Hallo, gibt es eine möglichkeit ein Haus vor dem Tod an ein Kind/Enkel zu verkaufen um den Erbstreit zu umgehen?

5 Antworten

gibt es eine möglichlkeit ein Haus vor dem Tod an ein Kind/Enkel zu verkaufen um den Erbstreit zu umgehen?

Ja. Natürlich.

Zu beachten ist, wenn die gezahlte Gegenleistung stark von den marktüblichen Preisen abhängt, handelt es sich um eine gemischte Schenkung. Diese wird so behandelt als wäre die Differenz zum Wert geschenkt worden. Dies kann zu Pflichtteilsansprüchen führen.

Auch sollte bei einer gemischten Schenkung definiert werden, ob es sich um eine ausgleichpflichtige Ausstattung handelt.

Und wenn das Haus verkauft ist und das Geld aus dem Verkauf weg ist... wird dann nur der restliche Besitz vererbt?

Dem Grunde nach ja, es kann nur das vererbt werden, was zum Erbfall auch noch da ist. Streit ist natürlich vorprogrammiert, wenn den Erben nicht bekannt ist, was mit den Geld passiert ist. Am Schlimmsten wäre es hier, wenn das Geld auf einen Schlag bar abgehoben wird. 

Eine Regelung bezüglich des Hauses ist grundsätzlich sehr sinnvoll, insbesondere können Sie aber auch ohne das Haus vorab zu verkaufen im Testament Regelungen für die Auseinandersetzung treffen.

Eine gute Regelung ist hierbei einen Alleinerben einzusetzen, der auch das Haus bekommt, und die anderen mit einen Vermächtnis zu bedenken. Ein Vermächtnis ist ein Anspruch gegen den Erben, das kann z.B. eine Zahlung von Geld in Raten sein oder bestimmte Gegenstände.

Man beachte, das die Kinder bei einen Beschwerten Erben oder einen Vermächtnis die Möglichkeit haben, das Erbe oder Vermächtnis auszuschlagen und stattdessen den Pflichtteil zu verlangen.

gibt es eine möglichlkeit ein Haus vor dem Tod an ein Kind/Enkel zu verkaufen

Aber ja, wem ihr euer Eigemtum lebzeitig verkauft, bleibt doch euch überlassen, sofern ihr geschäftsfähig seit und die Käufer volljährig wären :-O

Seit wann haben Dritte, selbst wenn es die eigenen Kinder wären, hier ein Mitbestimmungsrecht?

ein Haus vor dem Tod an ein Kind/Enkel zu verkaufen um den Erbstreit zu umgehen?

Es ist sogar zielführend, unteilbaren Grundbesitz in teilbares Geld zu wandeln, wenn man sein Haus in der Familie halten wollte statt es meistbietend einem Fremden übereignet zu wissen, könnten sich die Erben darüber nicht einigen :-)

Besteht für die anderen Kinder dann noch Erbanspruch auf das Haus?

Nein, die Kinder erben eben dann den erzielten Gegenwert in Geld, mindestens zur Pflichtteilsquote, kein Miteigentumsrecht an der Immobilie.

Und wenn das Haus verkauft ist und das Geld aus dem Verkauf weg ist... wird dann nur der restliche Besitz vererbt?

Nun  wir es langsam böswillig und dagegen hat der Gestzgeber etwas einzuwenden: Ja, wenn man das Haus allenfalls 10% unter dem Verkehrswert verkaufte, das erlöste Geld dann für sich verbrauchte.

Nein, wenn man es unter Wert verscherbelte oder gar an die Enkel verschenkt. In dem Fall können die unbegünstigten Kinder über den schenkungsweisen Teil des Verkaufs Pflichtteilsergänzung beanspruchen.

Meint, ihr Erbe aus übriggebliebenem Nachlass soweit ergänzt verlangen, wie es der Differenz zu ihrem Pflichtteilsanspruch am fiktivem Nachlass mit dem verschenktem Haus entpricht, § 2325 (3) BGB.

Nur am Rande: Auch gemischte Schenkungen (Verkauf zum Spottpreis) können 10 Jahre lang widerrufen werden, wenn man seine Pflgekosten deshalb nicht mehr aufbringen kann. Und der Sozailhifleträger darf diesen Anspruch auch gegen den Willen der Enkel auf sich überleiten. Das wird ein teures Vergnügen für die glücklichen Hausbesitzer, wenn man jahrelange Leistungen in Höhe eines sechstelligen Betrags für den schwerstpflegebedürftigen Schenker dann zurückzahlen darf :-O

G imager761


Ein Erbstreit wird durch die Übertragung eines Hauses auf Dritte unter statthafter Umgehung der gesetzlichen Erbfolge keinesfalls verhindert, sondern eher genährt! Überlebt der Übertragende die Übertragung um 10 Jahre, sind alle übrigen Ansprüche der Pflichtteilsberechtigten erloschen; der Groll gegenüber dem Begünstigten dürfte hingegen fortdauern. Das will wohl überlegt sein!

Mein Vater hat was ähnliches gemacht, er hat den größten Teil seines Hauses schon vor vielen Jahren meiner jüngeren Schwester einfach so überlassen, einen Teil hat er meiner Nichte vermacht (die hat dort zu Lebzeiten jetzt Wohnrecht). Ich spreche mit meinem Vater nicht mehr, er hat mich um mein anteiliges Erbe betrogen. Denn was verkauft oder verschenkt wurde, fällt nicht mehr in die Erbmasse. lg Lilo

 Denn was verkauft oder verschenkt wurde, fällt nicht mehr in die Erbmasse.

Soweit aufgrund der Ablauffrist durch Überleben des Übertragenden  von 10 Jahren auch die Pflichtteilsansprüche erloschen wären.

@schelm1

Auf normale Verkäufe trifft das nicht zu. Ich kann nach Opas Tod auch nicht den Autoaufkäufer von vor 8 Jahren ausfindig machen und Opas Auto zurückfordern. 

@Fraganti

Das sicher nicht, aber Du kannst ale eigentlich gesetzlich Erbberechtigter von dem testamentarisch eingesetzten Erben Deinen Pflichtteil fordern und ggf. auch einen Pflichtteilsergänzungsanspruch geltend machen. Für die Berechnung dieser Ansprüche ist die genannte 10-Jahres-Frist wichtig!

@Fraganti

Das ist schon richtig, wobei hier allerding "normal" heißt zu marktüblichen Konditionen, also wie zwischen ansonsten unbekannten Dritten.

Wer sollte einem verbieten, ein Haus zu Lebzeiten zu verkaufen? Wenn allerdings der Preis allzu niedrig ist, kann es als Schenkung ausgelegt werden und kann durchaus aufs Erbe angerechnet werden.

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