Belege aus Vorjahr - Vorsteuer

1 Antwort

Hallo mariella,

ich habe eine ganze Reihe Rechnungen aus dem Vorjahr , die aber erst in diesem Jahr beglichen wurden (Vorsteuerabzug erfolgte in diesem Jahr).>

Das ist wahrscheinlich falsch gelaufen, denn in § 15 UStG heißt es in Absatz 1:

(1) 1 Der Unternehmer kann die folgenden Vorsteuerbeträge abziehen:

  1. die gesetzlich geschuldete Steuer für Lieferungen und sonstige Leistungen, die von einem anderen Unternehmer für sein Unternehmen ausgeführt worden sind. 2 Die Ausübung des Vorsteuerabzugs setzt voraus, dass der Unternehmer eine nach den §§ 14 , 14a ausgestellte Rechnung besitzt. 3 Soweit der gesondert ausgewiesene Steuerbetrag auf eine Zahlung vor Ausführung dieser Umsätze entfällt, ist er bereits abziehbar, wenn die Rechnung vorliegt und die Zahlung geleistet worden ist;

Das Wort „besitzt“ bedeutet, dass der Vorsteuerabzug genau in dem Jahr gegeben ist, in dem Dir die Rechnung zugegangen ist. Du hast hier kein Wahlrecht!

Also, für die Rechnung aus 2012, die Dir am 27.12. in Deinen Briefkasten fattert, die Du aber erst am 7. Januar bezahlst, hast Du den Vorsteuerabzug bereits in 2012. Für die Telefonrechnung vom 31.12.2012, die Du erst am 03. Januar erhältst, hast Du den Vorsteuerabzug erst im Januar.

Du müsstest also evtl. die Voranmeldungen in 2013 berichtigen und die evtl. bereits abgebebene Jahreserklärung 2012 ebenfalls.

Mit Abgabe der Umsatzsteuererklärung – wie auch der Voranmeldungen müssen normalerweise keine Belege mit eingereicht werden, es sei denn, das Finanzamt fordert Dich dazu auf.

Gruß

arminius

Hallo arminius,

oje, das wusste ich nicht, bzw. war eigentlich der Ansicht, dass das so gehen würde. Meine Mutter ist Buchhalterin (zwar schon in Rente) und hat mir heute auch gesagt, dass immer das Bezahldatum der Rechnung gilt.

Die Belege muss ich schicken, da die Sachbearbeiterin sie angefordert hat. Dem Ganzen ging schon eine Schätzung voraus. Eine Steuererklärung habe ich dann natürlich gleich fristgerecht abgegeben, aber jetzt möchte sie "Beweise" sehen. Wenn ich das nun also falsch gemacht habe, kann ich denn noch einmal eine berichtigte Erklärung abgeben oder soll ich ihr sagen, dass ich da Fehler gemacht habe?

@mariella13

und hat mir heute auch gesagt, dass immer das Bezahldatum der Rechnung gilt.>

Du machst wahrscheinlich eine einfache Einnahmen-Überschussrechnung. Denn hier gilt für die Gewinnermittlung das Zufluss- Abflussprinzip (mit wenigen Ausnahmen). Also dass, was Deine Mutter Dir gesagt hat. In der Umsatzsteuer gilt das aber nicht.

Ob es schlimm wird, oder nicht, hängt von der Differenz Deiner abgegebenen Steuererklärung zur geschätzten Steuererklärung ab (wurde denn nur die Umsatzstuer, oder auch die Einkommensteuer geschätzt?). Sollte das Finanzamt zu niedrig geschätzt haben und Deine Erklärung ist um einigte Tausend Euro höher ausgefallen, könnte das schon die Steuerstrafstelle interessieren. Aber ich glaube, in diese Größenordnungen wirst Du nicht kommen.

Ich würde an Deiner Stelle mit der Abgabe der Belege die Sachbearbeiterin darauf hinweisen, dass Dir aufgefallen ist, dass diese und jene Belege umsatzsteuerrechtlich evtl. ins Vorjahr gehören. Mehr kannst Du nicht machen.

Wahrscheinlich wird sie die Voranmeldungen´, evtl. die Jahreserklärung des Vorjahres berichtigen und Dich auffordern, in Zukunft alles richtig zu machen. Vielleicht passiert aber auch gar nichts.

Was Du in Zukunft unbedingt vermeiden solltest, ist, es zu Schätzungen kommen zu lassen.

Übrigens: berichtigte Erklärungen können noch bis Ablauf der Festsetzungsfrist (4 Jahre) oder bis Abschluss einer Aussenprüfung abgegeben werden.

@arminius3

Noch eine Korrektur zu meiner Aussage:

Die schnelle Abgabe Deiner Umsatzsteuererklärung war soweit in Ordnung. Sie gilt als strafbefreiend, wenn Du sämtliche Sachverhalte in der Erklärung richtig angegeben hast. Da Du jetzt aber evtl. eine weitere berichtigte Umsatzsteuererklärung abgibst, erklärst Du, dass eben doch nicht alles richtig angegeben war. Je nach Höhe der Nachzahlung könnte das dann doch die Finanzverwaltung interessieren.

Was ist zu tun?

Wenn es wegen der Rechnungen aus dem Vorjahr zu größeren Verschiebungen kommt (mehrere hundert oder gar tausende Euro) würde ich Voranmeldungen, bzw. die Jahreserklärung berichtigen. Bei geringen Beträgen würde ich die Rechnungen kommentarlos hinschicken. Immerhin handelt es sich bloß um eine Verschiebung ins Vorjahr zu Deinen Gunsten (Du hättest die Vorsteuer schon früher ziehen dürfen).

Steuerfrage: Was passiert, wenn ich als journalistische Kleinunternehmerin, den Betrag von 17500 Euro überschreite?

Im November 2014 habe ich mich nach einem Volontariat als freie Journalistin selbstständig gemacht, man nennt das Rumpfjahr, wenn ich es richtig versteh. Dadurch bin ich als Kleinunternehmerin in das Jahr 2015 gestartet. Alle meine Rechnungen für das Jahr 2015 habe ich dementsprechend mit der Klausel nach §19 Abs. 1 Kleinunternehmerregel des UStG versehen und auf die Mehrwertsteuer verzichtet. Bei der Jahresendabrechnung stelle ich nun fest, dass die Summe aller in Rechnung gestellten Beträge, die im Kalenderjahr 2015 auf mein Konto eingegangen ist die 17500-Euro-Grenze um etwa 3000 Euro übersteigt. Den Hauptteil meines Einkommens habe ich als Redakteurin in einer Produktionsfirma für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender und als Redakteurin für eine Corporate-Publishing-Agentur sowie als Autorin/Redakteurin für ein Stadtmagazin erworben.

Dazu stellen sich mir nun eine Vielzahl von Fragen. Ich wäre wirklich froh und dankbar, wenn mir jemand das ein oder andere Fragezeichen erklären kann!

Bin ich damit nun rückwirkend für das Jahr 2015 umsatzsteuerpflichtig? Verliere ich jetzt auch für 2016 den Status als Kleinunternehmerin? Gibt es eine Möglichkeit, wie ich auch im laufenden Kalenderjahr 2016 weiterhin als Kleinunternehmerin gelten kann?

Muss ich nun für ALLE Rechnungen 2015 rückwirkend die Umsatzsteuer erheben und abführen oder nur für die Rechnungen, mit denen ich den Grenzbetrag von 17500 überschritten habe?

Kann ich bei allen meinen Auftraggebern rückwirkend darum bitten mir die Mehrwertsteuer auszuzahlen?

Welchen Prozentsatz darf ich anwenden? Ich habe gelesen, dass Journalisten aus Vereinfachungsgründen den ermäßigten Prozentsatz von 7% ansetzen dürfen. Ist es besser/schlechter 7 oder 19 Prozent anzusetzen?

Was bedeutet das für die Rechnungen die ich ab Januar 2016 stelle? Muss ich nun immer Vorsteuer berechnen und ans Finanzamt bezahlen?

Welche Nach-/Vorteile hat es überhaupt, wenn man nicht als Kleinunternehmer oder nicht-Kleinunternegmer gilt?

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