Gewinnermittlung bei der Steuererklärung: Werden außergewöhnliche Belastungen und Rentenbeiträge als Aufwendungen vom Umsatz abgenommen um Gewinn zu ermitteln?

3 Antworten

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Hier werden viele Begriffe durcheinender geworfen, deshalb möchte ich einmal (etwas vereinfach) darstellen, wie die zu zahlende Einkommensteuer ermittelt wird.

1. Schritt: Einnahmen Zu den Einnahmen gehört alles, was dem Steuerpflichtigen im Veranlagungszeitraum zufließt. Das EStG in Deutschland kennt dabei insgesamt 7 Einkunftsarten. Die Zurechnung zu einer dieser Einkunftsarten, bestimmt wie der "Gewinn" ermittelt wird. So weit so selbst erklärend :)

2. Schritt: Ausgaben. Hiermit meine ich 
berufs/- betriebsbezogene Ausgaben. Alle Aufwendungen, die der Steuerpflichtige
getätigt hat, um seine berufliche Tätigkeit zu bekommen, erhalten und zu
sichern stellen Werbungskosten (bei Überschusseinkünften) bzw. Betriebsausgaben
(bei Gewinneinkunftsarten) dar. Es gibt dabei bestimmte Freibeträge, wie z.B.
die Werbungskostenpauschale von 1.000 €, die bei Arbeitnehmern, die keine
höheren Werbungskosten nachweisen, automatisch berücksichtigt wird. Bei Selbständigen
gibt es hingegen keine Pauschale.

3. Schritt: Einnahmen - Ausgaben = Einkünfte.

An der Stelle wird der Überschuss aller im Veranlagungsjahr
erwirtschafteter Einnahmen über die Ausgaben ermittelt. Ggf. werden noch
bestimmte Freibeträge berücksichtigt. -> somit erhalten wir den
"Gesamtbetrag der Einkünfte"

4. Schritt Sonderausgaben / außergewöhnliche Belastungen

Ab diesem Punkt im Schema kommen Positionen ins Spiel, die
die private Lebensphäre betreffen. Eigentlich sind Ausgaben für die private
Lebensführung steuerlich nicht absetzbar (§ 12 EStG). Ausnahmsweise können sie
berücksichtigt werden, wenn es sich um die in den §§ 10 -10g 7 33 - 33c EstG)
aufgeführten Sonderausgaben / außergewöhnlichen Belastungen handelt. Das Feld,
ob und in welcher Höhe sie im Einzelfall tatsächlich Berücksichtigung finden
ist ein weites Feld, daher möchte ich hier nur ein paar Beispiele aufzählen

Zu den Sonderausgaben gehören z.B.

- tatsächlich gezahlte Kirchensteuer / bestimmte private
Versicherungsbeiträge (Beiträge zu beruflichen Versicherungen, wie z.B. eine
Berufshaftpflicht gehört zu den Betriebsausgaben unter Punkt 2 im Schema),
Spenden, Kinderbetreuungskosten

Zu den außergewöhnlichen Belastungen gehören z.B.

- Krankheitskosten, Unterhaltszahlungen, Kosten für die
Pflege bedürftiger Personen

Je nach Art der außergewöhnlichen Belastung wird der
tatsächlich anzurechnende Betrag um eine "zumutbare Belastung"
(abhängig von Einkommen Familienstand / Anzahl Kinder) gekürzt, so dass diese
Kosten oftmals sich gar nicht auswirken

Nach Abzug aller Sonderausgaben / außergewöhnlichen
Belastungen (und ggf. weiterer Positionen, wie Verlustvortrag, Härteausgleich)
wird das " zu versteuernde Einkommen" ermittelt

5. Schritt: Ermittlung der festzusetzenden Einkommensteuer

Auf das zu versteuernde Einkommen wird der in § 32a Abs. 1
bzw. Abs. 5 (Ehegattensplitting) Einkommensteuertarif angewendet. Dabei steigt
der Durchschnittsteuersatz prozentual mit steigendem Einkommen an.

Darüber hinaus sieht das EstG für bestimmte Sachverhalte
(Abfindungen, nicht entnommene Gewinne ...) bestimmte Tarifvergünstigungen vor.
Das heißt es wird nicht der "normale" sondern auf diesen Teil der
Einkünfte ein spezieller Steuersatz angewendet. Das Ganze funktioniert auch in
die umgekehrte, die den Steuerpflichtigen ungünstigere Richtung - Stichwort
Progressionsvorbehalt (bei ausländischen Einkünften, Lohnersatzleistungen).

6. Schritt

Die unter 5. ermittelte Steuer mindert sich ggf. um
Steuerermäßigungen. Dabei handelt es sich um Beträge, die in einem bestimmten
Verhältnis direkt auf die Steuer angerechnet werden (Alle anderen Kosten haben
ja nur das Einkommen gemindert, und sich damit nur indirekt auf die Steuerlast
ausgewirkt). Steuerermäßigungen gibt es z.B. für.

- haushaltsnahe Dienstleistungen, Spenden an pol. Parteien,
Anrechnung von Gewerbesteuer/ Erbschaftsteuer

7. Schritt: Vorauszahlungen (in Form von Lohnsteuer § 38
EStG oder Einkommensteuervorauszahlungen § 37 EStG) werden auch noch abgezogen

und übrig bleibt die Einkommensteuererstattung /-nachzahlung


Um noch kurz auf die von die aufgezählten Beispiele für Kosten einzugehen

- Anwaltskosten: Wenn du Untermehmer bist die Kosten im Zusammenhang mit deinem Betrieb (z.B. Entlassung eines Mitarbeiters) entstehen, handelt es sich um Betriebsausgaben, die den Gewinn mindern

private Prozesskosten sind i.d.R. steuerlich gar nicht relevant. Bedingung für eine steuerliche Würdigung wäre, dass der Steuerpflichtige ohne sie droht seine wirtschaftliche Existenzgrundlage zu verlieren ( § 33 Abs. 2 S. 4 EStG)

- bei Rentenversicherungsbeiträgen handelt es sich um Sonderausgaben. Sie mindern zwar nicht den Gewinn, allerdings das zu versteuernde Einkommen, was im Ergebnis zum gleichen Resultat führt. Dabei werden sie allerdings nicht 1:1 angerechnet. 2016 wirken sich z.B. 82 % der gezahlten Beiträge (ohne evtl. AG-Beitag) aus.

@Steuerbaer

- Beiträge zur Krankenversicherung stellen ebenso Sonderausgaben dar. Auch hier gilt ein recht komplexes Schema zur Ermittlung, wie hoch der zu berücksichtigende Anteil ausfällt. Beiträge zur Basisvorsorge sind allerdings 100% abziehbar.

@Steuerbaer

Danke, das - wie auch die anderen Antworten sind sicherlich nicht nur für mich sehr wertvolle Hilfe! : ) Ich werde das jedoch erst mal genauer analysieren müssen : )

@Steuerbaer

Das ist KLASSE! Für irgendwas müssen die doch gut sein... Eine Steuererklärung hat doch mit einem guten Drama etwas zu tun: es gibt nur Elemente, die eine wichtige Rolle spielen : )

@Steuerbaer

Steuerbaer... schön, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Danke!

Wunderbär... wennn sich jemand mit der Materie auskennt : )

Es freut mich, dass ich helfen konnte ;) Das deutsche Steuerrecht ist auch echt ein tiefer Wald voller Abhänge, Schluchten und verworrener Pfade ;) Selbst wenn man eine Ausbildung in dem Bereich hat, erschließen sich viele Dinge erst nach dem x. mal lesen. Mir macht es ( zumindest zur Zeit noch ^^) Spaß mich da durchzukämpfen. Wenn du wieder einmal eine Frage haben solltest, versuche ich gerne zu helfen ;)

@Steuerbaer

Hmm, Bärle: Jedem Tierchen sein Pläsierchen ; ) So gibt es halt immer etwas Neues zu entdecken, es bleibt spannend. Ich dachte, ich bleibe von der Konfrontation mit dem Thema verschont... Experte werde ich in dem Bereich wahrscheinlich nicht, aber mit geschlossenen Augen ist es schwierig sich zu bewegen ; ) Danke!

Gewinn können nur Betriebsausgaben mindern.

Beiträge zur Rentenversicherung (gesetzlich) sind Sonderausgaben keine Betriebsausgaben.

Anwaltskosten können Betriebsausgaben sein, wenn sie betrieblich veranlasst sind.

Knapp, aber sehr klar : ) Danke!

@Anima2015

Leute, ich wünsche Euch, Ihr spürt mal hier oder woanders, sooo viel Dankbarkeit wie ich jetzt : ) und mir, dass mal jemand auch nach meiner Antwort (oder mehreren) sooo dankbar ist!

Von den Einnahmen werden die Kosten abgezogen, die im DIREKTEN Zusammenhang mit den Einkünften stehen. Außergewöhnliche Belastungen kommen in der Erklärung dann in den mantelbogen und private Versicherungen auf die Anlage Vorsorgeaufwand

: ) Das kann ich sofort verstehen. ABER mindern der Vorsorgeaufwand, außergewöhnliche Belastungen und Versicherungen den zu versteuernden Betrag?

Ja. Aber nicht in voller Höhe. Am Ende wird ein Prozentsatz genommen. Und nur soviel Geld würdest du rein theoretisch wieder bekommen. Hast du also 1000 € kosten und 10% Steuersatz würdest du entsprechend auch nur 100 € wieder bekommen. Vorausgesetzt... Du hast mindestens auch 100 € steuern gezahlt.

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