Inkasso, vollstreckbarer Titel

18 Antworten

Es erscheint mir zielmlich dubios - und als Rechtsanwältin habe ich mit verschiedenen dubiosen Inkasso-Unternehmen zu tun.

Suche eine Kollegen auf und lasse die Sache prüfen. Es sind auch nicht alle Kosten erstattungsfähig. Inkassokosten werden z.B. von vielen Gerichten als nicht erstattungsfähig angesehen, so dass der Schuldner die nicht zu bezahlen braucht.

Besser ein Prüfung durch einen Fachmann, als zuviel gezahlt.

Hi,

wenn sie einen vollstreckbaren Titel hätten, könnten sie gleich den Gerichtsvollzieher vorbei schicken. Anscheinend haben sie das aber nicht oder sie wollen die Gebühren dafür einsparen, wenn bei Dir nichts zu holen ist.

Die Kommunikation sollte nie via Fax oder Telefon laufen, da Du so kaum einen Nachweis hast und auch nicht die Möglichkeiten die Kommunikation beweisen zu können. Von daher immer einen Anwalt einschalten. Der kennt die Umgangsformen und vor allem auch die Fristen die einzuhalten sind. Genauso sollte sich dieser die Forderungen genau anschauen und ggf. Einspruch einlegen.

Sollten sie einen Titel vom Gericht haben, so sollen sie eine Kopie des Schriftstücks auch Dir oder Deinem Anwalt zusenden können ;-) Dann kannst Du immer noch entscheiden, wie Du vorgehen möchtest.

Beste Grüße

Zunächst ist zu prüfen, ob der Vollstreckungsbescheid auch wirklich ein echter ist. Dies ist daran erkennbar, dass dieser vom Gericht kommt.

Sobald du den Vollstreckungsbescheid vorliegen hast und diesen auf seine Echtheit geprüft hast musst du überprüfen, wie viel Euro tituliert sind. Das steht auf dem Vollstreckungsbescheid. Diese Summe musst du zzgl. der bis heute angefallenen Zinsen, sofern nicht verjährt, ausgleichen.

Sofern die Kontoführungsgebühren etc. tituliert sind, kommst du aus der Sache nicht raus und wirst bezahlen müssen.

Grundsätzlich kannst du jeden wegen allem anzeigen, auch Inkassofirmen wg. Betrug. Fraglich ist, ob die Anzeige Aussicht auf Erfolg hat. Im vorliegenden Fall ist maßgeblich, ob die Forderung wirklich tituliert ist. Wenn dies der Fall ist, hast du die Forderung anerkannt und eine Anzeige wegen Betrug wäre nicht sinnvoll. Im Gegenzug könnte das Inkassounternehmen dich nämlich wegen falscher Verdächtigung im Sinne des § 164 StGB anzeigen.

Um welches Inkassounternehmen geht es denn? Sollte es sich bei der titulierten Restforderung tatsächlich nur um Kontoführungsgebühren und ähnliche Kosten gehen, so wäre es eventuell sinnvoll, einen Vergleich anzubieten...

Hast du eine Kopie der Unterschrift vorliegen? Mit solchen Zweifeln immer direkt zum Anwalt und nie lange warten. Es ist immer besser, wenn der so früh wie möglich bescheid weiß und nicht alles nachträglich erfährt.

immer direkt zum Anwalt

und wer bezahlt den?

Inzwischen ist es bei manchen Inkassounternehmen Mode, faule und nicht einzutreibende uralte Vollstreckungstitel aufzukaufen. Bekannt sind hier z.B. Titel aus Jahrzehnte zurückliegenden Bestellungen der insolventen Quelle oder auch alte Forderungen von Versicherungen.

Bei näherer Nachprüfung verweigern dann diese Inkassobüros das Vorzeigen des Titels in Kopie, unter fadenscheinigen Ausreden. Z.B.: das ginge nicht, weil der Titel beim Amtsgericht sei (ist aber Blödsinn, der Titel muss beim Gläubiger vorliegen...).

Manchmal stellt es sich bei weiteren Ermittlungen (Strafanzeige, Akteneinsicht) heraus, dass es zwar einen Titel gibt, dass der aber (April, April!) gegen einen Namensvetter mit völlig anderer Anschrift ausgestellt wurde. In so einem Fall besteht natürlich keine Zahlungspflicht.

Fest steht: wenn es tatsächlich einen Titel gäbe, dann müssten die "Schuldner" zwingend davon wissen. Denn dann müsste es damals einen Mahnbescheid und einen Vollstreckungsbescheid gegeben haben, und üblicherweise hätte sich damals auch schon der Gerichtsvollzieher gemeldet. Auffallend ist in diesen Fällen auch, dass diese Inkassobüros nicht etwa jetzt den Gerichtsvollzieher schicken oder eine Kontenpfändung durchführen, was sie ja ohne weiteres dürften, wenn sie denn tatsächlich einen Titel gegen den Betroffenen hätten. Sondern es wird versucht, direkt an einen Wildfremden heranzutreten und diesen mit Drohungen zur Zahlung eines fremden Titels zu erpressen. Sobald dann der Staatsanwalt unbequeme Fragen stellt, redet man sich mit einem "bedauerlichen Irrtum" heraus und kommt damit in Deutschland auch tatsächlich regelmäßig durch. Bei jedweder Wirtschaftskriminalität gilt immer als Faustregel: sich dumm stellen, und jedwede Kenntnis irgendeines Fehlverhaltens mit kreativem Nichtwissen bestreiten. Klappt bei deutschen Staatsanwälten fast immer. So funktioniert das in Deutschland.

Die Betroffenen sollten über eine Anfrage an das betreffende Mahngericht prüfen, ob es tatsächlich einen gerichtlichen Titel gibt. Gibt es diesen Titel nicht oder wurde dieser an eine Anschrift zugestellt, wo der Betroffene nie wohnhaft war, schreibt man dem Inkassobüro ein einziges Mal mit Zustellung per Einschreiben, dass die Forderung als unrechtmäßig zurückgewiesen wird.

Bei weiteren Belästigungen und Drohungen: Strafanzeige wegen versuchten gewerbsmäßigen Betrugs erstatten und Anwalt aufsuchen, negative Feststellungsklage einreichen. Dann ist nämlich sofort Feierabend mit dem Zirkus.

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