Darf der Chef dir die Überstunden erst nach einem Jahr zeigen ?

5 Antworten

Also ich kenne das nur so, das die Pflegekräfte ihre Einsätze und die Dokumentation an die Pflegedienstleitung übermitteln und damit alle Daten, also auch der tägliche Arbeitsaufwand, jederzeit abrufbar ist. Frag Deine Freundin doch mal, ob sie das auch so handhaben, dann hätte sie doch die Möglichkeit minutengenau ihre Arbeitszeit und die Mehrarbeit abrufen zu lassen.

Durch die mobile Erfassung in Kombination mit der mobilen Dokumentation und dem Messenger ist ein schneller Austausch über den Zustand des Patienten möglich - Übergaben gelingen einfach und kurzfristig. Zusätzlich kann der Pflege-Mitarbeiter auf dem Smartphone seinen Schichtplan einsehen und hat mit den Pflege-Touren ein komfortables Tool, um die Einsätze in der ambulanten Pflege effizient abzuarbeiten.

In der ambulanten Pflege gibt es leider die absonderlichsten Konstruktionen und leider auch sehr viele schwarze Schafe, die auf Kosten der eigenen Mitarbeiter zusätzlich verdienen. Zum Beispiel werden Fahrzeiten zu den einzelnen Objekten nicht anerkannt oder wenn man mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist nicht abgerechnet usw. Ich habe das selbst schon in diversen Fällen erlebt.

Die Frage ist hier, was kann die Bekannte nachweisen. Im Nachhinein schätzen geht nicht. Sie wird anfangen müssen Buch zu führen und gegenzurechnen. Sowas wie eine Stempeluhr wird es wohl nicht geben? In der Regel fährt man von Patient zu Patient, oder? Wie wird das vertraglich gerechnet, ungültig wäre z.B. nur die Zeit in der Pflege selbst und eine Nichtanerkennung der Fahrzeiten? Wie werden Pausen geregelt? Was sagt hier der Arbeitsvertrag? viele Fragen.

Abschließend eine Bemerkung. Bei diesen Jobs sucht man händeringend nach Personal. Diejenige hat also keine schlechte Stellung insgesamt. Im schlimmsten Fall kündigen, nachdem man sich eine neue Stelle gesucht hat die vernünftig arbeitet und dann in aller Ruhe die Forderungen über einen Anwalt beitreiben. Ich hoffe, es gibt wenigstens eine schriftliche Bestätigung für die Überstunden.

Zunächst mal ist wichtig, was im Arbeitsvertrag steht. Ist dort vermerkt, dass Überstunden mit dem normalen Gehalt abgegolten sind, dann stehen die Chancen erst einmal schlecht. Erst einmal.

Denn es gibt auch gesetzliche Vorgaben. So kann ein Arbeitnehmer nicht auf Dauer über 10 Stunden am Tag beschäftigt werden und das auch nur dann, wenn betriebliche Erfordernisse vorliegen.

Im Fall Deiner Freundin, die ja eigentlich einen 25 Std-Vertrag hat, scheinen mir da aber gleich mehrere Punkte "überschritten" worden zu sein.

Zunächst mal: soweit ich weiß, hat ein Arbeitnehmer jederzeit den Anspruch, seinen aktuellen Überstunden-Stand zu kennen. Gibt es dort keine Stempeluhr? Gibt es keine Möglichkeit, die eigene Arbeitszeit irgendwie zu kontrollieren?

Ich hoffe, dass Deine Freundin selbst Buch führt, wie sie arbeitet, wenn schon der Arbeitgeber nicht in der Lage ist, das sauber zu dokumentieren.

Und zum Schluß: es ist schon eine absolute Frechheit, zu behaupten, dass Überstunden vom Lohn abgezogen werden (wohlgemerkt: abgezogen!!!), wenn man kündigt. Das ist schlicht und einfach lächerlich, denn die Überstunden und evtl. bestehender Urlaubsanspruch muss bei Kündigung nämlich ausgezahlt werden.

Es sei denn, im Arbeitsvertrag ist etwas anderes geregelt - damit meine ich aber die Überstundenregelung, wobei so etwas i.d.R. auch nur bei "höheren" Gehältern üblich ist.

Mein Tipp: wenn sie Rechtschutz hat, dann nix wie zum Anwalt. Das hört sich für mich schon nach Ausbeutung, Rechtsbeugung und seltsamen Machenschaften an.

sorry, meine Meinung.

Ist dort vermerkt, dass Überstunden mit dem normalen Gehalt abgegolten sind, dann stehen die Chancen erst einmal schlecht.

Wäre die Klausel so allgemein formuliert, wäre sie unwirksam!!

@Familiengerd

stimmt, da hast Du Recht. Es ist allerdings bei "Höherverdienern" und "Tätigkeiten höherer Art" (z.B. Arzt, Rechtsanwalt) zulässig.

hatte ich weiter unten auch noch angemerkt.

@wewowa

Nein, ich meine damit, dass die Klausel enthalten muss, wie viele Überstunden mit dem vereinbarten Entgelt pauschal abgegolten sein sollen, und das dürfen nicht mehr als etwa 20 % der vereinbarten Arbeitszeit sein.

Die Verpflichtung zur Entgeltung von Überstunden besteht für den Arbeitgeber nicht mehr bei einem Entgelt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung.

Die Problematik in diesem Bereich ist, dass kein allgemeiner Auskunftsanspruch gegen den Arbeitgeber besteht. Ein solcher Anspruch wird nur in Sonderfällen anerkannt. Die Voraussetzungen sind vereinfacht gesagt, dass der Arbeitnehmer über den Umfang im Unklaren ist und dies dem Arbeitnehmer nicht angelastet werden kann. Darüber hinaus muss es für den Arbeitgeber ein einfaches sein Überstunden zu ermitteln. Kann der Arbeitgeber in deinem Fall also die Überstunden sozusagen auf Knopfdruck auswerfen, dürfte aus meiner Sicht einen Auskunftsanspruch bestehen.

Diese Voraussetzungen könnten hier vorliegen. Jedenfalls würde ich diesen Auskunftsanspruch geltend machen. Hierzu reicht ein einfaches Schreiben mit einer Fristsetzung. Im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses ist dies natürlich nicht wirklich angenehm. Auf der anderen Seite ist dies aus meiner Sicht eine Nebenpflichtverletzung durch den Arbeitgeber.

Sollte ein Betriebsrat vorhanden sein würde ich diesen erst einmal ins Boot holen. Ohne Betriebsrat den Arbeitgeber, respektive die Personalabteilung anschreiben und zur Auskunft auffordern.

Da die Rechtsprechung hier relativ umfangreich ist sollte jeder Arbeitnehmer immer eine eigene Liste mit groben Angaben zu den Überstunden führen.

Zu der Frage der Verrechnung und des Umgangs mit den Überstunden müsste erst einmal der Arbeitsvertrag an sich geprüft werden. Ich denke im Vordergrund steht hier auch die Frage, wie die Informationen zu den Überstunden erlangt werden kann. Meine Empfehlung: Arbeitgeber Anschreiben und Auskunftsanspruch unter Fristsetzung geltend machen.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Da geht man zu einem Anwalt für Arbeitsrecht.
Überstunden werden nicht abgezogen sondern ausbezahlt. Eigentlich monatlich, aber in diesem rückwirkend für das ganze Jahr.
Eine Kündigung ist nicht notwendig. Nach Rücksprache mit dem Anwalt (nur nach Rücksprache mit dem Anwalt!) werden Überstunden zukünftig verweigert.

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