Düsseldorfer Tabelle verstehen?

3 Antworten

Der Sohn hat ab seinem 18. Geburtstag nur noch dann Anspruch auf Unterhalt von seinen Eltern, wenn sein eigenes Azubi-Einkommen und das Kindergeld seinen "unterhaltsrechtlichen Bedarf" nicht vollständig decken.

  • Denn sobald ein Kind ein regelmäßiges Einkommen erzielt, muss es dieses (abzüglich einer Pauschale für seine Fahrtkosten von 90 Euro) für seinen eigenen Lebensunterhalt einsetzen.
  • Bei minderjährigen Kindern besteht noch Anspruch auf Naturalunterhalt (Betreuung, Kochen, Waschen usw..) und Barunterhalt (Geld für seine notwendigen Ausgaben für Verpflegung, Kleidung, Unterkunft...).
  • Deshalb müssen Minderjährige ihr Einkommen dem betreuenden Elternteil zur Verfügung stellen - und die Hälfte davon (nach Abzug der Pauschale) wird dann auf den Barunterhalt des zahlenden Elternteils angerechnet. 

Der Unterhalt, der dort angegeben wird, bezieht der sich auf ein einzelnes zahlendes Elternteil oder auf den Anspruch, den das Kind an beide Eltern hat?

Der "unterhaltsrechtliche Bedarf" eines Kindes orientiert sich an der "Düssledorfer Tabelle".

Darin ist als "Bedarf" der Betrag ausgewiesen, der einem Kind - egal ob minderjährig oder volljährig - insgesamt für seine Lebenshaltungskosten zusteht (Verpflegung, Unterkunft, Kleidung....).

Bei minderjährigen Kindern ist dieser Bedarf von einem Elternteil zu erbringen, bei volljährigen Kindern dann von beiden - jeweils unter Anrechnung des Kindergeldes:

  • Bei einem minderjährigen Kind wird nur die Hälfte des Kindergeldes auf seinen Bedarf angerechnet, da nur ein Elternteil barunterhaltspflichtig ist,
  • bei volljährigen Kinder dann das volle Kindergeld, da durch den Wegfall des Sorgerechts auch der Elternteil barunterhaltspflichtig geworden ist, der bis dahin den "Naturalunterhalt" erbrachte (Betreuung, Kochen, Waschen, Putzen...) 

Sollte er wo anders wohnen (er ist noch in der Ausbildung) hat er ab dann doch Recht auf Unterhalt von uns beiden, richtig?

Bei volljährigen Kindern - unabhängig, ob sie noch zu Hause wohnen oder nicht - sind also generell beide Elternteile barunterhaltspflichtig - aber nicht je zur Hälfte, sondern im Verhältnis ihrer Einkommen zueinander.

  • Wenn ein volljähriges Kind noch bei einem Elternteil wohnt, kann dieser ihm seinen Unterhaltsanteil zwar statt als Bargeld in Form von Verpflegung und Unterkunft gewähren, sein Einkommen muss aber ebenfalls bekannt sein, um den Anteil des anderen Elternteils berechnen zu können.

Lebt das volljährige Kind noch zu Hause, errechnet sich sein Unterhaltsanspruch am Gesamteinkommen beider Elternteile und orientiert sich dann nach der Altersstufe "ab 18" der "Düsseldorfer Tabelle":

  • Die "bereinigten" Durchschnittseinkommen (der letzten 12 Monate) beider Eltern werden addiert und der entsprechenden Einkommensstufe zugeordnet, woraus sich dann der "Bedarf" des Kindes in Spalte "ab 18" ablesen lässt.
  • Von diesem Bedarf ist dann das volle Kindergeld (192 Euro) und das Einkommen des Kindes (minus pauschal 90 Euro) abzuziehen - der sich daraus ergebende Wert entspricht dem Gesamt-Unterhaltsanspruch des Kindes.
  • Dieser Betrag ist dann auf die Eltern entsprechend "aufzusplitten": ihre Einkommen werden ins Verhältnis zueinander gesetzt und nach diesen prozentualen Werten der Gesamtunterhalt auf beide aufgeteilt.

Lebt das Kind nicht mehr zu Hause bei einem Elternteil, so steht ihm für seine Lebenshaltungskosten ein Gesamtbetrag (Bedarf) von insgesamt 735 Euro zu.

  • Von diesen 735 Euro sind dann also Kindergeld und Azubi-Einkommen abzuziehen... und die verbleibende Differenz auf die Eltern prozentual aufzusplitten.

Ist das Azubi-Einkommen des Sohnes hoch, wären die Eltern also ggf. nur noch geringfügig oder garnicht mehr unterhaltspflichtig.

Zu beachten ist noch:

Gegenüber einem volljährigen Azubi haben beide Eltern einen "Selbstbehalt" von (derzeit) je 1300 Euro - jeder bräuchte also maximal nur soviel zahlen, dass dieser Betrag nicht unterschritten wird (ggf. also gar nichts...)

Ist ein Elternteil nicht ausreichend leistungsfähig, muss der andere nicht für ihn "einspringen" - sondern höchstens den Betrag zahlen, den er nach Düsseldorfer Tabelle bei seinem eigenen Einkommen zu zahlen hätte...

Andere mögliche Unterhaltsansprüche (minderjährige Kinder, Ehepartner ...) hätten Vorrang vor dem des Sohnes - ihm müsste vom betreffenden Elternteil dann nur Unterhalt gezahlt werden, wenn diesem nach Abzug bzw. Anrechnung der vorrangigen Unterhalte noch mehr als 1300 Euro vom Einkommen verblieben....

Sehr gute Zusammenfassung! Ergänzend kann noch gesagt werden, dass beim Volljährigenunterhalt von jedem Elternteil rechnerisch nur soviel verlangt werden kann, wie man auch bei alleiniger Barunterhaltspflicht jeweils leisten müsste. 

Es gibt hier einen Unterschied zwischen volljährigen und minderjährigen Kindern. Beim minderjährigen Kindern erfüllt der Elternteil der das Kind betreut seine Unterhaltspflicht in der Regel durch Betreuung und Pflege des Kindes. Das darf man nicht mit Naturalunterhalt verwechseln.

Bei Volljährigen sind beide Eltern barunterhaltspflichtig bzw naturalunterhaltspflichtig. 

Würde letzteres zutreffen, so müsste man bei zwei Vollverdienern beide
Nettoeinkommen zusammenrechnen, für diesen Gesamtnettobetrag den
Unterhaltsanspruch raussuchen und dann anteilig zum Einzeleinkommen in
zwei Teile teilen, richtig?

So ist es, es wird aber nach Leistungsfähigkeit, als den den Selbstbehalt übersteigenden Betrag verteilt. Ferner muß kein Elternteil mehr, als er ohne den anderen Elternteil zahlen müßte.

Sollte er wo anders wohnen (er ist noch in der Ausbildung) hat er ab dann doch Recht auf Unterhalt von uns beiden, richtig?

Auch wenn er bei Ihnen wohnt sind sie bar bzw Naturalunterhaltspflichtig. Sprich sachwerte die Sie leisten, z.B. Wohnung, Essen werden entschprechend an bzw verrechnet.  Bei einen Kind das einen (notwendigen) eigen Hausstand hat, beträgt der Bedarf in der Regel 735€.

Das volle Kindergeld und das Ausbildungsentgeld abzüglich 90€ Mehraufwand sind dabei immer auf den Bedarf anzurechnen.





Die Düsseldorfer Tabelle bezieht sich nur auf das Elternteil, bei dem das Kind NICHT lebt.

Nur dieser hat Unterhalt zu zahlen, der andere Elternteil "zahlt" Unterhalt in Form von Betreuung des Kindes.

Ab dem 18. Geburtstag steht ihm Unterhalt von beiden Eltern zu. Lebt er noch bei einem Elternteil, dann kommt dieses durch Kost und Logi für den Unterhalt auf. Selbstredend darf der Elternteil dann auch noch Kostgeld verlangen.

Der andere Elternteil zahlt dann den Betrag aus der Tabelle, der für ab 18jährige gedacht ist.

Lebt der Azubi im eigenen Aushalt, dann müssen beide Eltern zahlen. Und zwar 735€ inklusive Kindergeld. Was nach dem Kindergeld übrigbleibt, das wird nach Gehaltshöhe der Eltern gequotelt gezahlt.

Das steht in den Anmerkungen der Düsseldorfer Tabelle.

Ein Azubigehalt ist da bis auf 90€ anzurechnen, und Bafög und BAB müssen vom Jugendlichen auch vorrangig beantragt werden.

http://www.olg-duesseldorf.nrw.de/infos/Duesseldorfer_tabelle/Tabelle-2017/20161207_Duesseldorfer-Tabelle.pdf

Ab dem 18. Geburtstag steht ihm Unterhalt von beiden Eltern zu. Lebt er noch bei einem Elternteil, dann kommt dieses durch Kost und Logi für den Unterhalt auf. Selbstredend darf der Elternteil dann auch noch Kostgeld verlangen.

Der andere Elternteil zahlt dann den Betrag aus der Tabelle, der für ab 18jährige gedacht ist.

Das ist völlig falsch!

Auch wenn das Kind noch zu Hause lebt, berechnet sich sein Unterhalt am Einkommen beider Eltern:

  • Das bereinigte Einkommen beider Eltern wird addiert und die Summe in der "Düsseldorfer Tabelle" der entsprechenden Einkommensgruppe zugewiesen.
  • Aus der Spalte "ab 18" ist dann der "Bedarf" des Kindes abzulesen.
  • Von diesem Bedarf werden das volle Kindergeld und das Einkommen des Kindes (abzüglich Fahrtkostenpauschale) abgezogen.
  • Der "Restbetrag" ist dann der Gesamtunterhalt, der dem Kind zusteht und auf beide Eltern aufzuteilen ist - im Verhältnis ihrer Einkommen zueinander.

Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, kann seinen so errechneten Anteil dann statt als Bargeld in Form von Kost und Logis" erbringen....

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