Erbrecht in Ehe ohne Ehevertrag

5 Antworten

Im Gegensatz zu manch rechtsirrigen Auffassungen haben Anfangs- und Endvermögen und ehelicher Zugewinn mit dem Erbrecht rein garnichts zu tun :-O

Massgeblich ist das am Todestag vorhande Vermögen des Vestorbenen.

Sogar seine lebzeitigen Schenkungen innerhalb von 10 Jahre werden, im Übertragungswert jährlich 1/10 fallend, dem Nachlass hinzugerechnet.

Demnach fiele nach der gesetzlichen Erbfolge, also ohne anderslautende Verfügung, gem. § 1922 BGB das auf den Erblasser (!) am Sterbetag stichtagsgenau entfallende Vermögen quotal dem Ehegatten und all seinen leiblichen, in Vaterschaft anerkannten, gezeugten oder adoptierten Kindern automatisch zu.

Im Regelfall des Güterstandes Zugewinngemeinschaft verheiratet verstorben, bekäme die Witwe 1/4 Erbquote und pauschalierten Zugewinnanspruch von 1/4, insgesamt also die Hälfte seines Nachlasses, (all) sein(e) Kind(er) (teilen sich) die andere Hälfte.

Bei notariell vereinbartem Güterstand Gütertrennung wäre es im Ergebnis dasselbe, solange er nur ein Kind hätte.

Von seinem Vermögen würden zunächst (auch anteilig mit der Ehefrau hälftig gemachte) Schulden, Verbindlichkeiten und die Bestattungskosten abgezogen, der verbliebene Reinnachlass würde demnach zwischen euch beiden wertmäßig und gegenständlich geteilt.

Dabei hätte die Witwe zusätzlich den sog. Voraus (Hausratsgegenstände) und Wohnrecht der Ehewohnung zu beanspruchen.

Bei gemeinsam von den Eheleuten angeschafften Gegenständen, auch dem Familienauto, gilt die Vermutung, dass ihr die Hälfte gehört und die vorher natürlich herausgerechnet würde.

Geschenke, eigenes Vermögen auf dem Gemeinschaftskonto, Versicherungen mit Bezugsrecht oder durch Erbe bezahlter Wintergarten gehören natürlich seiner Frau.

Darüberhinaus kann sie Ihre Pflege deines Vaters bei der Nachlassteilung geltend machen, § 2057a BGB.

G imager761

Du schreibst, von seinem Vermögen oder seines Nachlasses. Bei Zugewinngemeinschaft und gemeinsamen Vermögen gehört nun mal die Hälfte schon der Ehefrau. Von seinem Vermögen dann bekäme die Witwe 2x ein Viertel, also die Hälfte. Was bedeutet das Deiner Ansicht hier in Zahlen?

So aber ist Deine lange Erklärung nicht plausibel.

@marylinjackson

Bei Zugewinngemeinschaft und gemeinsamen Vermögen gehört nun mal die Hälfte schon der Ehefrau.

Genau das ist eben (d)ein (weit verbreiteter) Irrtum: Auch in einer Ehe werden die Vermögen der Eheleute streng vorneinader getrennt betrachtet.

Niemand besitzt das Vermögen des anderen hälftig noch haftet er für dessen Schulden anteilig; also weder sie für sein Kicker-Abo noch er für ihre Kreditkartenabrechnungen.

Allerdings für eine Bürgschaftserklärung einer gemeinsamen Hypothek oder Mietzahlungen eines gemeinsamen Mietvertrages.

Zwar gehört ihr die halbe Schlafzimmereinrichtung, wenn sie gemeinsam gekauft (Rechnungsempfänger) und von ihr anteilig mitbezahlt wurde, dass hat aber nichts mit ehelichem Zugewinn, sondern Eigentumsrecht aus Kaufvertrag zu tun.

Meine Berechnung der Nachlassquote entspricht exakt dem, wie der Reinnachlass des Erblassers verteilt würde - sein Reinnachlass, nicht das halbe Ehevermögen :-)

@marylinjackson

Das ist vollkommen falsch! Bei einer Zugewinngemeinschaft gibt es kein gemeinsames Vermögen der Ehepartner! Deine Ansicht beruht auf einem vollkommen falschen Verständnis des ehelichen Güterrechts

@marylinjackson

Bei Zugewinngemeinschaft und gemeinsamen Vermögen gehört nun mal die Hälfte schon der Ehefrau.

Wie kommt man auf derartigen Unsinn? Eine derartige Regelung gibt es nicht.

@jurafragen

Unsinn? Das, was hier im juristischen Deutsch umständlich geschrieben wird, ist unsinnig. Es geht nicht um Kaufverträge von Möbeln und Auto oder um Schulden, sondern um das gemeinsam erarbeitete Geld, was auf dem gemeinsamen Konto liegt, das nun auf einmal nur allein dem Erblasser gehören soll.

@marylinjackson

Das hat niemand behauptet! Und woher weißt Du, dass das Geld auf einem gemeinsamen Konto liegt? Davon steht in der Frag zumindest nichts! Egal, wie Du es jetzt drehst. es gibt in der Zugewinngemeinschaft kein gemeinsames Vermögen der Ehegatten! Wenn es sich tatsächlich um Gelder auf einem Gemeinschaftskonto handeln sollte, so spricht eine Vermutung dafür, dass jeder Ehegatte hierauf einen hälftigen Anspruch hat. Wenn die Geldanlage nur auf den Ehemann läuft, so gehört ihm alleine das Geld!

@marylinjackson

sondern um das gemeinsam erarbeitete Geld, was auf dem gemeinsamen Konto liegt,

Gehört eben nicht den Eheleuten hälftig gemeinsam sondern jeweils dem und in der Höhe, wie es ihm überwiesen wurde oder selbst dort eingezahlt ist - centgenau.

Um es noch deutlicher zusagen: Das sind zwei Konten in einem, die genau nach den jeweiligen Einlagen getrennt bewertet werden.

das nun auf einmal nur allein dem Erblasser gehören soll.

Habe ich nie behauptet :-O

Vielmehr genau das beschrieben, was zutreffend ist: Der Saldo des gemeinsamen Girokontos am Sterbetag wird centgenau nach Vermögen des Erblassers und Einlageanteil des Kontomitinhabers (Ehefrau) getrennt bewertet.

@marylinjackson

Unsinn?

Ja.

Das, was hier im juristischen Deutsch umständlich geschrieben wird, ist unsinnig.

Weil du das so sagst?

Es geht nicht um Kaufverträge von Möbeln und Auto oder um Schulden, sondern um das gemeinsam erarbeitete Geld,

Nein, es geht beim erben schlicht darum, dass es einen oder mehrere Rechtsnachfolger für jemanden gibt, der gestorben ist. Und es geht um Erbquoten. So nüchtern ist das leider.

was auf dem gemeinsamen Konto liegt, das nun auf einmal nur allein dem Erblasser gehören soll.

Wo nimmst du auf einmal ein gemeinsames Konto her? Davon war vorher nie die. Rede. Aber auch hier gibt es jemanden, der Anspruch auf diese Beträge hat.

@marylinjackson

(...) das gemeinsam erarbeitete Geld, was auf dem gemeinsamen Konto liegt, das nun auf einmal nur allein dem Erblasser gehören soll.

Du hast offenbar weder das Güterrecht noch den Beitrag von imager761 wirklich verstanden. Das ist einmal mehr ein Beispiel für gefährliches Halbwissen und die Folgen daraus.

Zum Nachlass Deines Vaters gehört alles, was ihm zum Zeitpunkt des Todes gehört. Erbrechtlich spielt Anfang- und Endvermögen keine Rolle. Du und die Frau Deines Vaters würden zu je 1/2 Erbe werden

Zum Nachlass Deines Vaters gehört alles, was ihm zum Zeitpunkt des Todes gehört.

Ergänzung: Oder innerhalb der letzten 10 Jahre gehörte, aber verschenkt wurde.

Für die bislang einzige sachlich und inhaltlich korrekte Antwort mein DH :-)

Du erbst gar nichts! :-) Scherz Wer seinen Vater nachweislich in die Vermögenslosigkeit treibt, erbt meist nichts außer Undank.

Entscheident ist das Vermögen z. Zeitpunkt des Erbfalls. Wenn es weder ein Testament noch einen Ehevetrag gibt wird wie folgt verfahren. Die Ehefrau bekommt erst einmal die Hälfte. Dies ist ihr fiktives Vermögen, welches sie während der Ehe selbst gebildet hat, also ihr eigenes Vermögen. Das verbleibende Vermögen wird dann unter den Beteiligten aufgeteilt. Rein rechnerisch betrachtet bekommt die Ehefrau erst einmal 50% von allem. Danach erhält sie einen Anteil in Höhe der Beteiligten (Ehefrau + Kinder). Für dich blieben daher nur 50% der Erbmasse (2.500 x 50%).

Der Ehepartner erbt natürlich auch aus dem Anfangsvermögen, dafür erben die Kinder nicht vollständig aus dem Zugewinn, weil der ja zur Hälfte der hinterbilebenen Ehepartner gehört.

Falsch: Den gesetzlichen Erben fällt der Nachlass mit Bewertungstichtag Sterbetag zu, egal, wie hoch das Anfangsvermögen des Erblassers bei Eheschliessung war.

@imager761

Liest du aus meiner Antwort irgendetwas anderes?

@Schuhu

Ja, lese ich auch! Denn der Zugewinn sowie Anfangs- und Endvermögen haben mit der erbrechtlichen Lösung rein gar nichts zu tun! Es wird danach nicht differenziert!

@SaVer79

Aber genau danach wurde doch gefragt. Darum die erwähnung. Was der Erblasser am Sterbetag an Vermögen hat, hat er schließlich vor oder in der Ehe erworben.

Der Ehepartner erbt die Hälfte des Anfangsvermögens, also 1000€.

Aus dem Zugewinn von 3000 gehört der Witwe bereits die Hälfte, von der anderen Hälfte erben sie und das Kind zu gleichen Teilen, also 1500 plus 750= 2250€

Insgesamt erbt die Frau 3250 Euro.

Das Kind 1750 Euro.

Gut klargestellt, DH

@Mikkey

Das ist nicht gut dargestellt, sondern einfach nur Unsinn.

Völlig daneben - s. m. Kommentar :-(

Auch wenn diese Antwort schon eine positive Bewertung bekommen hat, ändert das nichts daran, dass sie inhaltlich falsch ist!

Der Ehepartner erbt die Hälfte des Anfangsvermögens, also 1000€.

Das Anfangsvermögen spielt erbrechtlich keine Rolle. Deshalb erbt der Ehepartner auch nicht die Hälfte des Anfangsvermögens.

Aus dem Zugewinn von 3000 gehört der Witwe bereits die Hälfte (...)

Der Zugewinnausgleich bei Beendigung des Güterstandes durch Tod wird nicht durch Errechnung (Anfangsvermögen ./. Endvermögen) bestimmt, sondern nach § 1371 BGB. Hier wird geregelt, dass sich der Erbteil der Ehefrau im 1/4 erhöht.

Zudem ist gänzlich falsch, dass der Ehefrau bereits die Hälfte des Zugewinns gehören soll. Wie aus § 1363 II BGB eindeutig ersichtlich, wird das Vermögen der Ehegatten nicht gemeinschaftliches Vermögen. Deine Meinung fußt entweder auf einem Versehen (Verwechslung von Gütergemeinschaft und Zugewinngemeinschaft), oder aber auf einem groben Missverständnis des Güterrechts.

Insgesamt erbt die Frau 3250 Euro. Das Kind 1750 Euro.

Wenn du so gerne mit Zahlen umgehst, dann rechnen wir mal korrekt:

Das Vermögen des Erblassers z.Z. des Todes war bei 5.000,- EUR (2.000,- EUR Anfangsvermögen plus 3.000,- EUR Zugewinn).

Nun erbt die Ehefrau nach § 1931 I BGB zunächst 1/4. Nach § 1371 BGB erhöht sich ihr Erbteil um ein weiteres Viertel, sodass sie 2/4 = 1/2 auf sich vereint.

Das (einzige) Kind wird als Erbe erster Ordnung nach §§ 1930, 1924 I BGB den Rest erben. Also die andere Hälfte.

Allerdings: Die Erbquoten sind nicht mit den Geldbeträgen zu verwechseln! In diesem Fall würde eine Erbengemeinschaft entstehen, die sich auseinandersetzen muss. Jeder Erbe hat dabei einen Anspruch auf exakt die Hälfte des Nachlasses.

Folglich würden sowohl die Ehefrau, als auch das Kind wahrscheinlich 2.500,- EUR erhalten. Zumindest, wenn man eine Auseinandersetzung streng nach Erbteilen vornimmt...

@Grinzz

Eine Scheidung wäre für die Frau finanziell also attraktiver als beim Erbfall, auch wenn sie den Ehemann jahrelang gepflegt hat und während der Ehe gleich viel zum gemeinsamen Vermögen beitrug? Nach Deiner Rechnung würde sie nichts erben, sondern nur ihren hälftigen Anteil ausgezahlt bekommen. das darf doch nicht wahr sein! Kinder verlassen die Eltern, kümmern sich nicht um sie aber kassieren im Erbfall als Pflichtteilsberechtigte Geld.

Die DDR hatte so einen Pflichtteilsanspruch nicht. Auch in Großbritannien gibt es ihn bis heute nicht. Das kommende EU-Erbrecht differenziert hier ländertypisch je nach Wohnsitz.

@marylinjackson

auch wenn sie den Ehemann jahrelang gepflegt hat und während der Ehe gleich viel zum gemeinsamen Vermögen beitrug?

Es geht gar nicht um das gemeinschaftliche Vermögen. Denn das Erbe ist nur das Vermögen des Erblassers (Ehemann).

Nach Deiner Rechnung würde sie nichts erben, sondern nur ihren hälftigen Anteil ausgezahlt bekommen

Nun, sie würde einen 1/2-Anteil erben. Vom Vermögen des Ehemannes. Von ihrem eigenen Vermögen erbt sie logischerweise nichts - es gehört ihr ja auch schon!

Kinder verlassen die Eltern, kümmern sich nicht um sie aber kassieren im Erbfall als Pflichtteilsberechtigte Geld.

Wenn man mit der gesetzlichen Erbfolge nicht einverstanden ist, dann kann man jederzeit ein Testament errichten. Im Übrigen erhält das Kind in diesem Fall keinen Pflichtteil. Der Pflichtteil fällt ja nur an, wenn er als gesetzlicher Erbe enterbt wurde (durch Verfügung von Todes wegen).

OMG. Ein Blick in das Gesetz vermeidet Geschwätz und dient der Rechtsfindung: § 1371 BGB: "Wird der Güterstand durch den Tod eines Ehegatten beendet, so wird der Ausgleich des Zugewinns dadurch verwirklicht, dass sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten um ein Viertel der Erbschaft erhöht; hierbei ist unerheblich, ob die Ehegatten im einzelnen Falle einen Zugewinn erzielt haben."

Die Ehefrau erbt demnach schlicht 1/4 und bekommt 1/4 pauschalierten Zugewinn, insgesamt also 1/2; die andere Hälfte teilen sich die Kinder des Erblassers anteilig, § 1924 I BGB.

Hinterliese der Ehemann und Vater 5000 ER und wären davon all seine Schulden und Beerdigungskosten bezahlt, bekäme der Sohn 2500 EUR und die Witwe ebenfalls.

Was möchtest Du wissen?