Dürfen Jäger einfach Naherholungsgebiet sperren, weil sie jagen wollen?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Leider ist auch in Nationalparks und Naturschutzgebieten die Jagd nicht grundsätzlich verboten. Allerdings können Jäger nicht willkürlich ein Betretungsverbot aussprechen. Diese Vertretungsverbote können nur vonn den zuständigen Behörden erlassen werden, nachdem die Jäger eine Jagdveranstaltung angezeigt haben. Da solch ein Betretungsverbot einen erheblichen Eingriff in das allgemeine Betretungsrecht der freien Natur darstellt, werden diese Verbote nur in begründeten Fällen und nach Abwägung aller Rechtsgüter erlassen. Mittlerweile setzt sich aber nicht nur in den rot-grün regierten Bundesländern die Erkenntnis durch, dass das Bundesjagdrecht nicht mehr den neuesten wildbiologischen Erkenntnissen entspricht und dass grundlegende Änderungen zwingend notwendig sind. Reformen des Bundesjagdrechts sowie der Landesjagdgesetze werden in den kommenden Jahren einige Änderungen besonders im Hinblick auf die Naturschutzgesetze und das Tierschutzgesetz bewirken.

Das Bundesjagdgesetz stammt ursprünglich von Hermann Göring (1934 Reichsjagdgesetz). Und auch unser aktuelles Waffenrecht wurde von den Nazis abgeschrieben. Wäre für die Nazis auch einfach hinderlich gewesen, diese Waffen im Volk.

Das nur als Info am Rande^^

@FloTheBrain
Das Bundesjagdgesetz stammt ursprünglich von Hermann Göring (1934 Reichsjagdgesetz).

Oh weh,

das ist leider ein immer wieder gern hervorgekramtes Argument um damit irgendwie die heutige Jagd und das Jagdrecht in die Nähe der "böse Nazi-Ecke" rücken zu wollen.

Fakt ist aber, dass das Gesetz zwar von Göring (6 Wochen nach seinem Amtseintritt) verabschiedet wurde, aber mitnichten von ihm (oder überhaupt einem Nazi) so geschrieben wurde.

Die Ausarbeitung des Gesetzes und der drin enthaltenen Regelungen sind schon Jahre zuvor durch einenSozialdemokraten (Otto Braun) in der Weimarer Republik erarbeitet worden. Das Gesetz beruhte damals auf den zu der Zeit aktuellen Erkenntnissen und wurde auch über Deutschland hinaus als richtungsweisend angesehen. Das Gesetz wurde dann lediglich (während der Nazi-Zeit) mit einem Vorwort (Präambel) mit - zugegeben nationalsozialistischer - Ideologie versehen. Diese ist aber schon seit Ende der Nazi-Herrschaft nicht mehr im Jagdgesetz enthalten (logisch). Auch wurde das Gesetz seitdem bereits etliche Male überarbeitet und angepasst.

Ach das ist ja schön – ich bitte um Studien, da Du neuere Erkenntnisse angekündigt hattest, und wir bekommen eine Vorlesung von Reichholf, deren Titel mit „Jägerlatein“ anfängt. Reichholf – Klimawandel-Skeptiker , Autor populärwissenschaftlicher Bestseller – nicht besonders geschätzt und anerkannt in der scientific community....

Ich habe mir den Vortrag komplett angehört: Fangen wir mit dem negativen an: Es ist Polemik aber kein wissenschaftlicher Vortrag (als Lehrstuhlinhaber weiß er das auch und es ist gar nicht sein Ziel) er reißt Dinge aus dem Zusammenhang, stellte wie beim Fuchs und auch danach zum Hasen, Korrelationsbeziehungen so dar, als wären sie Kausalzusammenhänge. Er weiß als Wissenschaftler selbst, dass das unsauber ist!

In anderen Aussagen hat er völlig Recht: Der Wolf hat im Osten Deutschlands eine Chance, die ihm wie auch dem Luchs die Jäger in Bayern nicht geben! Schuld daran sind die anderen Strukturen der Jagd: viele Privatjäger in Bayern, amtliche Förster im Osten. Allerdings vergißt er zu erwähnen, dass der Bayerische Jagdverband 4 stellige Summen auf die Aufklärung der Wilderei am geschützten Luchs aussetzt!

Sein Fazit im letzten 5.tel ist völlig unfundiert! Und die Konklusion reine Spekulation und rein politisch. Aber übrigens unterstreicht er auch: dass er keineswegs ein grundsätzlicher Gegner der Jagd ist!

Fakten, die niemand auch Reichholf nicht widerlegt: Ohne Jagd auf Rot- und Rehwild und Schwarzwild:

Populationsdruck →

a) mehr Wildunfälle – hallo , da sterben Menschen! Ist das mehrheitsfähig?

b) größere Einbußen in der Landwirtschaft – erkläre die Preiserhöhungen der Nahrungsmittel mal politisch den Menschen

c) Reichholf hat recht – ohne Jagd steigt die Population nicht unbegrenzt an – er unterschlägt bei diesem Vortrag aber warum nicht! Und wider besseren Wissens – weil ihm das nicht in den Kram passt. Jede Population bricht irgendwann durch Seuchen wieder zusammen. (Gerade führt das zu einem Umdenken bei den Robben-Populationen an der Nordsee!) Bravo an die Möchtegern-Tierschützer: Es ist human, dass Tiere qualvoll siechen aber die Jagd ist inhuman! Bravo!

So und von dieser nicht ganz ernstzunehmenden Rede des Prof. R.s abgesehen, es geht ja um die ursprüngliche Frage bei GF.

Jagd im Naturschutzgebiet/ sogar Nationalpark ist notwendig – das sage nicht ich, das sagt:

  • Jeder Experte, wissenschaftliche Berater, jeder Beamte in allen Ministerien in allen Bundesländern!

z.B. der Leiter des Nationalparks Hainich (Westthüringen) , von dem ich vor Jahren einen Vortrag hörte – (dort soll sich und entwickelt sich gerade ein sagen wir mal historischer Urwald und Refugium)

der fand es auch belastend – sich für die notwendige Bejagung bei Touristen rechtfertigen zu müssen ohne die das ganze Projekt nicht funktionieren kann. Und übrigens was genau die Frage betrifft: Dort muss auf Drückjagden gesetzt werden – und dabei werden eben auch Waldwege abgesperrt! Man versucht das im Internet und in den Zeitungen für Bewohner und Touristen anzukündigen, aber mit dem Unmut von Leuten, die wandern wollen, muss man leben! Ich habe mir jetzt Zeit genommen, obwohl ich wusste, dass ich dich und den Fragesteller/in nicht überzeugen kann. (Übrigens bin ich kein Jäger!) Man kann nicht alle Menschen mit sachlichen Argumenten überzeugen: Ich habe nichts dagegen, dass Mitmenschen sich ihre eigenen Wahrheiten zusammenreimen! Bloß kann ich nicht anders als zu intervenieren, wenn ich Irrationalität vorfinde!

@findesciecle

Reichholf sagt nur das, was eigentlich jedem Biologen bereits bekannt ist. Leider wird er von der Jägerlobby immer scharf angegriffen, weil ihnen seine Statements nicht gefallen. Seine Kollegen aus dem Wissenschaftsbetrieb ist er ein Dorn im Auge, weil er sich immer mal wieder öffentlichkeitswirksam in Szene setzt, jedoch konnte noch keine seiner Statements widerlegt werden, obwohl ihm oft mangelnde wissenschaftliche Akribie nachgesagt wird. Beispiele aus unbejagten Nationalparks geben ihm jedoch recht. Selbst wenn das Räuber-Beute-Verhältnis nicht ausgeglichen ist, so vermehren sich Tierarten nie bis ins Unermessliche, da Prädatoren nicht die entscheidende Rolle spielen, wie man oft fälschlicherweise annimmt. Exemplarisch ist z.B. die Jagd auf den Fuchs. Von Jagdverbänden wird immer wieder gefordert, dass nach der Tilgung der Tollwut in Mitteleuropa die Jagd auf den Fuchs intensiviert werden müsste, da sonst die Fuchsbesatz erheblich ansteigen würde. Da muss man sich natürlich fragen, weshalb der Fuchsbesatz gegen Ende des 2. Weltkrieges nicht ins Unermessliche angewachsen ist, denn damals gab es weder die Tollwut als Regulanz noch wurde damals der Fuchs besonders gejagt.

Ja, denn die Jäger müssen dort eine Aufgabe erfüllen.

Das können sie aber natürlich nur schlecht machen, wenn dort Menschen herumlaufen die

(a) die Wildtiere verscheuchen würden und

(b) durch die Jagd evtl. gefährdet würden.

Darum sind bei groß angelegten Jagden (die üblicherweise bei der Jagdbehörde bzw. der Polizei auch angemeldet werden) die Jäger berechtigt, die Wege zum Schutz der Bevölkerung zu sperren.

Dass es sich dabei um ein Naturschutzgebiet oder Naherholungsgebiet handelt, hat damit nichts zu tun. Auch dort muss die Jagd durchgeführt werden (Pflicht!), es sei denn, das bestimmte Gebiet ist ausdrücklich von der Jagd ausgenommen. Aber dann gäbe es da auch keine zuständigen Jäger, die dort jagen würden...

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Der Mensch hat durch die fast völlige Ausrottung der großen Jäger wie Wolf, Luchs und Bär, sowie die Nutzung der Wälder für Holz das Gleichgewicht in der Natur zwischen tierischen Jägern, Beute und Nahrungsangebot gestört. Um eine einigermaßen tragbare Anzahl von sich sonst viel zu stark vermehrenden Beutetieren zu gewährleisten, muss der Mensch durch die Jagd die Rolle der großen Fleischfresser übernehmen. Insofern ist richtig durchgeführte Jagd sehr wohl ein Beitrag zum Naturschutz.

Leider gibt es immer wieder (oder noch) Jäger oder Jagdgebiete, in denen die Denkweise scheinbar von anno 1850 stammt, und bei der Trophäen und große Jagdstrecken über einer vernünftigen Regulation stehen - wollen wir hoffen dass diese Dinos den Weg ihrer Namensgeber gehen.

Aus Sicherheitsgründen darf durchaus für Jagden ein Gebiet vorübergehend gesperrt werden - genauso wie für Baumfällarbeiten; schließlich will ein Wanderer ebensowenig eine Kugel in den Hintern wie einen Baumstamm aufn Kopp ;-)

Naturschutzgebiet und Jagd schließt sich nicht aus! Im Gegenteil! Ohne die Jagd erreicht man im Naturschutzgebiet nicht das, was man durch Ausweisung als Naturschutzgebiet erreichen möchte. Schraubt bitte Eure Empörung zugunsten des Naturschutzes herunter! Im Einzelfall kann man durchaus anzweifeln, ob die Absprerrung verhältnismäßig ist - aber genauso wie Absperrungen im Straßenverkehr wird man da in den letzten Jahren übervorsichtig! Stichwort :german disease!

Für manche Möchte-Gern-Naturfreunde, die aber nur Schwamm im Kortex haben, wo echte Natur-Freunde Verstand haben (ich meine nicht den Fragesteller sondern ninak) , mag sich das nicht erschließen. "Die Hölle ist Abwesenheit von Vernunft"

Ninak ist der Fragesteller....

findesciecle, der erste Absatz Deiner Antwort ist völlig in Ordnung- der zweite nur eine sinnlose üble Beleidigung.

@realfacepalm

Ja das stimmt - an der Stelle muss ich mich für meine unsachliche Entgleisung auch ´bei ninak entschuldigen, die ich zur vorgerückter Stunde geschrieben habe!

Ninak hat abbekommen, was die Gänze Möchte-gern-Tier-Schützer bei einem an über die Jahre an Frust aufkommenläßt. Leute, die einmal die Woche für eine Stunde im Wald spazieren gehen und sich einbilden, sie wären schlauer als Wissenschaft und Menschen, die ihre ganze Arbeitskraft dem Naturschutz widmen!

@findesciecle

Ja die Empörung kann ich nachvollziehen. Ich rege mich auch immer auf, wenn Möchtegern-Naturschützer, die nie im Leben eine einschlägige wissenschaftliche Ausbildung genossen haben, sich als Besserwisser aufspielen. Ich hatte mal im Rahmen der Führerscheinausbildung einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert und habe jetzt ein klein wenig Ahnung von Sofortmaßnahmen am Unfallort. Ich würde mich jedoch nie gegenüber einem Notarzt oder einem Unfallchirurgen als Besserwisser aufspielen, einfach weil ich der Meinung bin, dass diese Berufsgruppen über ein fundiertes Wissen verfügen, welches ich nicht habe. Gerade das jedoch machen Hobbyjäger gegenüber Wildbiologen, Ökologen, Veterinären und Forstwissenschaftlern. Die glauben doch wirklich, dass sie mit ihren 120 Stunden Unterricht, den sie im Rahmen des Vorbereitungslehrgangs zur Jägerprüfung absolviert haben, nun allen Fachleuten überlegen sind.

@Luftkutscher

Wenn DU in den prämierten Beitrag sagst, es gäbe

"neuesten wildbiologischen Erkenntnissen"

, die die Rot-Grüne NRW-Regierung (die ist ja für ihre Kompetenz in allen BEreichen bekannt) zu einem neuen Jagdgesetz angestoßen hat

Bitte , ich bin offen für neue Informationen -> wie soll man sich die vorstellen?: Sind Verbissschäden jetzt ein mal nicht mehr halb so wild??????? Und die Landwirtschaftlichen Ausfälle - alles Humbug?

Gibt mir die neuen Erkenntnisse gern als Link! Ich lerne gern dazu!

@findesciecle

ich meinte: "sind sie jetzt halb so wild"

Und über das Betretungsrecht - seien wir froh - dass der Wald immer noch ein nationales Kulturobjekt ist und es das BEtretungsrecht gibt. In England ist die Absperrung für Spaziergänger die Regel statt die AUsnahme.

@findesciecle

Politiker egal welcher Couleur sind natürlich genausowenig Fachleute wie Hobbyjäger und all die anderen Laien. Allerdings sind vielleicht die grünen Politiker eher gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgeschlossen als andere. Was die Verbiss-Schäden betrifft, so muss man sich fragen, weshalb immer noch Rebhühner, Mauswiesel und andere Arten erlegt werden dürfen, obwohl nennenswerte Schäden durch diese Tierarten noch nie dokumentiert wurden. Die Reduzierung der jagdbaren Arten ist z.B. eine der Zielsetzungen neuer Jagdgesetze.

@Luftkutscher

Das Rebhuhn gehört längst ganzjährig geschützt - wie der NABU es fordert! Aber was hat das damit zu tun? Niemand behauptet , dass Jagd nur dem Waldschutz dient. Aber eben auch.

Wenn DU aber sagst, dass z.B. im Naturschutzgebiet/Nationalpark keine Jagd notwendig ist - dann möchte ich dafür Hinweise! Das meine ich nicht ironisch: Ich lerne gern dazu! Was sind die neuen Erkenntnisse?
Ich warte aber immer noch auf eine neuere Studie, Veröffentlichungen, die besagt , dass die VErbissschäden nicht so schlimm sind für den Wald oder z.B: dass der Populationsdruck ohne Jagd für Landwirtschaft und Wildunfälle keine negativen Auswirkungen hat!

@findesciecle

Es bedarf keiner groß angelegten Studien, um die Notwendigkeit der Jagd als solche in Frage zu stellen. Es gibt genögend Beispiele für jagdfreie Gebiete in Europa, in denen sich Tierarten nicht bis ins Unermessliche vermehren. Derzeit diskutiert man im Kanton Basel über eine mögliche Abschaffung der Jagd wie es im Kanton genf bereits seit vielen jahren der Fall ist. Hierzu einfach mal den Vortag von Prof. Reichholf zu Gemüte führen. http://www.youtube.com/watch?v=vOAufU4lHBQ

sie werden eine genehmigung gehabt haben.

auch jagen ist naturschutz

Blödsinn, jagen ist kein Naturschutz. Oder glaubst Du etwa das Jägerlatein?

@ninak

ich weiß es

@ninak

Die Tatsache, dass beispielsweise der Landesjagdverband Baden-Württemberg (gehe davon aus, dass das bei den anderen auch so ist, kann es aber nicht beschwören) ein anerkannter Naturschutzverband ist, spricht schon für sich.

Das nur als Hinweis, mehr möchte ich auf eine völlig unbegründet hingeworfene Aussage nicht antworten.

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