Auftragserweiterung ohne genannte Kosten, wer muss bezahlen?

2 Antworten

Ist die Firma nicht in der Informationspflicht bei einer solchen Abweichung?

Es handelt sich hier um typische Regiearbeiten. Und wenn ich lese

"Als er mit den Arbeiten begann erwähnte er die Änderungen, die er mit
dem Poolbauer besprochen hat und diese der Ansicht sind, dass dies die
bessere Lösung wäre. Da ich mich auf die Fachmänner verlassen möchte, habe ich dem zugestimmt."

..dann ist es auch ohne Fachwissen jedem klar, dass Mehrarbeiten zu vergüten sind. Wenn also den Mehrarbeiten zugestimmt wurde, besteht dem Grundsatz nach auch ein Vergütungsanspruch.

Im Nachhinein haben wir nun eine Rechnung erhalten, die sich um 120% erhöht hat.

Man kann hier sicher klagen, aber dann werden beide Firmen keinen Handschlag mehr tun, bis eine Vorkassezahlung geleistet wurde. Wenn ihr also nicht bis zum St.-Nimmerleinstag auf die Fertigstellung warten wollt, solltet ihr euch tunlichst gütlich mit den Firmen einigen.

Da beide Firmen vor Ort waren und es sich angeschaut haben, sollte man ein zuverlässiges Angebot erwarten können. Wenn nun von einer Erweiterung gesprochen wird, bei denen keine Kosten genannt werden, nicht einmal, dass es überhaupt Kosten geben wird, bin ich zuerst mal der Meinung, dass es auch keine ergibt. 

Im Nachhinein sehe ich eine gewisse Spanne an Mehrarbeiten und Vergütung auch ein. Diese Spanne sehe ich hierbei jedoch deutlich überschritten, oder nicht?!

p.s.: Die vereinbarte Summe ist bereits bezahlt. "Nur" die Mehrkosten sind noch offen

@LukasWiede

Da beide Firmen vor Ort waren und es sich angeschaut haben, sollte man ein zuverlässiges Angebot erwarten können.

Davon würde ich ausgehen, ja. Abr das Angebot umfasst ja einen bestimmten Leistungsumfang, und genau der kommt dann zunächst auch zur Abrechnung.


Wenn nun von einer Erweiterung gesprochen wird, bei denen keine Kosten genannt werden, nicht einmal, dass es überhaupt Kosten geben wird, bin ich zuerst mal der Meinung, dass es auch keine ergibt.

Nein, das ist schlichtweg weltfremd. Es liegt ja schon im Wortsinn des Begriffes "Erweiterung", dass sich der Leistungsumfang ausweitet. Und das ist selbstverständlich *immer* kostenpflichtig, es sei denn, es wird explizit abweichend vertraglich festgelegt.

Im Nachhinein sehe ich eine gewisse Spanne an Mehrarbeiten und Vergütung auch ein. Diese Spanne sehe ich hierbei jedoch deutlich überschritten, oder nicht?!

Das kann in Unkenntnis der näheren Details des Sachverhaltes niemand beurteilen. Ein erster Schritt ist sicherlich, die in Rechnung gestellten Mehrarbeiten durch einen fachlich versierten örtlichen Bausachverständigen / Architekten, der die lokalen Stundensätze kennt,  auf ihre Richtigkeit prüfen zu lassen (Rechnungsprüfung). Leider ist das Kind hier schon in den Brunnen gefallen, und mit der Zustimmung zu den Änderungen wurde ein gültiger Vertrag zwischen den Parteien geschlossen. Als Bauherr muss man stets *vor* Arbeitsbeginn sich entweder ein verbindliches Angebot erstellen oder aber zumindest den Kostenrahmen schriftlich bestätigen lassen. Arbeiten auf Regie sind die größten Umsatz- und Gewinnbringer im Bauhandwerk, weil dann keine Pauschale angesetzt, sondern jede Minute nach Tarif abgerechnet wird, zzgl. An/Abfahrt etc..

Auf 120% oder um 120%?

um 120% (ca.) Die Rechnung wurde mehr als doppelt so hoch.

Ich denke nicht, dass eine solch massive Erhöhung ohne Hinweis zulässig ist, wenn bereits ein Kostenvoranschlag über die deutlich geringere Summe vorlag.

@asdundab

Das sehe ich anders.

1. Es wäre im Einzelnen zu prüfen, welche Positionen des urprünglichen Angebots sich gegenüber dem KV ohnehin erhöht haben (Mehrungen gegenüber Angebot);

2. Es wäre anschließend zu prüfen, ob die (hoffentlich separat) in Rechnung gestellten Mehrarbeiten aufgrund der Änderungen des Auftragsumfangs fachlich und sachlich korrekt sind.

Nur wenn sich bei Punkt 2) eine entsprechende erhebliche Überschreitung der Kosten gegenüber dem ortsüblichen Satz ergäbe, bestünde hier die Chance auf einen Erfolg vor Gericht respektive vor der Schlichtungsstelle. Hier haben wir den typischen Fall der Regiearbeiten, die natürlich die Firmen auch (üblicherweise mittels entsprechender Regiezettel) tatsächlich nachweisen können müssen.

@FordPrefect

Es ging um den Aushub. Der Aushub wurde erweitert um ca. 1/2 erweitert, dadurch hat sich auch die Abfuhr erhöht. es musste extra gestützt werden, ein größeres Fahrzeug wurde benötigt, und die Arbeitszeit erhöhte sich demnach auch. Es gab noch ein, zwei Punkte die sich ebenfalls erhöhten, aber nur einen minimalen Teil ausmachen und die vernachlässigt werden können.

@LukasWiede

Die Mehrkosten halte ich nach diesen Angaben für nachvollziehbar und auch durchsetzungsfähig. Wenn sich de Arbeitsumfang in dem beschriebenen Maß erhöht, ist auch der zuvor erstellte KV insofern ohne Belang. Die Zustimmung zur Erweiterung stellt konkludent eine Vertragsänderung dar. Hier bleibt m.E. nur, auf dem Verhandlungsweg die Forderung reduziert zu bekommen.

Was möchtest Du wissen?