Gibt es mehr "Buchgeld/Kontogeld" als Bargeld?

9 Antworten

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Ja -letztlich ist das sogar eine der Geschäftsgrundlagen der Banken. Den aktuellen gesetzlichen Mindesteinlagefaktor müsste ich nachgoogeln, typischerweise liegt er in der Praxis bei um die 2%. D.h.: Für jeden Euro, den Du als Bargeld bei der Bank eingezahlt hast, vergibt die Bank 50 Euro an Krediten.

Heisst im Umkehrschluss, dass eine Bank bereits dann pleite ist, wenn auch nur mehr als jene 2% der Bankkunden gleichzeitig ihr Geld abheben wollen ("bank run").

Schau mal ins Kleingedruckte Deiner Bank ("AGB"): In vielen dieser AGBs steht versteckt eine sog. "Rückzugsklausel", die Dir verbietet, mehr als x Euro pro Monat ohne vorherige langfristige Ankündigung abheben zu dürfen. Aber auch ohne eine solche Klausel: Versuche mal, bei einer x-beliebigen deutschen Bank ein paar tausend Euro in bar abheben zu wollen -viel Erfolg!

Dieses Damoklesschwert eines "bank runs" ist übrigens einer der Gründe, warum die Banken so hartnäckig daran arbeiten, das Bargeld abzuschaffen: Ohne Bargeld keine bank runs. Und ohne bank runs ist der o.g. "Hebel" nicht mehr 50, sondern "unendlich", d.h.: Die Bank kann sich unendlich viel Geld erschaffen und gegen Zinsen verleihen. (Und der Grund, warum die Politik so hartnäckig daran arbeitet, das Bargeld abzuschaffen, ist, dass Du als Bürger dann keine Chance mehr hast, Negativzinsen oder Teilenteignungen Deines Vermögens abzuwehren -alles schon passiert, siehe Zypern und Griechenland). Sowas nenne ich eine "unheilige Allianz aus Gier und krimineller Energie zum Schaden des kleinen Mannes" -Banken und Politik nennen es "alternativlos"..

Fazit: Ein Girokonto ist letztlich ein kostenloser Kredit, den Du Deiner Bank gewährst. Bareinzahlungen auf diesem Konto werden seitens der Bank in einer unverantwortlichen Zockermanier "gehebelt", wobei daraus resultierende Gewinne der Bank zufallen. Die Risiken (und Verluste..) daraus aber trägst faktisch ganz allein Du. Und das für Null Prozent Zinsen. -THINK!

Da in vielen Fällen das Giralgeld auf den Bankkonten durch Überweisungen, Lastschriften oder Umbuchungen innerhalb des Bankensystems verbleibt, ist es gar nicht erforderlich, soviel Bargeld zu haben, um sämtliche Kundenguthaben in bar vorzuhalten. Sollte in einem Land eine kurzfristig erhöhte Nachfrage nach Bargeld feststellbar sein, würde innerhalb des Eurosystems die anfragende Notenbank mit Banknoten aus dem Bestand der anderen Notenbanken versorgt. 

Sollte die Nachfrage längerfristig zu groß sein, würden die Banken staatlicherseits verpflichtet, die Bargeldauszahlung zu rationieren, d. h. die Kunden würden pro Tag nur eine gewisse Menge Bargeld bekommen, und mehr nicht.

Wenn ja, was passiert wenn alle ihr Geld plötzlich bar haben wollen

Dann ist die Bank zahlungsunfähig, und es greifen die dafür vorgesehenen Geschäftsbedingungen. Wenn die Bank kein bargeld hat und auch keines bekommen kann, dann kann sie eben kein Bargeld auszahlen.

Es gibt deutlich mehr Giralgeld als Banknoten.

Banknoten spielen im Mengengerüst nahezu keine Rolle.

Es wäre also gar nicht möglich, allen ihr Geldguthaben bar auszuzahlen.

Günter

Das ist wie wenn du jemanden Geld geliehen hast und er es jetzt nicht zurückgeben kann weil er es versoffen hat.

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