Anrechnung von Schenkungen beim Erbfall?

4 Antworten

Bei Geschenken an den Pflichtteilsberechtigten muß man zwischen den Pflichtteil und den Pflichtteilergänzungsanspruch unterscheiden. Auf den Pflichtteil ist die Schenkung anzurechnen, sofern dies schon bei der Schenkung so festgelegt wurde. Der Pflichtteil selbst bezieht sich dabei auf den Nachlasswert zum Zeitpunkt des Erbfalls.

Neben den Pflichtteil gibt es den Pflichtteilergänzungsanspruch nach §2325 BGB. Das ist der Betrag "um den sich der Pflichtteil erhöht, wenn der verschenkte Gegenstand dem Nachlass hinzugerechnet wird.". Wobei die Geschenke pro Jahr um 10% abgescholzen werden.

Bei der Pflichtteilergänzungsanspruch werden Geschenke an den Berechtigten nach §2327 BGB grundsätzlich angerechnet. Anderfalls würden sich auch Widersprüche ergeben, da diese Geschenke zu Pflichtteilsergänzungsansprüchen anderer Pflichtteilberechtigter führen können.

Die Geschenke ( auch die an den Berechtigten ) werden dabei bei der Berechnung den Nachlass hinzugerechnet und die Geschenke an den Berechtigten von den sich ergebenden Ergänzungsanspruch wieder abgezogen.

Werden diese 150 000 seinem gesamten Erbe angerechnet oder spielen diese Zahlungen keine Rolle?

Das kommt darauf an: Grds. bestimmt § 2050 III BGB, dass Zuwendungen unter Lebenden nur dann zur Ausgleichung zu bringen sind, wenn der Erblasser dies bei der Zuwendung ausdrücklich anordnet. Davon ist in vorliegendem Fall nicht auszugehen.

Eine Pflichtteilsergänzung käme in Betracht, wenn das tatsächliche Erbe niedriger wäre als der dazu hälftige Anspruch zur Erbquote am Gesamtnachlass. Gehen wir von 2 Erben, A und B mit einer 50% Erbquote und 25% Pflichtteilsanspruch aus:

Hätte A wg. der lebzeitigen Schenkungen lediglich 60.000 in Geld zugesprochen bekommen, ohne das eine Anrechnung oder Ausgleichung ausdrücklich verfügt wurde und B eine 250.000 EUR wertvolle Immobilie, wären dies (250.000 + 60.000 : 4 = 77.500 ./. 60.000) 17.500 EUR Pflichtteils-Ergänzungsanspruch.

G imager761

Diese Zahlung spielt eine Rolle, allerdings nur mit 10% des Wertes für jedes Jahr, das fehlt bis seit der Schenkung 10 Jahre vergangen sind.

Diese Zahlung spielt eine Rolle,

Nur scheinbar: Erstens sind lebzeitige Vorempfänge durch Schenkungen hier nicht auf Pflichtteilsergänzungsanprüche des Beschenkten anzurechnen, wonach gefragt wurde.

Zweitens bestehen sie für den Unbegünstigten nur dann, wenn sein tatsächliches Erbe ohne die Schenkungen niedriger wäre als der dazu hälftige Wert eines fiktiven Nachlasses mit abgeschmolzenem Schenkungswert. Bei einer Streuung der Schenkungen über 10 Jahre und Abschmelzungen von bis zu 90% der ersten Zuwendungen halte ich das bei einem Nachlass, der Geld und Immobilien vererbt, für rechnerisch unmöglich.

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