Fahrerflucht- danach bei der Polizei gemeldet.. Womit muss ich rechnen?

7 Antworten

Ich habe keine guten Nachrichten für dich ...

Du hast dich unerlaubt vom Unfallort entfernt und die Möglichkeit der Milderung oder des Absehens von Strafe gemäß § 142 Abs. 4 StGB setzt voraus, dass der Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs stattfand. Das ist z.B. auf Parkflächen der Fall, nicht aber auf normalen Fahrbahnen.
Daher musst du mit einer Anklage und einer Verurteilung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort rechnen.

Nun bist du erst 18 Jahre alt und damit nach dem Gesetz ein Heranwachsender. Daher ist in deinem Fall das Jugendgericht zuständig. Mit etwas Glück wirst du von diesem auch nach den Vorschriften des Jugendgerichtsgesetzes (JGG) verurteilt - in dem Fall wirst du lediglich mit einer Verurteilung zu "Sozialstunden" und nicht mit einer Geldstrafe (die kennt das JGG nur in ganz besonderen, hier nicht vorliegenden Fällen) und auch nicht mit einer Freiheitsstrafe (Schaden zu gering, Ersttäter) rechnen müssen.

Zu einer Entziehung der Fahrerlaubnis gemäß § 69 StGB und einer Sperrfrist für die Neuerteilung hingegen wird es nicht kommen, da kein bedeutender Schaden vorliegt. Bedeutend ist ein Schaden nach derzeitiger Rechtsprechung erst ab einer Höhe von etwa 1300 Euro.

Den Schaden wirst du selbstverständlich ersetzen müssen, wobei du dies ohne Einschaltung deiner Versicherung tun solltest, denn die würde dich wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort (Obliegenheitsverletzung) ohnehin in Regress nehmen.

Wenn du wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilt werden solltest, dann erhältst du einen entsprechenden Eintrag im Verkehrszentralregister in Flensburg, der mit 7 Punkten bewertet wird.

Da du vermutlich noch in der Probezeit bist, musst du schließlich auch noch mit Probezeitmaßnahmen (Aufbauseminar, Probezeitverlängerung um zwei Jahre) rechnen.

Verstehe einer dieses Land. Mit 18 ist man volljährig und für seine Taten verantwortlich. Wir beschneiden >18jährige im Medienkonsum und behandeln Sie wie Jugendliche (was sie laut Gesetz nicht mehr sind), die man schützen muss und behandeln gleichzeitig erwachsene Menschen nach Jugendstrafrecht. Zumindest darin sind wir konsequent. Jugendlicher ist man ab 18 nicht mehr und genauso sollte man auch behandelt werden.

@uncutparadise

Mit 18 ist man volljährig und für seine Taten verantwortlich.

Man kann durchaus schon sehr viel früher für seine Taten verantwortlich gemacht werden. So beginnt die zivilrechtliche Verantwortlichkeit (Stichwort: Schadensersatz) grundsätzlich schon im Alter von 7 Jahren, die strafrechtliche Verantwortlichkeit mit 14 Jahren. Das bedeutet aber nicht, dass nun alle, die diese Grenzen überschritten haben, über denselben Kamm geschoren werden müssen. Statt dessen kann man auch dort noch differenzieren - und das tun unsere deutschen Gesetze.

und behandeln gleichzeitig erwachsene Menschen nach Jugendstrafrecht

Nicht unbedingt, sondern nur dann, wenn ihr Entwicklungsgrad noch eher dem eines Jugendlichen als dem eines Erwachsenen entspricht. Die Entwicklung eines Jugendlichen zum Erwachsenen ist ja nicht mit dessen 18.Geburtstag auf einen Schlag abgeschlossen. Auch in diesem Alter kann man mehr oder weniger reif sein. Diese Erkenntnis berücksichtigt das Jugendgerichtsgesetz, indem es die Möglichkeit bietet, auch 18- bis 20-Jährige noch nach "Jugendstrafrecht" zu behandeln, wenn das durch deren Entwicklungsstand geboten ist.

Ich bin sehr froh, dass unsere Gesetze so sind.

@JotEs

Man kann durchaus schon sehr viel früher für seine Taten verantwortlich gemacht werden. So beginnt die zivilrechtliche Verantwortlichkeit (Stichwort: Schadensersatz) grundsätzlich schon im Alter von 7 Jahren, die strafrechtliche Verantwortlichkeit mit 14 Jahren.

Ja, die beginnt im Alter von 7 Jahren, allerdings eng zusammenhängend mit der Aufsichtspflicht der Eltern. Genauso, wie die verkehrsrechtliche mit 10. Und die strafrechtliche ab 14 ist auch abhängig von diversen Faktoren, auch dort wird nicht voll zugelangt. Verträge darfste auch nur schwebend schließen. Mit 18 wird erstmal grundsätzlich vorausgesetzt, dass Du die Reife für Verträge, eigene Entscheidungen und deren Konsequenzen durch das Elternhaus und Deine Umgebung mitbekommen hast. Dann wird geschaut, ob dem so ist und im Einzelfall entschieden. Allerdings ist das dann wieder eine Sache, wie der 18jährige erwachsen gemacht wurde ;-)

Und ich bin auch froh, dass unsere Gesetze so sind. Naja, bis auf das eine bzw. die zwei, die Erwachsene bei Filmen, Spielen und Medien grundsätzlich wie schützenswerte Jugendliche behandeln. Aber dafür gibt es in der heutigen globalen Welt ja gottseidank Alternativen ;-)

@uncutparadise

Wovon laberst du da eigentlich? Wer beschneidet inwiefern den Medienkonsum von Erwachsenen?

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (und das lernt man in der Fahrschule, dürfte bei Dir noch sehr frisch sein) ist eine Straftat und dann noch in der Probezeit ! Sowas riskiert man doch nicht für nen popligen Spiegel !

Zuerst einmal ist völlig egal, ob Du räumütig ankommst, die Straftat steht erstmal im Raum. Es kann natürlich auf der einen Seite das Strafmaß mildern, wenn Du zurückkommst, mithilfst und alles einräumst. Es kann aber auch das Strafmaß nicht mildern, dass Du erst 14 Tage die Fleppen hast und noch in der Probezeit bist. Ich glaube allerdings nicht, dass bei einem Spiegel und der Reue das Strafmaß sehr hoch ausfällt.

Dass Du 30min umgeparkt hast, weil Du die Straße freimachen wolltest, kannst Du vergessen. Wenn Du an einen netten Polizisten kommst, dann lächelt der darüber und bemitleidet Dich. Wenn der aber einen schlechten Tag hat, dann merkt der, dass Du Dich aus Deiner Straftat ausgerechnet mit einem guten Werk rausreden willst (umsichtiges Freimachen der Fahrbahn...) und dann gibts keine Milde.

Lackschaden natürlich, wer soll den sonst zahlen ? Bußgeld wirds auch geben, Führerschein dürfte ne Weile weg sein (Straftat in der Probezeit lässt an Deiner Eingung als Fahrer zweifeln), Gerichtsverfahren mal schauen, ist immerhin ne Straftat.

Auf jeden Fall, falls es eine Strafanzeige gibt, wird sie gemildert werden (ergibt sich aus 142 StGB).

Außerdem ist es ein Sachschaden, dann wird das nur auf Antrag verfolgt. Da du dem Fahrzeughalter Bescheid gegeben hast, wird der wohl auf eine Anzeige verzichten.

ist das echt ein antragsdelikt?

dann ist peanuts

@Heidenlord

D.h ich muss nicht mit all zu hohen Strafen rechnen?

@Heidenlord

Die Sachbeschädigung ja, die Fahrerflucht nein!

@Jasko95

Doch, Strafe schon, aber du kommst bei Fahrerflucht wahrscheinlich mit Milderung weg und die Sachbeschädigung wird nur auf Antrag (wenn der Betroffene das will) verfolgt.

Falsch!

Es handelt sich bei 142 StGB um ein Offizialdelikt. Was ja bei normalem Menschenverstand auch logisch ist.

@NineBoo

Ich rede von der Sachbeschädigung. Bitte lies genauer!

Und 142 wird nach den Abs. 3 und 4 gemildert!

@bianchaneunzehn

Es geht hier aber nicht um die Sachbeschädigung sondern das unerlaubte entfernen vom Unfallort, ich habe sehr genau gelesen:)

Die Sachbeschädigung wird nicht strafrechtlich sondern zivilrechtlich geahndet indem man den Schaden über die Versicherung begleichen lässt. Weiterhin steht eine Ordnungswidrigkeit im Raum, denn es ist gegen Paragraph 1 StVO verstoßen worden indem ein Schaden verursacht wurde. Das kostet gemäß Bußgeldkatalog 35 Euro.

@NineBoo

Sachbeschädigung wird auf Antrag sehr wohl strafrechtlich verfolgt (303 StGB)! Da der Fragesteller wissen will, was auf ihn zukommen kann, ist das auch von Belang.

Der erste Absatz meiner Antwort bezog sich auf die Fahrerflucht, der zweite Absatz beschäftigt sich mit der Sachbeschädigung, ist es jetzt klar?

@bianchaneunzehn

Nur vorsätzliche Sachbeschädigung ist strafbar.

@JotEs

Stimmt, danke für den Hinweis, also geht es nur noch um die Fahrerflucht.

Also zunächst steht ja hier das unerlaubte Entfernen vom Unfallort im Raum.

Es kommt jetzt ganz genau darauf an was du die halbe Stunde nach dem "Unfall" gemacht hast. In Wirklichkeit wirst du ja nicht eine halbe Stunde lang nach einem Parkplatz gesucht haben. Insoweit du dass hier schilderst, bist du deiner Pflicht mehr oder minder freiwillig ja dann nachgekommen, deine Personalien feststellen zu lassen. Sollte also tatsächlich eine Anzeige gegen dich bzgl Unerlaubten Entfernens vom Unfallort geschrieben werden, und das hängt erstmal ganz davon ab, wie die vor Ort eingetroffenen Polizisten die ganze Sache wahrgenommen haben, dann wird spätestens gemäß 142 (3),(4) StGB die Sache abgemildert oder sogar fallen gelassen. Du hast das einzig richtige getan, nachdem du unüberlegter Weise schon einfach weggefahren bist, indem du zurückgekommen bist und dich der Sache geklärt hast. Sei dir bewusst, wenn dir die Polizisten deine "Ich habe 30min lang einen Parkplatz gesucht" Geschichte nicht abkaufen, sie aufgrund der Frischheit deiner FE eventuell auch einen Vermerk an die Verkehrsbehörde richten und deine Befähigung als korrekter Straßenverkehrsteilnehmer anzweifeln, das kann auch die Verkehrsbehörde selbst initiieren sollte die Anzeige aufgenommen werden. Soweit würde ich aber erstmal nicht denken. Vermutlich löst sich der Sachverhalt schon vorher auf.

Vielen Dank für die hilfreiche Antwort.

Der geschädigte hat mir auch gesagt ich solle mich bei der Polizei melden und das er keine interesse hat mich anzuzeigen oder mir Geld aus der Tasche zu ziehen und ich habe bei der Polizei gesagt: ich habe mich entfernt um einen Parkplatz zu suchen, dann habe ich einen gefunden nach 10 min (mittags in Bonn) dann habe ich mir das Kennzeichen notiert und bin in die Schule neben an gegangen und habe nach Informationen gefragt und bin noch da rumgelaufen um jemanden zu suchen und dann habe ich Leute angequatscht die da standen und die wussten wem das Auto ist...

@Jasko95

Habe einen Zeugen der ganze die ganze Zeit neben mir war und ich habe das Auto umgeparkt, weil ich sonst die ganze Straße versperrt hätte und somit kein anderes Auto dort langfahren könnte..

@Jasko95

Also zum einen ist es völlig egal, ob Dich der Geschädigte anzeigt oder nicht. Das erledigt schon die Polizei / Staatsanwaltschaft. Und zum anderen glaubt Dir kein Polizist, der ein wenig Erfahrung hat, dass Du 30min das Auto umparken musstest, um einen Parkplatz zu suchen, egal was Dein Zeuge sagt. Mensch, Polizisten sind auch nicht auf der Wurstbrühe hergeschwommen. Die erleben sowas täglich und wissen, dass Du nach paar Minuten Spuntus bekamst und aus Angst zurückgekommen bist. Das Gewinsel wegen Parkplatzsuche ist peinlich. Du bist 18, Du bist erwachsen und volljährig, steh wie ein Mann zu dem was Du tust (abhauen) oder auch dem, was Du nicht tust (am Unfallort bleiben, wenn man schon Mist baut). das kommt bei Polizei / Richter auch besser an als die Ausrede mit dem Parkplatz.

@uncutparadise

Hey du bist nicht hier um den Erziehungsdaddy zu machen, sondern um mit möglichst fundiertem Wissen Menschen mit Problemen zur Seite zu stehen. Er wird schon Begriffen haben dass sein handeln falsch war und wird ausreichend durch strafrechtliche und ordnungsbehördliche Folgen gemaßregelt. Und Polizisten sind nicht in der Position darüber zu Urteilen, wie die Situation nun gewesen ist, sie nehmen die Sachverhalte lediglich auf und entscheiden wird am Ende der Staatsanwalt bzw der Richter. Die Gesetzgeber sind nicht dumm, sondern wissen, dass es menschlich ist wegzulaufen, wenn man Fehler begeht. Deshalb sieht das Gesetz auch eindeutig Milderung bzw sogar Straffreiheit vor, wenn der Beschuldigte die Feststellung seiner Person ermöglicht. Das ist hier ohne Zweifel passiert. Also Braucht man nicht Lügen mit dem Parkplatz. Offen zu sagen, dass man mit der Situation überfordert war, dann aber kapiert hat dass man was falsch gemacht hat und sich dem stellen muss, zeigt am Ende dem Richter die Reue und damit die Fähigkeit der Einsicht, was gerade bei einem Heranwachsenden oft honoriert wird für das Strafmaß.

@NineBoo

Also zum einen habe ich Deinen Eintrag nicht im geringsten angegriffen, wieso wirst Du jetzt plötzlich zum Anwalt vom Fragesteller ?

Zum anderen lasse ich in der Tat meinen Erziehungsdaddy nur bei meiner Tochter raushängen, aber da wir hier in einem öffentlichen Forum sind, darf ich hier auch meine Meinung sagen !

Menschlich sind eine ganze Menge Dinge, die verboten sind, aber es gehört eben auch zum Erwachsen werden und erwachsen sein, dass man sich den Dingen stellt und eben nicht wegläuft ! Ja, das machen auch genug Erwachsene und bei denen finde ich das genauso wenig toll. Er braucht nicht lügen, hat er aber getan und will es anscheinend weiterhin tun. Diese Aussage mit der überforderten Situation habe ich ja sogar auch vorschlagen (Stichwort ehrliche Reue), aber bisher versucht er ja mit unseren Tipps eher eine Aussage hinzubiegen, die ihn davonkommen lässt.

Eine Freundin von mir hatte etwas ähnliches vor einigen Jahren, nur daß sie den Führerschein schon viele Jahre hatte. Folge: Gerichtsverfahren, hohes Bußgeld und 6 Monate ohne Führerschein

-.-

Das dürfte dir nicht passieren, da du gemäß Absatz 3 & 4 ja dazu beigetragen hast, dich als Unfallverursacher ausfindig zu machen usw. Wenn du merkst dass diese 30min Zeitverzögerung ein Problem werden, dann sei einfach ehrlich und drück auf die Tränendrüse...du hattest Angst vor den Folgen und ja es war dumm und deshalb bist du ja auch zurückgefahren und und und. Das hilft immer, du bist noch Jung und unerfahren in den Augen der Strafverfolgungsbehörde!

@NineBoo

Ich werde dran denken dankeschön :)

@NineBoo

Genau, sowas hilft ja immer. Das ist wie bei meiner 3jährigen Tochter. Die ist immer sooo erwachsen, aber wenn was anders läuft, dann wird geheult und leid getan und Ausreden werden gefunden... ich dachte, mit 18 ist man weiter !

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