Existenzgründer als Immobilienmakler - Tipps und Anregungen?

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Hi Immo,

habe schon einige Makler begleitet, ob ihm Rahmen der jährlichen Prüfung nach der MaBV oder auch in der Gründungsphase und darüber hinaus.

Was ist nicht verstehe ist Dein Satz in Klammern. Was meinst Du damit?

Als erstes solltest Du Dir die gesamte Marktlage genau ansehen. Das fängt damit an, wie viele Vermietungen und Verkäufe werden in dem Bereich, in dem Du aktiv sein möchtest überhaupt über das Jahr gesehen vorgenommen?

Dann ist die Frage: Welcher Bereich davon wird derzeitig von Maklern betreut?

Wo ist für Dich jetzt der Platz um Dich in dem Markt als Makler aufzustellen und wie kommst Du an Kunden? Also Vermietungswillige/Verkaufswillige auf der einen Seite und dann eben Mietinteressierte/Kaufinteressierte.

Wie viel davon kannst Du am Tag ansprechen? Das sind dann in der Woche als Ziel? Wie viele kannst Du davon für Dich gewinnen? Und wie viel Zeit benötigst Du für die Betreuung der Leute und was für eine Courtage wartet auf Dich dabei? Wie hoch werden Deine monatlichen, quartalsweisen oder auch jährlichen Einnahmen sein? Welche Ausgaben stehen dem wann gegenüber?

Checken solltest Du natürlich auch, ob Du alle Voraussetzungen erfüllst. Erst einmal die formalen für die Beantragung der Maklerlizenz. Dann auch ggf. weitere für das Finanzwesen.

Wichtig sind auch Deine Rechte und Pflichten. Sei es in der Zusammenarbeit mit Wirtschaftsauskunfteien wie der Schufa oder anderen. Welche Anforderungen an Selbstauskünfte gestellt sind, wieweit Du für die Angaben gegen dem Vermieter haftest usw.

Die Aufgabe der Makler (schert sich ja kaum jemand drum), ist es Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Das bedeutet auch den richtigen Mietwert zu ermitteln. Wenn Makler wüssten, wie sehr sie dafür haften... Wenn Kunden das wüssten, wie oft dann Makler vor den Gerichten stünden...

Dabei ist dann die Verfassung eines guten Exposé einfach Pflicht. Kennst Du Dich damit aus? Übrigens seit Jahrzehnten auch Anforderung der MaBV. Kennst Du die Bußgelder, wenn das nicht gemacht wird?

Wenn ich nicht Gründungsprofi wäre, dann würde ich in dem Bereich nicht gründen. Ersteinmal stehen Makler in einem ganz bescheidenen Ruf. Es ist ein Markt wo viele mal einsteigen und dann auch ganz schnell wieder verschwinden.

Der Immobilien-Markt wird aufgrund von demografischen Entwicklungen in Zukunft noch schwerer werden. Es ist also wer heute startet sehr wichtig nicht einfach zu gründen, sondern sich eine Marktstrategie zu erarbeiten. Und das sieht eben nicht so aus: Am Anfang drei 1-Zimmer-Wohnungen in ... und dann ist Mieterwechsel und inzwischen habe ich zwei 2-Zimmer-Wohnungen...

Da steckt einiges mehr dahinter. Es ist keine offizielle Zahl, weil die Politik will ja die Leute vom Gründen nicht abschrecken, aber die ist ziemlich genau. Nur 45% überleben die Gründungsphase. Von allen Gründungen. Und von den 45% können auch nicht alle davon leben.

Solche Aussagen wie von Dir "dieser wunderbaren Tätigkeit" usw. die bringen glaub ich alle Gründer mit. Und ich unterstelle auch, dass da alle mit Engagement starten und machen und tun. Allerdings dann viel zu spät feststellen, wie das eigentlich alles läuft. Leider sogar Leute, die aus der Branche kommen.

Also - Wenn Du da was werden willst, alles klar, es ist natürlich machbar. Kein Markt ist so klein, dass man da nicht reinkommt. Aber ohne einen richtig guten Plan: Nimm Dein Geld fahre in Urlaub und komme wieder, suche Dir einen Job. Das ist leider die Realität.

Hallo Gullup,

erstmal vielen Dank für Deine wirklich ausführliche Antwort auf meine Frage!

Was ist denn an meinem Satz in Klammern (Einzelunternehmen ohne eigene Büroräume) nicht zu verstehen? Zur Erklärung: Ich wähle die Rechtsform "Einzelunternehmen" und werde als Immobilienmakler "keine eigenen Büroräume" eröffnen, sondern mittels Kooperationsvereinbarung mit einem bestehenden Immobilienbüro arbeiten. Auf diese Weise profitiere ich von der bestehenden Bekanntheit des Immobilienbüros und erhalte von hier aus meine Aufträge bzw. akquiriere meine Aufträge von hier aus in Eigenregie.

Die notwendigen Voraussetzungen für die Erlaubnis nach § 34c GewO erfülle ich selbstverständlich, auch bringe ich Fachwissen durch Selbststudium und Fortbildungen mit.

Im Thema Finanzen bin ich fit, werde aber trotzdessen nicht anfangen, meine Steuererklärung in Eigenregie durchzuführen. Hierfür wende ich mich an einen Steuerberater, der sich dessen annimmt und mir einiges an Arbeit und Zeit abnimmt. So kann ich diese Zeit mit Akquirierung und Marketing besser verbringen.

Die Rechte und Pflichten, insbesondere Haftung eines Maklers ist mir bereits eingehend vertraut und bewusst. Wer aber transparent und pflichtbewusst mit entsprechender Versicherung im Rücken agiert, hat nichts zu befürchten.

Die angesprochene MaBV habe ich selbstverständlich in meinen Unterlagen und weiß damit umzugehen. Sämtliche Punkte die hier enthalten sind, verstehe ich als selbstverständlich! So ist es aber z.B. auch in anderen Branchen der Fall, dass im Falle unrichtiger Angaben, irreführender Werbemaßnahmen etc. Bußgelder verhängt werden.

Der Ruf einiger Immobilienmakler ist mir ebenfalls bekannt und lässt darauf schließen, dass diese Personenkreise den notwendigen ernst dahinter nicht verstehen und einfach nur das schnelle Geld machen wollen. Für mich ist dieser Weg ein anderer! Ich plane eine baldige Vollexistenz mit dieser Tätigkeit und bin mir über Service und Leistungen sehr wohl bewusst, besonders weil ich persönlich schon selber in den Genuss gekommen bin, einen Immobilienmakler beauftragen zu können um die ein oder andere Immobilie zu vermarkten. Auch aus dieser Erfahrung, weiß ich genau worauf es ankommt, aber um dieses Thema an dieser Stelle weiter zu diskutieren, würde ich einige Seiten füllen...

Auch die angesprochene Zahl der scheiternden Existenzgründungen ist mir bekannt und zeigt, dass besonders Gründer ohne entsprechendes Fachwissen, besonders im kaufmännischen Bereich, innerhalb der ersten drei Jahre scheitern. Ein weiterer Grund ist fehlendes Eigenkapital und das Gottvertrauen auf die Bank!

Wenn ein Gründer wie ich schreibt, dass es sich um eine wunderbare Tätigkeit handelt, ist das auch so gemeint. Wenn Du - wie Du selber schreibst - als Gründungsprofi unterwegs bist, solltest Du doch Gründungswillige unterstützen und die Motivation nicht abwerten.

Trotzdem Danke

@Immo2014

Hallo Immo,

Du brauchst mir doch keine Rechenschaft ablegen. So war das gar nicht gemeint. Über Jahre habe ich viele MaBV-Prüfungen durchgeführt und dann Kanzleiinhabern zur Unterschrift vorgelegt. Dabei waren Exposés nicht vorhanden. Nirgends ein Nachweis darüber, dass durch die Einschaltung eines Maklers Kosten entstehen usw. usw. usw.

Zum Thema Motivation. Das ist nach meiner Meinung im Sinne von Begeisterung vollkommen egal. Gründer brauchen eine ganz andere Motivation. Die eines Rummelplatzboxers. Nie in die Knie gehen. Wenn Schwierigkeiten Wege verschließen, sofort zwei Alternativen an der Hand haben und durch ergreifen einer Alternative den Weg weiter. Das sind ganz andere Qualitäten. Jeden Tag dahin gehen wo es weh tut. Natürlich holt man sich als Starter auch häufiger blutige Augen, als andere. Ist egal. Darum, was Du genießen kannst und was Dir als Gründer gefällt - Das ist allen vollkommen egal. Und das sollte es Dir auch.

Zum Thema (Gründungs-)Profi. Es ist nie die Aufgabe eines Profis etwas schön zu färben. Jedenfalls nicht auf der Seite, die man betreut, da wird Klartext geredet. Was bringt es einem Immobilieninhaber, begeistert von der Unterkunft, wenn er Mondpreise will. Man kann den Mund halten und gibt nach ein paar Wochen den Auftrag zurück oder aber man redet darüber was Sache ist.

Zum Thema Mitarbeit. Häufig bringt das nicht viel. Nutze es aber dafür, Deine Zielgruppe in einen Bereich zu legen, wo sowohl dieser, als auch andere Makler nicht so zu Hause sind. Ich kann immer nur wiederholen: Leute sucht eine kleine Zielgruppe. Werdet da bekannt wie ein Schneehund. Oder wie das heißt. Es vereinfacht die Suche nach Inhabern und Mietinteressierten ungemein.

Viel Erfolg!

@Dirk-D. Hansmann

Hallo Gullup,

ich wollte keine Rechenschaft ablegen, sondern vielmehr meine Frage und meinen Standpunkt besser Erklären.

Die von Dir bildlich beschriebene Motivation ist bei mir definitiv vorhanden, denn nur wenn man mit Herzblut dabei ist und sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen lässt, - besonders als Existenzgründer - wird man den notwendigen Erfolg erfahren.

Das die Mitarbeit bzw. Kooperation häufig nichts bringt, sehe ich etwas anders. Die eine Sache ist die, dass der Name des Kooperationspartners bereits auf dem Markt, besonders aber beim Kunden, erfolgreich vertreten ist. Somit bietet sich auf diese Weise ein guter Einstieg in die Branche. Ich benötige für`s erste eine solide Grundlage an Aufträgen, die ich mit der Zeit spezialisieren möchte, um anschließend Fachmann in meinem Bereich zu werden. Genau wie Du es angesprochen hast, steht mein Ziel in der Zielgruppenfokusierung. ALLES kann ja jeder... aber kann jeder auch ALLES perfekt? Das ist einer der Gründe, warum ich mich auf einen Bereich spezialisieren werde.

Aber nun genug davon!

Vielen lieben Dank für die gute Unterhaltung! Immo2014

Kurz gefasst: Der Immobilienmarkt ist recht leergefegt und der Kuchen bereits unter sehr vielen Immobilienmaklern verteilt. Hier neu Fuß zu fassen ist wirklich sehr schwierig geworden. Da hilft nur Klinken polieren und laufen, laufen, laufen.....

Ich bin zwar nicht selber in der Immobilien-Branche aktiv, doch habe ich in den vergangenen Jahren einige wertvolle Erfahrungen sammeln können.

Deshalb mein Rat: Such Dir unbedingt einen Steuerberater. Natürlich kostet es Geld, doch spart es Dir auf der anderen Seite enorm viel Zeit und Nerven, die Du eher zur Kundengewinnung oder gegebenfalls für die Familie einsetzen solltest. Generell kann ich Dir empfehlen alles auszulagern was Du nicht selber gerne machst oder wirklich gut kannst. Zum Beispiel die Logogestaltung oder auch das Aufsetzen einer Webseite.

Zudem ist es immer sehr hilfreich sich stets weiterzubilden und beispielsweise regelmäßig Seminare zum Marketing zu besuchen.

Ebenfalls sehr hilfreich für Deine Arbeit ist die Nutzung von Projektmanagement-Software. Sie hilft Dir Deinen Arbeitstag zu strukturieren, den Überblick zu behalten und Dich in Deiner Arbeit zu verlieren. Ich nutze hierfür den Anbieter http://www.timo.net/

Vielen Dank für die ausführliche Antwort! ;-)

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