Darf jeder Anwalt sein?

5 Antworten

Nein.

Volljährige Familienangehörige können aber als Beistand auftreten sowohl in zivilrechtlichen Angelegenheit ohne Anwaltspflicht und in Teilbereichen des Strafrechts, etwa als Beistand eines Zeugen.

Weil Beistände keine Haftpflichtversicherung haben müssen, wird es immer dann schwierig, wenn sie den Prozeß versemmeln.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Anwalt kann man nur nach einem Studium der Rechtswissenschaften sein. Man kann jedoch unabhängig davon eine Person in bestimmten Fällen vor Gericht als Verteidiger vertreten. So heißt es in § 138 StPO:

(1) Zu Verteidigern können Rechtsanwälte sowie die Rechtslehrer an deutschen Hochschulen im Sinne des Hochschulrahmengesetzes mit Befähigung zum Richteramt gewählt werden.
(2)  Andere Personen können nur mit Genehmigung des Gerichts gewählt werden. Gehört die gewählte Person im Fall der notwendigen Verteidigung nicht zu den Personen, die zu Verteidigern bestellt werden dürfen, kann sie zudem nur in Gemeinschaft mit einer solchen als Wahlverteidiger zugelassen werden.

Du brauchst also eine Genehmigung des Gerichts, um einen "Freund/Bekannten/Fremden" bei einem Strafprozess vor Gericht zu vertreten. Ausgeschlossen ist dies in Fällen der notwendigen Verteidigung. Diese liegt nach § 140 StPO vor, wenn:

  1. die Hauptverhandlung im ersten Rechtszug vor dem Oberlandesgericht oder dem Landgericht stattfindet;
  2. dem Beschuldigten ein Verbrechen zur Last gelegt wird;
  3. das Verfahren zu einem Berufsverbot führen kann;
  4. gegen einen Beschuldigten Untersuchungshaft nach den §§ 112112a oder einstweilige Unterbringung nach § 126a oder § 275a Absatz 6 vollstreckt wird;
  5. der Beschuldigte sich mindestens drei Monate auf Grund richterlicher Anordnung oder mit richterlicher Genehmigung in einer Anstalt befunden hat und nicht mindestens zwei Wochen vor Beginn der Hauptverhandlung entlassen wird;
  6. zur Vorbereitung eines Gutachtens über den psychischen Zustand des Beschuldigten seine Unterbringung nach § 81 in Frage kommt;
  7. ein Sicherungsverfahren durchgeführt wird;
  8. der bisherige Verteidiger durch eine Entscheidung von der Mitwirkung in dem Verfahren ausgeschlossen ist;
  9. dem Verletzten nach den §§ 397a und 406h Absatz 3 und 4 ein Rechtsanwalt beigeordnet worden ist.

Mit diesen "anderen Personen" sind solche gemeint, die - ohne Anwalt zu sein - über eine für das laufende Verfahren erforderliche, erhöhte Sachkenntnis verfügen.

Zum Beispiel im Steuerrecht, Wirtschaftsverwaltungsrecht oder in Bereichen des gewerblichen Rechtsschutzes.

Der Antrag ans Gericht muss entsprechend begründet werden. Eine Begründung wie "mein Kumpel hat ein fast aktuelles BGB (48. Auflage, 2001) zu Hause und liest den ganzen Tag Rechtsfragen auf Gutefrage.net, daher wünsche ich ihn als Rechtsbeistand" wird dem Gericht eventuell etwas zu dünn sein.

@RobertLiebling
Der Antrag ans Gericht muss entsprechend begründet werden. Eine Begründung wie " mein Kumpel hat ein fast aktuelles BGB (48. Auflage, 2001) zu Hause und liest den ganzen Tag Rechtsfragen auf Gutefrage.net, daher wünsche ich ihn als Rechtsbeistand" wird dem Gericht eventuell etwas zu dünn sein.

Ja. Eventuell. Das war aber auch nicht die Frage - sondern ob dies grundsätzlich möglich ist. Und das ist es.

du kannst doch auch nicht einfach ein messer nehmen und deinen kumpel operieren irgendwo. Das ist natürlich genauso wenig erlaubt wie zu behaupten man wäre rechtsanwalt.

Ich kann auch nicht behaupten ich hätte einen abschluss in X und Y und würde von Gutemberg heißen, hast doch gesehen .. was bei raus kommt wenn man unter vortäuschungen falscher tatsachen ein "amt" annimmt.

Es gibt aber genügend verhandlungen wo der angeklagte sich selbst verteidigen darf, da würde ich behaupten das er ebenfalls einen "sprecher" benennen darf - der führ ihn spricht

Klar, natürlich. Anwalt des Nächsten darfst Du sein. Du darfst ihn aber nicht vor einem staatlichen Gericht vertreten.

Natürlich nicht. Es gibt ein Rechtsberatungsgesetz, die regelt, wer das darf.

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