Haus Verkauf - Verkaufserlös an Erben brutto oder netto?

3 Antworten

Rechtsauskünfte erteilt ein Anwalt oder Notar gegen entsprechende Gebühr. Wenn die WErbformulierung nicht eindeutig istg (und so scheint es der Ansicht des betreffenden Notars zufolge zu seinI), dann muss die Frage letztlich gerichtlich geklärt werden.

M.E. ist entscheidend, was der Erblasser intendierte bei der Abfassung des Testaments. Ganz offenbar wollte der Erblasser sicherstellen, dass das Objekt an Dich übergeht und somit in der Familie bleibt, Deine Halbgeschwister aber im Falle eines späteren Verkaufs (aus welchen zur Zeit der Abfassung unabsehbaren Gründen auch immer) nicht völlig leer ausgehen. Demzufolge würde ich die Floskel auch so interpretieren, dass Du die Hälfte des Erlöses, die beim Verkauf lt. Kaufvertrag erzielt wird, abzugeben hast. Abzuziehen wären wohl die im Rahmen des Verkaufs anfallenden Kosten anteilig (Notar, Grundbuch, etc.), soweit sie unmittelbar mit dem Verkauf in Zusammenhang stehen. Jedoch sind weitere Belastungen, die Dir (alleine) zuzuschreiben sind, wie etwa bestehende Bürgschaften, Grundschulden etc., hier außen vor. Dies erschiene mir auch nur logisch, weil ansonsten die Intention des Erblassers durch den absichtlichen Aufbau von Belastungen auf das Objekt systematisch unterlaufen werden könnte (will ich hier keineswegs unterstellen, wäre aber denkbar!).

Allerdings gibt es auch hier eine Alternative. Denn wenn Du ein belastetes Objekt verkaufst mit Grundschuld und der Käufer die Grundschuld mit übernimmt, reduziert sich der Kaufpreis ohnehin um den entsprechenden Betrag. Die Frage ist nur, wer das dann kauft (und zu welchem Preis).

Maßgebend ist der Stand des Erbes zum Zeitpunkt des Erbanfalls. Waren zu dem Zeitpunkt keine Schulden mit denen das Haus belastet war vorhanden, dann haben Sie den Miterben im Verkaufsfall die Hälfte des Verkaufserlöses auszuzahlen. Der Notar wird dazu die Zustimmung der Berechtigten beurkunden, damit Ihnen da im Nachhinein nichts passieren kann. Die Berechtigten werden den Wert des Verkaufsobjektes durch Sachverständigengutachten feststellen lassen. deckt sich dieser Wert mit dem Verkaufspreis oder liegt darüber, ist die Zustimmung eine reine Formsache. Liegt der Verkaufspreis darunter, können die Begünstigten die Zustimmung zunächst verweigern. Belastungen auf dem Haus, die in Darlehen bzw. Mittel zur Verbesserung des Verkaufswertes oder auch zur Erhaltung des Objektes gedient haben, wird der Sachverständige berücksichtigen. Diese Beträge die dann zur Ablösung solcher sreng zweckgebundenen Gelder an Banken fließen, verkürzen entsprechend den Auskehrbetrag aus dem Verkaufserlös nach Abzug der Bankdarlehen.

Wenn auf dem Haus noch 60.000€ Hypothekenschulden sind, du bei Verkauf 80.000€ dafür bekommst, dann musst du ja erst die Hyptohek ablösen, d.h. 60.000€ gehen an die Bank. Die Differenz sind dann 20.000€. Davon musst du die Hälfte, also 10.000€ an die Halbgeschwister auszahlen. Grundbuch-, Notarkosten und andere Auslagen sind auch von der Differenz abzuziehen, bevor sie dann geteilt wird. Verschenkst du das Haus, dann musst du eine Menge Schenkungssteuer bezahlen! Vor Gericht ziehen können dich die anderen nicht, da ja ihre Hälfte nur bei VERKAUF des Hauses fällig wird, wenn es so stimmt, wie du es schreibst.

Schenkungssteuer zahlt stets der Beschenkte und nicht der Schenker; der wird durch die Schenkung lediglich sein Geschenk los!

Die Geschwister müßten jeder Verfügung über den Grundbesitz in notarieller Form ihre Zustimmung erteilen; ohne Zustimmung keine Schenkung und auch kein Verkauf.

Sofern Schulden auf dem Haus nicht streng zweckgebunden dem Erhalt oder der Wertverbesserungen des Hauses gedient haben, muß der Verkäufer seinen Anteil am Verkaufserlös um solche Beträge bereinigen oder gar draufzahlen, wenn denn die Geschwister einer Veräußerung zustimmen sollen.

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