, in Grundeinkommen umwandeln, die allen zugute kommen.

Doch es gibt kleinere Interessengruppen, die dies vehement ablehnen. Entweder, weil es sie um ihren eigenen finanziellen Vorteil bringt oder weil es insbesondere die Arbeitnehmer weit weniger erpressbar macht.

Ja, es klingt zunächst nach einem Sozialismus- oder Kommunismusgedanken, nach dem Erfolg bestraft und Mißerfolg belohnt werden soll. Derartige Staats- und Gesellschaftsformen lehne ich ab.

Es würde aber vielen Menschen die Möglichkeit geben, anstelle eines 8-Stunden-Jobs auch 6-Stunden-Jobs nachzugehen, bspw. um mehr Zeit für Familie zu haben und trotzdem ohne finanzielle Nöte den Monat durchzukommen.

Unter einem bedingungslosen Grundeinkommen stellt man sich ja nicht vor, dass jemand 2.000 Euro Netto bekommt und gar nicht mehr arbeiten braucht, sondern z.B. ein Grundeinkommen zwischen 400 und 600 Euro, wovon man alleine zwar nicht leben kann, aber die finanzielle Freiheit der Arbeitenden erheblich verbessern würde.

Die genaue Höhe eines Bedingungslosen Grundeinkommens wurde noch nicht festgelegt, aber wir können ruhig von einem Betrag zwischen 1200.- und 1500.- Euro ausgehen, damit es den vier Kriterien des Netzwerkes Grundeinkommen erfüllt:

Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das eine politische Gemeinschaft bedingungslos jedem ihrer Mitglieder gewährt. Es soll

  • die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen,
  • einen individuellen Rechtsanspruch darstellen sowie
  • ohne Bedürftigkeitsprüfung und
  • ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden.

Siehe auch:

https://abload.de/img/schlussugddo.jpg

Wenn jemand Geld bekommt als Transferleistung des Staates muss ein anderer diese Transferleistung bezahlen (plus die Kosten für die Bürokratie).

Wenn Du zu den Empfängern gehörst dann ist Dir egal wo es herkommt und machst Dir darüber keine Gedanken.

Wenn Du zu den Zahlern gehörst dann ist es für Dich eine neue oder höhere Steuer und die willst Du natürlicherweise vermeiden.

Jeder der also kann - also jedes Unternehmen das Steuern bezahlen muss/soll, jeder Spitzenverdiener, jeder Gutverdiener wird Maßnahmen ergreifen um sich dieser Steuer zu entziehen.

Warum ist das nicht jetzt schon der Fall? Ist es nur hat D Vorteile durch die Stabilität, durch gut ausgebildete Arbeitnehmer, durch sozialen Frieden, eine breite Schicht von mittelständischen Unternehmen und dadurch kommt es auch zu keiner Flucht aus D sondern zu einer stabilen Situation.

Wenn sich dieses Gleichgewicht verschiebt (durch eine Steuer die mindestens 50% höher sein muss als heute), durch die nachlassende Bereitschaft der Einwohner etwas zu lernen, einen Beruf auszuüben, sich anzustrengen (weil es geht ja auf geringem Niveau auch einfach nur Spass zu haben ohne Arbeit). Gehen diese Standortvorteile flöten.

Also alle Firmen die es können verlagern ihren Sitz und ihre Steuerpflicht ins Ausland. Manchmal nur nach Frankreich oder Österreich manchmal halt nach Übersee. Jeder wirklich qualifizierte Mensch wird so schnell es geht seine Steuerpflicht in das Ausland verlegen. Also wird er lieber bei gleichem Gehalt in Norwegen oder irland arbeiten und die Unbequemlichkeit des Umzuges auf sich nehmen.

Wie würdest Du handeln wenn Du ein Startup Unternehmen von 10 Menschen bist und wasauchimmer entwickelst? Du würdest schnellstmöglich eine Versammlung einberufen und 9 von 10 würden für einen Umzug nach X stimmen. Weil die Rahmenbedingungen dort einfach für Dich besser sind. Und da alle umziehen ist auch keiner fremd in der Fremde.

Dieser Exodus würde die Leistungsempfänger mit deutlich weniger Steuereinnahmen und den Politikern alleine in D zurück lassen. Die müssten dann entweder das BGE zurück drehen oder die Steuern weiter erhöhen und damit noch mehr Leute in die Flucht schlagen.

  • Der Staat sind wir. Klar muss daher sein: Wenn alle ein Grundeinkommen erhalten, dann finanzieren das all jene, die mehr verdienen als dieses Grundeinkommen.
  • Niemand, der heutzutage auch nur mäßig mehr verdient als das angedachte Grundeinkommen, sollte hoffen, dass er mehr hat als vorher. Nein, er wird es für andere bezahlen. Niemand der voll arbeitet und auch nur mäßig gut verdient, wird irgendwas extra bekommen. Seine Abzüge werden steigen. Nur dass da keine Missverständnisse und falsche Hoffnungen aufkommen!
  • Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist nur finanzierbar, wenn die Steuern drastisch steigen und viel härter umverteilt wird als bisher. Alle, die heutzutage auch nur mäßig oberhalb des Grundeinkommens verdienen, werden daher weniger haben als zuvor.
  • Wenn man Armut über Kennzahlen wie "weniger als 60% des Medians an Einkommen" definiert, wird das Grundeinkommen definitiv NICHT Armut signifikant verringern. Das Grundeinkommen kann schon rein rechnerisch nicht oberhalb von 60% des Medians liegen. Wenn alle den heutigen Median bekommen würden, dann wäre der neue Median ja entsprechend höher. Auch daran erkennt man, wie unsinnig diese Armutsdefinition ist.
  • Die Unterschicht würde mehr Geld zur Verfügung haben und leicht verbesserte Lebensbedingungen erhalten. Die Mittelschicht (alle Vollzeitarbeitnehmer mit mindestens Ausbildungsberuf) würde dafür den Preis bezahlen und höhere Abzüge haben. Ihre Lebensqualität würde spürbar sinken.
  • Ich bin ein Gegner des Grundeinkommens, weil ich denke, dass dadurch der Unterschicht jegliche Motivation für Arbeit genommen wird und die Bevölkerungsanteile, die ausschließlich von staatlichen Transferleistungen leben, größer werden werden. Für die breite Mittelschicht ist das Grundeinkommen von Nachteil und die Oberschicht wird dem Druck ausweichen und Kapital aus Deutschland abziehen. Andere Länder würden dann attraktiver für Investitionen werden.
  • Die Mittelschicht wird zudem darunter leiden, dass minderqualifizierte Arbeit teurer wird und sie sich vieles nicht mehr leisten können. Wenn man sowieso Grundeinkommen erhält, wird man Babysitting, Putzen, Bauhelfer und dergleichen kaum noch ausüben wollen. Das bedeutet nicht, dass die Masse dieser minderqualifizierten Arbeitskräfte mehr Geld verdienen wird, sondern dass sie weniger arbeiten wird. Einen Nutzen für die Gesellschaft kann ich darin nicht erkennen.
  • Ziel muss doch sein, dass jeder gesunde Erwachsene sich selbst versorgt. Diese Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung erwarte ich einfach von jedem. Der Staat sollte mit Transferleistungen nur dort eingreifen, wo Elend verhindert werden muss.
  • Auch die naive Theorie, dass Menschen mit Grundeinkommen sich ach-so-viel ehrenamtlich engagieren werden, ist absurd und realitätsfremd. Die Unterschicht könnte sich auch heute engagieren und tut es nicht. Die Mittelschicht wird weiterhin voll arbeiten, weil ihr das Grundeinkommen viel zu gering ist und damit keine Zeit für so etwas haben.
  • Auch die Annahme, der Staat würde sehr viel an Bürokratie einsparen, ist lebensfern. Kranke, Behinderte und andere Spezialfälle werden auch weiterhin Zusatzzahlungen beantragen und erhalten müssen. Bürger werden auch weiterhin erfasst und überprüft werden müssen, damit niemand mehrfach das Grundeinkommen bezieht.
  • Ein bedingungsloses Grundeinkommen nur in Deutschland ohne ein Mitziehen der gesamten Europäischen Union ist zudem nicht denkbar, denn aufgrund der Freizügigkeit für EU-Bürger würden uns sonst alle überrennen und hier Grundeinkommen haben wollen. Zig Millionen EU-Bürger aus quasi allen Ländern, in denen unser Grundeinkommen bereits ein gefühlt super hohes Einkommen ist. Ein Grundeinkommen geht nur, wenn die ganze EU mitmacht oder die EU-Gesetze dafür geändert werden. Beides unwahrscheinlich.

Was möchtest Du wissen?