ALG I + ALG II + 450€ Job = Berechnung?

2 Antworten

Dein Anspruch von AlgII fällt weg wenn du deinen Minijob ausübst.

Du verdienst da nämlich mehr,  als die Aufstockung wert wäre.

Okay. Also 595€ + 427€ sind dann abzüglich der Freibeträge (165€) sind dann 760€ korrekt?

@patisthebass

Das heisst, ich gehe dann 48Stunden arbeiten, damit ich 50€ mehr hab gegenüber ALG I + ALG II?

@patisthebass

Sieht wohl so aus. Wenn du AlgII beantragst,  musst du dich ja auch bewerben,  das heißt du wirst gezwungen. Dann lieber 50 Euro mehr und meine Ruhe haben 

@Maleficent666

Bewerben muss und will ich mich ja sowieso wegen ALG I ;-) Aber dann reicht es ja theoretisch wenn ich nur für 165€ also unter 20Stunden arbeiten gehe statt 48...

Das ist hier etwas komplizierter. Ich versuche es dir mal Schritt für Schritt vorzurechnen.

Beim ALG1 gibt es auch eine Zuverdienstgrenze - alles, was mehr ist als 165 €, wird auf das ALG 1 angerechnet.

Wenn du also 427 € verdienst, dann werden davon (427-165 ) =  262 € angerechnet.

Das heißt, dein ALG 1 verringert sich auf (595 - 262) = 333 €.

Jetzt wäre deine Ausgangssituation folgende - 333€ ALG 1 und 427€ Einkommen.

Nach dem SGB II hast du einen Bedarf von 409€ Regelleistung und 292€ Miete, also zusammen 701,- €.

Dein ALG1 wird auf das ALG2 bzw. deinen Bedarf zu 100% angerechnet, auf dein Erwerbseinkommen hast du einen Freibetrag.

Freibetrag: die "ersten " 100€ deines Einkommens sind anrechnungsfrei, für alles darüber gelten 20% Freibetrag.

Also bedeutet 427€ = 100€ frei + weitere 20% x 327€ = 165 € Freibetrag.

Freibetrag bedeutet, dass das JC nicht dein ganzes (Arbeits-)Einkommen anrechnet, sondern nur einen geringeren Betrag, nämlich genau um den Freibetrag verringert.

Somit "sieht" das JC nur ein Einkommen von (427€ - 165€) = 262€.
(Lass dich bitte nicht irritieren, die 165€ hier haben nichts zu tun mit den 165€ beim ALG1, das ist reiner Zufall, dass die beiden Beträge übereinstimmen. Hättest du einen anderen Verdienst, würde hier ein anderer Betrag stehen, da sich der Freibetrag ja nach der oben erklärten Formel aus der Höhe des Einkommens ergibt.)

Für das Jobcenter hast du also ein ALG1 von 333€ als Einkommen sowie ein Erwerbseinkommen von 262 €, also zusammen 595 €.

Das heißt, dass du nach den sozialrechtlichen Gesichtspunkten (SGB II) noch Anspruch auf ergänzende Leistungen hast, also entweder ALG II oder Wohngeld, da du ja deinen (Mindest-)bedarf von 701€ nicht erreichst.

Wohngeldberechtigt ist man, wenn man mindestens 80% seines Bedarfes aus seinem eigenen Einkommen bestreiten kann.

Wenn man nicht wohngeldberechtigt ist, dann bekommt man vom JC einen Aufstockungsbetrag, der - in der Summe mit dem ALG1 und dem bereinigten Erwerbseinkommen - zumindest deine Regelleistung ausmachen müsste.

Da du diese 80%-Grenze erfüllst (595€ : 701€ = 84,9%), würdest du also noch einen Wohngeldanspruch haben. Dieser Betrag fällt so aus, dass du mehr hättest als bei ergänzendem ALG II (und das würde Regelbedarf minus ALG1 minus bereinigter Lohn, also (701€ - 333€ - 262€) = 106€ betragen.

Du würdest also mindestens noch 106 € dazubekommen. Damit hättest du ein Gesamteinkommen von 333 € (ALG 1) + 427€ (vom Arbeitgeber) + 106€ (mindestens) Wohngeld, also gesamt mindestens 866 € . -----------------

Das war jetzt eine ganz schöne Rechnerei. Wenn du etwas nicht verstanden hast, dann kannst du mich hier ruhig fragen, dann erkläre ich es dir gerne.

Vielen vielen Dank!!!

Allerdings spuckt der wohngeldrechner mir nur 52€ aus bei 701€ Einkommen :-(

@patisthebass

Sorry, vertan! Ich meinte:

Allerdings spuckt der wohngeldrechner mir nur 24€ aus bei 760€ Einkommen :-( (333€ ALG I und 427€ Minijob)

@patisthebass

Bei 52 € Wohngeld hättest du nach den Richtlinien des SGB II:

333 € ALG1 + 262 € bereinigtes Einkommen + 52 € = 647 €. Also 54 € unterhalb des Regelbedarfes.

Wenn die Wohngeldstelle allerdings nicht mit bereinigtem, sondern mit deinem kompletten Einkommen rechnet, dann wären das
333 € ALG1 + 427 € bereinigtes Einkommen + 52 € = 812 €.

Dann wärst du aber schlechter gestellt als mit ergänzendem ALG II, denn die gewähren ja einen Freibetrag auf das aktive Einkommen, also den Lohn.

Allerdings kann auch wieder sein, dass bei dir in der Kommune die bezuschussungsfähige Miete für eine Person geringer ist als 292€, oder deine Wohnung ist größer als 45m², mehr darf für eine Person nämlich nicht bezuschusst werden. Da rechnet man die Miete runter im gleichen Verhältnis wie bezuschussbare Fläche  zu realer Wohnfläche. Leider sind die Wohngeldrechner im Netz ziemlich ungenau, ich kriege mit den komplett gleichen Daten schon mal 30-40€ Unterschied zwischen unterschiedlichen Rechnern.

Meine Empfehlung (Erfahrung von > 10 Jahren in der beratenden Sozialarbeit, vor allem ALG II):

- dem AA jetzt schon das Arbeitsverhältnis / den Verdienst melden

- mit Neuberechnung des AA (und allen anderen Nachweisen auch) zum Jobcenter und ergänzendes ALG II beantragen.

- Dann hättest du eine Anspruch sichernde Antragstellung und die beim JC können das schon genau sehen, ob du doch zum Wohngeldamt oder zum JC gehörst.

Auch wenn deine Wohnung zu groß oder zu teuer sein sollte fürs JC, in den ersten 6 Monaten wird die Miete diskussionslos in voller Höhe übernommen.

Danach könnte es sein, dass dir der Umzug in eine kleinere Wohnung angetragen wird. Das ist aber frühestens in 6 Monaten ein Thema.

Nach dieser Rechnung wird das komplette Geld was durch den Minijob reinkommt angerechnet. Also ein Teil von Alg I und der rest von AlG II.

Da kann man ja besser ganz auf den Antrag verzichten oder auf den Minijob, denn in beiden Fällen hätte man gleich viel Geld. Da kann man besser versuchen in Teilzeit etwas zu bekommen, dann ist man auch nicht auf ALG II angewiesen

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