Erbrecht/Vermächtnis

2 Antworten

Hallo Lorena,

die Beerdigungskosten wären zunächst aus dem Nachlass des Verstorbenen zu bezahlen. Der scheint dafür ausreichend werthaltig; nur wenn der Nachlass die garnicht hergäbe, wären zunächst die LG wie Kinder, dann auch Enkel zur anteiligen Kostentragung heranzuziehen.

Was nach Abzug dieser und weiterer Nachlassverbindlichkeiten, etwa Mietzahlungen während einer dreimonatigen Kündigungsfrist, Räumungs- und Renovierungskosten einer Mietwohnung, Zeitungsabo, nur fristgerecht zu kündigende Sachversicherungen usw. noch übrig bliebe, wäre als sog. Reinnachlass unter den testamentarisch verfügten Erben, den Söhnen, zu verteilen.

Die Vermächtnisse an die Enkel und die LG wären von der Sölhnen als Erben nur dann zu erfüllen, wenn ihr Erbe ihren dazu hälftigen Pflichtteilsanspruch auskehrbar machen würde. Meint: Sind Sparbücher, Bausparvertrag mit Aufstockungsumme und Auto zusammen mehr wert als die Hälfte des Reinnachlasses, scheitert jedweder Erfüllungs- und Herausgabeanspruch der bestimmten Vermächtnisnehmer.

Dies gälte erst Recht, wenn es sich bei den Verfügungen garnicht um  Vermächtnisse handelt, sondern es sich dabei um eine Teilungsverfügung handelt, also Zuweisung bestimmter Nachlassgegenstände, die vom Erblasser aufgeschrieben wurde.

G imager761



Hallo G imager761, das klingt, als wärest Du vom Fach... Vielen Dank, das hilft mir sehr weiter! Kurz und gut, das außer dem Pkw kein wirklicher Wert vorhanden ist, müssten wir den also gar nicht raus geben, sondern könnten ihn verkaufen und davon die Beerdigungskosten begleichen. Den Bausparvertrag aufzustocken können wir uns wahrscheinlich abschminken. Wir haben überlegt, dass wir als Familie einfach weiter die Raten zahlen und auch die Sparbücher der Kinder weiter bedienen. Traurig, aber leider hat in diesem Fall ein toller Mann nicht viel hinterlassen. Auch wenn die Absichten gut waren.

Es kommt hier zunächstmal auf das Berliner Testament im Einzelnen an. Ein gemeinsames Testament kann nach den Tod eines Ehegatten nicht mehr geändert werden.  Insoweit hat das gemeinsame Testament Priorität gegenüber späteren Letztwilligen Verfügungen.

Wenn das gemeinsame Testament die Schlusserben einsetzt und den Überlebenden keine Änderungsmöglichkeiten einräumt, wären die vom Überlebenden getroffenen Verfügungen von Todes wegen schlicht wirkungslos.

Wenn das Testament den Überlebenden Änderungsmöglichkeiten einräumt, wäre als nächstes zu prüfen, ob die weiteren Testamente formwirksam sind. Das heißt sie müssen handschriftlich vom Erblasser geschrieben und unterschrieben oder notariell beurkundet sein.

Die Schreiben sind in jeden Falle als mögliche Testamente beim Nachlassgericht abzugeben, selbst dann wenn sie wirkungslos und / oder formunwirksam sind.

Sollten die Verfügungen zulässig und formwirksam sein, wäre als nächstes zu prüfen, ob der Nachlass es überhaupt hergibt. Hierbei können die Kinder Vermächtnisse insoweit kürzen, als das ihnen wertmäßig der Pflichtteil verbleibt. Der Pflichtteil ist die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. 

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