Darf mein Chef mir meine Stunden verweigern?

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Darf er das ?

Schlicht und einfach: Nein!

Du schuldest dem Arbeitgeber lediglich die Erbringung von Arbeitsleistung für die vertraglich vereinbarte Dauer, z.B. eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden oder 120 Monatsstunden - oder wie viel auch immer.

Du schuldest ihm aber nicht die Erbringung einer bestimmten Leistung in einer bestimmten Zeit (wie in Deinem Fall) und in bestimmter Güte!

Erst wenn Deine Arbeitsleistung nach objektiven Maßstäben deutlich unter der durchschnittlich zu erwartenden oder erbrachten Arbeitsleistung z.B. von Kollegen mit gleicher Tätigkeit liegt, kann er Arbeitgeber tätig werden, Dich also z.B. abmahnen, wenn Du die Schlechtleistung zu verantworten hast (weil Du etwa bewusst/gewollt langsamer arbeitest, als man es gewöhnlich verlangen/erwarten kann), und Dir bei erfolgloser Abmahnung im Wiederholungsfall gegebenenfalls auch verhaltensbedingt kündigen.

Das alles bedeutet aber nicht, dass der Arbeitgeber Dich zwingen kann, ohne Bezahlung Überstunden zu leisten, wenn Du eine Arbeit in der von ihm vorgegebenen Zeit nicht fertigstellen kannst.

Diese Überstunden muss er selbstverständlich entweder Durch Entgelt oder durch Freizeit ausgleichen. So schreibt es das Bürgerliche Gesetzbuch BGB § 612 "Vergütung" vor:

(1) Eine Vergütung gilt als stillschweigend vereinbart, wenn die Dienstleistung den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist.
(2) Ist die Höhe der Vergütung nicht bestimmt, so ist bei dem Bestehen einer Taxe die taxmäßige Vergütung, in Ermangelung einer Taxe die übliche Vergütung als vereinbart anzusehen.

Notiere Dir die genauen Umstände und die zusätzlich geleisteten, aber nicht bezahlten Stunden. Du kannst den Ausgleich (Bezahlung) dieser Stunden mit diesem Nachweis auch noch nachträglich einfordern, und zwar noch 3 Jahre lang, wenn die Verjährungsfrist nach dem BGB § 195 "Regelmäßige Verjährungsfrist" anzuwenden ist, für Forderungen aus 2019 also noch bis zum 31.12.2022 - das ist dann der Fall, wenn es keine kurzen vertraglich vereinbarten Ausschlussfristen gibt (einzelvertraglich mindestens 3 Monate), nach deren Verstreichen ab Fälligkeit Forderungen verfallen sind.

Also bewusst und gewollt arbeite ich nicht langsamer, ich komme da echt schon an meine Grenzen. Ich kann es nur nicht beweisen, da meine Kolleginnen nicht die selbe Arbeit erbringen wie ich. Es ist einfach zu sagen "dafür hast du aber lange gebraucht", aber kann es denn auch jemand besser machen? Ich wünschte nur einer müsste mal das machen was ich machen muss.

Danke für deine Antwort. Das nenn ich hilfreich.

Eine Frage hätte ich dennoch. Wo kann ich das einfordern ?

@Tamiihatfragen

Forderungen aus dem Arbeitsverhältnis - also gegen den Arbeitgeber - musst Du erst einmal gegen ihn geltend machen.

Wenn Du Dich gegen Deinen Arbeitgeber durchsetzen willst (mit allen sich daraus ergebenden möglichen Konsequenzen):

Wenn ein Gespräch nichts bringt, dann setze ein Schreiben auf, beziffere Deine Forderungen - mit den entsprechenden Nachweisen, z.B. durch eigene Stundenaufzeichnungen -, fordere die Bezahlung mit Setzung einer angemessenen Frist von 10-14 Tagen und drohe für den Fall der Weigerung oder Nichtreaktion rechtliche Schritte (bis zur Klage) an; das Schreiben solltest Du als Einwurfeinschreiben versenden.

Erst wenn der Arbeitgeber nicht reagiert oder sich weigert, kommt eine Klage in Betracht.

Eine Klage beim Arbeitsgericht ist - wenn Du Dir das selbst zutraust - auch ohne Einschaltung eines Anwalts möglich, denn einen Anwalt musst Du (unabhängig vom Verfahrensausgang) in dieser Instanz immer selbst bezahlen, wenn Du nicht passend rechtsschutzversichert oder kein Gewerkschaftsmitglied bist oder wegen zu hohen Haushaltseinkommens keinen Anspruch auf einen Beratungshilfeschein hast.

Die Klage wird bei der Rechtsantragstelle eines Gerichts eingereicht; Du kannst sie Dort aber auch zur Niederschrift aufnehmen lassen, wobei man bei der Formulierung (kostenlos) hilft; Du solltest dann aber auch unbedingt - wie schon oben gesagt - Deine Forderung beziffern (möglichst genau) und begründen/nachweisen können.

Nein, weil damit würde Arbeitgebern ja ermöglicht das Gesetz über den Mindestlohn zu unterlaufen.

Nicht vom Direktionsrecht umfasst ist eine Anweisung, eine nach dem Vertrag nicht geschuldeten Arbeitsleistung zu erbringen.

Kannst du mir den letzten Satz bitte nochmal genauer erklären ?

Nein darf er nicht.

Was könnte ich machen wenn er es trotzdem tut? Und wieso darf er das nicht?

@Tamiihatfragen

Zufälligerweise muss Arbeitszeit in Deutschland bezahlt werden. Und das macht dein Chef ja nicht.

Du könntest deinem Chef den passenden Paragraphen im Arbeitnehmer Gesetzt oder wie das heißt vorlegen. Vielleicht ändert er dann seine Meinung.

@StMGa

Bezahlt werde ich aber nur für 7std. Normal ist der Rest Überstunden. Was würde mit denen passieren ?

@Tamiihatfragen

Ich meine es wäre so, du kannst wählen ob du dir die Überstunden auszahlen lassen möchtest oder mehr Urlaub bekommst.

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