Entgeldfortzahlung nach 6 Wochen Krankheit?

4 Antworten

Juristenantwort "es kommt darauf an"

Kommt bei einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit eine weitere Krankheit hinzu, verlängert sich der Anspruch auf Entgeltfortzahlung nicht, sondern bleibt bei max. 42 Kalendertagen für dieselbe Krankheit. Wenn allerdings zwei verschiedene Krankheiten hintereinander auftreten, die auf einer unterschiedlichen Krankheitsursache beruhen, entsteht ein neuer Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Arbeitgeber können über die Krankenkasse des Mitarbeiters erfragen lassen, ob es sich um dieselbe Krankheit handelt (Vorerkrankung). Der behandelnde Arzt erhält dann eine entsprechende Anfrage, um zu beurteilen, ob eine Vorerkrankung vorliegt oder nicht. In Zweifelsfällen kann der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) zu Rate gezogen werden.

Für den Anspruch auf Entgeltfortzahlung ist entscheidend, dass den Arbeitnehmer keine Schuld an der Arbeitsunfähigkeit trifft. Ansonsten kann der Arbeitgeber die Fortzahlung des Arbeitsentgelts verweigern. Die Beweislast liegt allerdings beim Arbeitgeber. Nur bei Fällen von Trunkenheit am Steuer kann der Arbeitgeber ein Verschulden unterstellen und der Arbeitnehmer müsste dann seine Unschuld beweisen.

Quelle: AOK Service

Vorab danke für die ausführliche Antwort!
Eine abschließende Frage die sich mir noch stellt: muss nach dem Ablauf der ersten 6 wöchigen Krankheit ein geleisteter Arbeitstag zwischen der Neuerkrankung in der 7. Woche liegen oder reicht für den Anspruch der weiteren Entgeldfortzahlung des Arbeitgebers ein direkt folgender Krankenschein mit einem anderen Krankheitsbild?

@KAWAMo

die FRage haben wir erst letzte Woche diskutiert. Nein, muss nicht. Das ist recht neu, früher lief einfach die AU weiter und man fiel ins Krankengeld. Heute muss sich der Arbeitgeber bei der Kasse erkundigen und bei neuer Krankheit gehen die 42 Tage neu los.

Klingt erstmal beruhigend, öffnet aber die tür für eine krankheitsbedingte Kündigung, falls das mehrmals passiert.

Wenn allerdings zwei verschiedene Krankheiten hintereinander auftreten, die auf einer unterschiedlichen Krankheitsursache beruhen, entsteht ein neuer Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Das ist falsch, wenn in unmittelbarem (!) Anschluss einer Erkrankung ein erneute (ob eine andere oder mit der vorherigen zusammenhängende) auftritt.

Bei der unmittelbaren Aufeinanderfolge zweier verschiedener Erkrankungen, ohne dass der Arbeitnehmer zwischendurch - und sei es auch noch so kurz und nur theoretisch - hätte arbeiten können, werden beide Erkrankungszeiträume als zusammenhängend betrachten, und es entsteht kein neuer Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, sondern auf Krankengeld von der Krankenkasse..

Wenn du auf eine andere Diagnose (andere ICD) krankgeschrieben wirst, gilt die Entgeltfortzahlung vüm Arbeitgeber nur dann, wenn du zwischen beiden Krankschreibungen wieder gearbeitet hast (eine Stunde reicht). Wenn du aber ohne (!) Arbeitsaufnahme weiter krankgeschrieben wirst, zahlt dein Arbeitgeber nichts und du bekommst dann von deiner Krankenkasse "Krankengeld".

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Genau darum ging es mir. Danke!
Haben Sie dafür eine Quelle wo ich das nachlesen könnte?

@KAWAMo

Nein, stammt aus eigener Erfahrung.

wenn du zwischen beiden Krankschreibungen wieder gearbeitet hast (eine Stunde reicht). Wenn du aber ohne (!) Arbeitsaufnahme weiter krankgeschrieben wirst, zahlt dein Arbeitgeber nichts

Eine tatsächliche Arbeitsaufnahme ist nicht erforderlich!

Es reicht, wenn zwischen der ersten und der folgenden Erkrankung eine Spanne - und sei sie noch so kurz - bestanden hat, in der der Arbeitnehmer auch nur rein theoretisch hätte arbeiten können!

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 09.01.2012, Az 5 Sa 528/11:

"Eine weitere Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall kann der Arbeitnehmer also nur dann verlangen, wenn die erste Arbeitsverhinderung bereits in dem Zeitpunkt beendet war, in dem eine weitere Erkrankung zu einer neuen Arbeitsverhinderung führt (BAG 02.12.1981, EzA § 1 Lohnfortzahlungsgesetz Nr. 59). Zwei selbständige Verhinderungsfälle liegen nur dann vor, wenn der Arbeitnehmer zwischen zwei Krankheitszeiten tatsächlich arbeitet oder wenn er zwischen den beiden Krankheiten zwar arbeitsfähig war, tatsächlich aber nicht arbeiten konnte, weil er nur wenige außerhalb der Arbeitszeit liegende Stunden arbeitsfähig war (Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, 28.06.2007 - 2 Sa 109/07 -; Dörner/Luczak/Wildschütz, a. a. O., Rz. 1964 ff.). Es kommt nicht darauf an, ob der Arbeitnehmer nach seiner Gesundung, d. h. nach Beendigung des Verhinderungsfalles, die Arbeit auch tatsächlich wieder aufgenommen hat oder nicht."[Anmerk.: Hervorhebungen durch mich]

Vielen lieben Dank. Jetzt bin ich um einiges bereichert.
Super Antwort und danke für die Beläge :)

Nach den ersten 6 Wochen Krankheit (am ersten Tag der 7. Woche an dem wieder gearbeitet werden müsste) reicht der „AN“ erneut einen Krankenschein über eine andere Krankheit ab diesem Tage für erneut 6 volle aufeinanderfolgende Wochen ein, ohne zwischen den Krankheiten gesundgeschrieben worden zu sein oder einen Tag gearbeitet zu haben.

Wenn dies zutrifft, muss der AG nach sechs Wochen keine erneute sechswöchige Entgeltfortzahlung leisten. Der AN bekommt Krankengeld von der Krankenkasse, auch wenn es eine "neue" Krankheit ist.

Wenn der AN mit der ersten Krankheit bis z.B. einem Freitag oder Samstag arbeitsunfähig geschrieben war und am folgenden Montag an einem neuen Leiden erkrankt, hat er Anspruch auf erneute Entgeltfortzahlung für sechs Wochen vom AG, weil er zwischen der ersten Krankheit und der zweiten arbeitsfähig war. Da genügt in diesem Beispiel schon, wenn er am Sonntag nicht arbeitsunfähig geschrieben wäre.

Gehen die Arbeitsunfähigkeiten allerdings nahtlos ineinander über, ohne dass der AN theoretisch hätte arbeiten können, bleibt es nach Meinung des BAG bei der 6-Wochen-Frist, da hier der Grundsatz der "Einheit des Verhinderungsfalls" gilt (BAG 2.2.1994 - 10 AZR 343/93).

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

meines wissens muss der arbeitgeber die ersten sechs wochen das entgelt zahlen. ab der siebten woche übernemmen das die kassen deine lohnfortzahlung in geminderter form.

deine krankenkasse kann dir darüber sicher auskünfte geben.

allerdings kann ich dir nicht sagen wie es abläuft wenn deine befristung zwischenzeitlich endet.

meines wissens muss der arbeitgeber die ersten sechs wochen das entgelt zahlen. ab der siebten woche übernemmen das die kassen deine lohnfortzahlung in geminderter form.

Da fehlt eine Information. In den ersten 4 Wochen eines Arbeitsverhältnisses muß der AG keinen Lohn zahlen. Dann springt die Krankenkasse ein.

Also der Focus lag dabei darauf dass der AN ab der 7. Woche eine andere Krankheit nachweißt.

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