Beweispflicht, bei wem liegt diese vor Gericht?

7 Antworten

Naja, englisches und amerikanisches Recht ähneln sich sehr, da sich das eine im wesentlichen aus dem anderen entwickelt hat.

Aber so fremd dieser anglikanische Rechtskreis dem unseren ist, es hat sich dennoch eine Unschuldsvermutung erhalten.

Im Zivilprozess läuft das immer darauf hinaus, dass der Kläger etwas beweisen muss, und der Angeklagte überhaupt nichts beweisen muss (eigentlich nur logisch. Wie will man den beweisen, dass man etwas nicht war, bzw. dass es etwas nicht gibt...).

Das es in England anders ist, als in den USA glaube ich nicht und vermute mal, dass es der Serie geschuldet ist.

Was in diesem anglikanischen Recht jedoch ist, ist das das Richterrecht sehr stark ist. Sollte nun also ein oberstes englisches Gericht in irgendeinem Fall mal entschieden haben, dass bei Streitigkeiten zum Thema XY dem Kläger in verstärktem Maße Glauben geschenkt werden sollte, da in dieser speziellen Streitsache, der Vorteil beim Angeklagten liegt, dann könnte das zu einer Beweislastumkehr führen.

Ob das in England so ist, weiß ich nicht. Ich bezweifle es aber stark, weil das mit einem fairen Verfahren und den Grundsätzen eines modernen Rechtsstaates nichts mehr zu tun hätte.

In Deutschland musst du unterscheiden:

Im Strafverfahren gilt selbstverständlich der Grundsatz "in dubio pro reo".

Im Zivilverfahren liegt die Beweislast grundsätzlich bei dem, der aus dem Vorgetragenen einen Anspruch oder ein Recht ableitet (Teil des Beibringungsgrundsatzes). In Ausnahmefällen gibt es auch eine Beweistlastumkehr.

Wenn ich mich richtig an die Schulzeit erinnere, dann ist im Europäischen Raum die "Unschuldsvermutung". Du bist Unschuldig, bis deine Schuld bewiesen ist.

In den USA ist das ganze Umgekehrt. Du musst deine Unschuld beweisen. Nach meinem wissen ist es auch deine Aufgabe Beweismaterial und alle nötigen Dinge selber mit deinem Anwalt aufzutreiben damit du dann vor Gericht deine Unschuld beweisen kannst.

Und irgend was war da noch mit einer Jury...?

Deshalb sind in den USA auch solche seltsamen Gerichtsurteile möglich. (Jemand verlässt mit Tempomat den Führerstand, das Auto kracht die böschung runter, und er bekommt vor Gericht recht, weill davon nix in der Gebrauchsanweisung stand.)

Sorry sollte dieses Beispiel gerade eines jener Urban legends sein.

Irgend etwas ist dann noch so etwas wie Lerngeld mit dabei. Z.B. dass die Firma welche den Schaden verursacht hat, bemüht ist, das nächste mal den selben Fehler nicht mehr wieder zu begehen.

Bin kein Jurist, sorry wenn was Falsch mitbekommen. Schulzeit ein paar Jahre her...

Bin grad zufällig über die Frage gestolpert und weiß, dass sie etwas älter ist aber wollte eine kleine Anekdote hierzu beitragen.

Ich weiß nicht, ob es generell so gehandhabt wird (kann ich mir eigentlich nicht vorstellen) aber ich weiß, dass zumindest bei Verleumdungsklagen im UK der Angeklagte in der Beweispflicht ist (dass er nicht verleumdet hat). Da gab es Ende der 90er einen spannenden Fall in dem der Holocaust Leugner David Irving die Historikerin Deborah Lipstadt verklagt hat (weil diese ihm halt vorgeworfen hat ein Holocaust Leugner zu sein). Da die Klage im UK eingereicht wurde, musste Lipstadt die Wahrheit ihrer Aussagen beweisen und nicht etwa Irving musste beweisen, dass Lipstadts Vorwürfe die Unwahrheit waren.

Kann ich mir nicht vorstellen.

Das amerikanische Rechtssystem ist aus dem englischen erwachsen und beide sind auf das Common Law zurückzuführen.

In Deutschland liegt die Beweislast doch beim Kläger, oder ?

Ja zumeist, bei einer negativen Feststellungsklage sieht das aber anders aus. in einem Strafverfahren ist immer die Staatsanwaltschaft als Anklagebehörde beweislastig.

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