Berliner Testament ausgehebelt?

4 Antworten

Handelt es sich wirklich um ein Berliner Testament oder um ein Erbvertrag. Beim Berliner Testament ist nach dem Tod eines Vertragspartner keine Änderung mehr möglich. Beim Erbvertrag können auch noch andere Verfügung von Todes wegen vereinbart werden. z. B. mit dem Zusatz "der Überlebende ist berchtigt, die vorstehenden Bestimmungen jederzeit aufzuheben, als sie Regelungen für seinen Todesfall betreffen". Was aber überhaupt nicht geht ist eine Enderbung, denn der gesetzliche Pflichtteil steht Ihnen immer zu und kann nicht ausgehebelt werden. Wäre es so schlimm, wenn der Vater als Erbe eingesetzt wird (was in der Erbfolge ja auch normal wäre).

Dennoch, dachte ich das Testament kann nicht mehr geändert werden, bzw. über den Inhalt oder Gegenstand anders bestimmt werden.

Ein weit verbreiteter Irrtum. Die Verfügung einer befreiten Vorerbschaft ist der Regelfall bei Ehegattentestamenten, um dem längstlebenden Vorerben Verfügungungsfreiheit im Falle der Undankbarkeit, Elternunterhatlsversagung, Mobbing des neuen Lebenspartners usw. zu ermöglichen.

Sofern die Testierenden Großeltern sich wechselseitig als derart befreit bestimmten, darf sie selbstverständlich über ihr Vermögen derart verfügen, da die Immobilie grundbuchlich ihr gehört.

Andernfalls bestünde bzgl. auf den auf den Erstversterbenden entfallenden Immobilienbesitzwert im Zeitpunkt dessen Erbfalls ein Sicherungsanspruch der Nacherben, allerdings nur in Geld - den Verkauf können sie nicht verhindern, da ihnen die Immobilie lebzeitig grundbuchlich garnicht gehört.

Ihren Nachlass kann die Oma auch anderweitig vererben - dass vom Ehemann erworbene Erbe nicht.

G imager761

Beim Berliner Testament, darf der Überlebende frei über das Vermögen verfügen, jedoch die Enderbeneinsetzung und die Qoute ist nicht mehr änderbar (wegen wechselseitig bindende Wirkung). Er kann z. B. Immobilien verkaufen oder überschreiben. Schenkungen können jedoch nach dem Tod des Zuletztverstorbenen wegen versuchter Vermögensverschiebung rückgängig gemacht werden. Es findet nach dem 1. Todesfall eine Vermögensverschmelzung (Einheitslösung) statt, da gibt es keinen Nachlass der Oma oder des Ehemann. Die Bindung erfolgt gegenüber dem gesamten Vermögens. Es kann jedoch der gesetzliche Pflichtteilanspruch geltend gemacht werden, der auch nicht mit der Pflichtteilstrafklausel ausgehebelt werden kann. Anderweitig vererben könnte die Oma nur Ihren Nachlass bei einem Ehevertrag, indem dies ausdrücklich erwähnt sein muss (Regelungen für den Todesfall des Überlebenden). z. B. der Überlebende ist berechtigt, die vorstehenden Bestimmungen jederzeit insoweit aufzuheben oder abzuändern, als sie Regelungen für seinen Todesfall betreffen"

Ein Testament kann jederzeit geändert oder widerrufen werden, solange der Erblasser bei klarem Verstand ist..

Ein gemeinsames Testament, von dem hier die Rede ist, nach dem Vorversterben eines Testierenden nicht.

Nicht beim Berliner Testament, da es mit wechselbezüglich bindender Wirkung ist und unwiderruflich, einseitig nicht änderbar!

Ein Berliner Testament verhindert nicht, das der Erblasser das Vermögen zu Lebzeiten veräußert. Allerdings gibt es u.U. die Möglichkeit, die Geschenke nach dem Erbfall zurückzufordern:

http://dejure.org/gesetze/BGB/2287.html

Ein Berliner Testament ist hierbei von einer Vor- und Nacherbschaft zu unterscheidden.

Achtung, die Schenkung fand anscheinend schon vor dem 1. Erbfall statt. Das heisst, es werden jedes 10 % des Wertes gemindert bei Anrechnung. Anders wäre eine Vermögensverschiebung nach Tod des 1. Vertragspartners.

Was möchtest Du wissen?