Arbeitsrecht urlaubsentgeld trotz Freistellung unter Anrechnung von urlaubsansprüchen?

3 Antworten

Hier passt Einiges bei den Daten nicht zusammen!

Einerseits:

Ich stelle Sie bis einschließlich unter Anrechnung sämticher Urlaubsansprüche bis einschließlich 31.08.18

andererseits

Kündigung zum 16.07.18 erhalten.

Du solltest auch noch einmal die genaue Formulierung der Freistellungserklärung wiedergeben!

Denn es kommt wesentlich darauf an, als was diese Freistellung erklärt wurde: als "widerruflich", als "unwiderruflich" oder ohne eine solche Erklärung.

Der Arbeitgeber darf einen noch bestehenden Urlaubsanspruch nur dann auf die Zeit der Freistellung anrechnen, wenn

> sie entweder als "unwiderruflich" erklärt wurde oder wenn

> bei "widerruflich" erklärter Freistellung (oder einer Freistellung ohne eine solche Erklärung) der Urlaub während der Freistellungszeit für einen bezeichneten Zeitraum (von ... bis ...) vom Arbeitgeber angeordnet wurde.

In jedem Fall hast Du bei einer solchen Freistellung (zu der der Arbietgeber nur berechtigt ist, wenn es für den Kündigungsfall so vereinbart wurde oder er ein dringendes Interesse daran nachweisen kann) Dein normales Entgelt weiterhin zu erhalten.

Da bei einer für "widerruflich" erklärten Freistellung ohne ausdrückliche Urlaubsanordnung offener Urlaub nicht angerechnet werden darf, muss er ausgezahlt werden; das gilt selbstverständlich auch, wenn der Urlaub zwar angerechnet (bei einer "unwiderruflichen" Freistellung oder mit Urlaubsanordnung), wegen Erkrankung aber nicht genommen werden kann.

Wenn der Urlaub angerechnet wird, erhältst Du Dein normales Geld weiterhin - wie sonst auch bei einem Urlaub im Arbeitsverhältnis.

Behält der Arbeitgeber die Zahlung

Wenn die Freistellungserklärung Deines Arbeitgebers tatsächlich (sinngemäß) nur "Ich stelle Sie bis einschließlich unter Anrechnung sämticher Urlaubsansprüche bis einschließlich 31.08.18 [frei]." lautet, ohne sie als "unwiderruflich" zu bezeichnen oder ohne den anzurechnenden Urlaub genau zu terminieren (von ... bis ...), dann hast Du neben dem Anspruch auf Deinen normalen Lohn in dieser Zeit der Freistellung auch zusätzlich den Anspruch auf die Ausbezahlung Deines Urlaubsanspruchs!

Es steht drin das er mich ab sofort unter Anrechnung sämtlicher Urlaubsansprüche unwiderruflich bis zum 31.08.18 freistellt.

Ich arbeitete bis zum 16.07.18 & bekam nach der Schicht die Kündigung ausgehändigt. Und brauchte nicht mehr kommen. In meinem Arbeitsvertrag sind 80 Stunden im Monat festgelegt aber ich arbeitete oft mehr. So das ich auch im Juli 2018 mit 120 Stunden eingeteilt war. Er mir jedoch nur bis 16.07.18 meinen Lohn bezahlt hatte. Das waren bis dahin 72.5 Std.

Urlaubstage waren 15 Tage offen. Kündigungsfrist sind es 4 Wochen.

Ich nehme an das er mir nur mein Lohn für meine Arbeit bis 16.07.18 auszahlen wollte. Dann durch die Freistellung den Urlaub anrechnen wollte die 15 Tage und damit erreichen wollte das er die Tage des Urlaubs nicht bezahlen muss. Somit wurde der Urlaub mit der Freistellung alleine gleichgesetzt. Urlaub nur auf Freizeit aber ohne Entgelt. Es stehen keine genauen Daten ob und wann der Urlaub genommen werden muss. Und welche Zeit in der Freistellung für den Urlaub gilt. So oder so stimmt da etwas nicht. Selbst wenn er mir den Urlaub im August ansetzt das er quasi nur die 80 Stunden bezahlen muss, dachte ich müsste er mir doch letztlich dann auch die Stunden aus Juli ausbezahlen für die ich letztlich auch bis Ende des Monats eingeteilt war aber bezugnehmend der Freistellung nicht arbeiten durfte. Er drückt sich jetzt vor jeder Stellungnahme.

@Pukki62

Super Perfekt geschrieben & verstanden.

Weißt du zufällig auch wie das ist ob er mir aus Juli nur die vertraglichen 80 Stunden ausbezahlen muss oder auch die Stunden die ich eigentlich bereits auf dem Plan stand das waren nämlich 120 Std.

Die Kündigung habe ich AM 16.7.18 erhalten zum 31.08.18

@Pukki62

Also:

> Kündigung erhalten am 16.07. zum 31.08. und > unwiderrufliche Freistellung bis zum 31.08. mit Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche

Bei einer unwiderruflichen Freistellung darf der Arbeitgeber offene Urlaubsansprüche auf die Zeit der Freistellung anrechnen; hier muss keine zeitliche Festlegung des Urlaubs erfolgen; der Arbeitnehmer kann also jederzeit tatsächlich "Urlaub machen", weil er wegen der Unwiderruflichkeit nicht mehr zur Arbeit beordert werden kann (anders als bei der widerruflichen Freistellung, weshalb da auch keine Urlaubsanrechnung erfolgen kann, es sei denn, der Urlaub wurde zeitlich genau festgelegt, was bei der unwiderruflichen Freistellung nicht nötig ist).

Noch nicht ausgeglichene Überstunden darf der Arbeitgeber bei jeder Freistellung anrechnen.

Aber selbstverständlich muss der Arbeitgeber Dir die gesamte Zeit der Freistellung auch mit Deinem normalen Entgelt bezahlen; Du hast also Anspruch auf Dein Entgelt bis zum 31.08.!

Tut er das nicht, solltest Du ihn schriftlich mit angemessener Fristsetzung (10 bis 14 Tage) zur Zahlung auffordern und für den Fall der Nichtreaktion oder Weigerung mit rechtlichen Schritten drohen (meist reicht das); aber noch sind die Abrechnungszeiträume ja nicht abgeschlossen.

Übrigens:

Wenn das Arbeitsverhältnis bei der Beendigung am 31.08. länger als 6 Monate in diesem Jahr bestanden haben sollte, hättest Du Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub; bei mehr als gesetzlichem Urlaub und Vereinbarung einer anteiligen Urlaubsberechnung aber mindestens auf den gesamten gesetzlichen Urlaub!

Du bekommst doch sicher dein Gehalt ganz normal weiter bis zum 31.8., oder? Wieso sollte es dann zusaetzlich noch einmal ein Urlaubsentgelt geben? Deine Gehaltsweiterzahlung ist dein Urlaubsentgelt.

Ja aber er hat mir die Zeit von 17.07.18 bis 31.07.18 die Urlaubszeit gesetzt und den Lohn habe ich nur bis 17.08.18 bekommen. Die 4 Wochen Kündigungsfrist liegen im August und da ist klar das ich nur meinen vertraglichen letzten kompletten Monatslohn erhalten. Er schreibt das so das die Urlaubstage ja genommen werden konnten duch die Freistellung aber bezahlt würde diese nicht. Seit wann wird man in Urlaub geschickt ohne die Tage auch entlohnt zu bekommen. Wenn jemandem in Urlaub geht dann sitzt er da ohne Geld.? Sowas habe ich noch nie gehört.

Kündigung zum 16.07.18 erhalten. Korrektur.

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