Frage von IceTube, 54

Zuverdienst zur Grundsicherung (Erwerbsunfähigkeit)?

Hallo Community!

Ich beziehe zur Zeit eine Grundsicherung wegen Erwerbsunfähigkeit (bin erkrankt, und kann daher die berühmten drei Stunden nicht leisten, wird alle paar Jahre neu begutachtet). Wohlgemerkt, Keine Rente!!! Nun frage ich mich, ob und wie viel ich dazuverdienen dürfte. ??? Ich beschäftige mich gern mit kleinen Handwerklichen Sachen, und mir wurde schonmal angeboten, das auf einem lokalen markt anzubieten, oder über internet zu verkaufen. (Ist nichts für einen richtigen Shop oder was. Würd ich von der Menge + Zeit + Energie eh nicht packen.)

Könnte ich was dazuverdienen, und wo läge die Grenze?

Danke schonmal voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von cyracus, 17

Bitte google unbedingt mit den Worten

verkauf ebay oder auf dem markt wann gewerblich

Es kann nämlich sehr schnell als gewerblich angesehen werden, wenn eine gewisse Regelmäßigkeit angenommen wird. Der Begriff "Regelmäßigkeit" ist ein dehnbarer Begriff, und insbesondere Finanzämter dehnen diesen Begriff oftmals gern zu Ungunsten des betroffenen Bürgers. - Auch Sozialämter / Jobcenter sind nicht unbedingt auf Seiten ihrer "Kunden" (wie es dort ja so vollmundig heißt), was im Falle eines Falles sehr zum Nachteil der "Kunden" gereichen kann.

Du schreibst, Du seiest erwerbsunfähig und auch, dass Du zur Zeit krank bist und die drei Stunden täglich nicht arbeiten kannst. - Bist Du sicher, dass Du als Erwerbsunfähige geführt wirst, nicht als Erwerbsgeminderte?

Lies dazu die Definitionen:

Erwerbs­unfähig­keit oder Berufs­unfähig­keit – Das ist der Unter­schied!
https://getsurance.de/ratgeber/unterschied-berufsunfaehigkeit-erwerbsunfaehigkei...

Falls Du als erwerbsgemindert geführt wirst, zur Zeit aber krank bist (warum auch immer) und Du diese Krankheit überwinden kannst (wie eine schwere Erkältung, ein Beinbruch ...), bist Du ja dann weiterhin erwerbsunfähig, nur zur Zeit erkrankt.

Was Du ja auf jeden Fall verkaufen darfst sind Gegenstände, die sich in Deinem persönlichen Besitz befinden, die Du nicht mehr brauchst / haben willst und in Geld umwandeln willst. - Wenn Du also gleiche oder ähnliche kleine Gegenstände besitzt (wieso auch immer) und die als "von privat" verkaufst, ist das ja auf jeden Fall erlaubt. Wenn es sich zum Beispiel um 2, 3, 4, 5 gleiche / ähnliche Gegenstände handelt, sollte es wohl keine Probleme geben. Verkaufst Du aber 10 solche Teile, könnte man schon auf die Idee kommen, dass da was "gewerbsmäßig" läuft.

Wenn zum Beispiel jemand eine Büchersammlung hat und beginnt, die zu verkaufen, so verkauft derjenige ja Gegenstände aus seinem Besitz, die er zu Geld machen will. Weil Bücher aber ähnliche Gegenstände sind, wird sehr leicht gewerbsmäßiger Handel unterstellt mit allen Nebenwirkungen für den Besitzenden / Veräußernden, obwohl dies ja Verkauf aus dem persönlichen Besitz ist.

Vielleicht hast Du ja Freunde, die auch gern zwei, drei oder vier ähnliche Gegenstände aus persönlichem Besitz auf Ebay verkaufen wollen.

Was Verkauf auf dem Markt angeht, weiß ich nicht, wie man es einschätzen könnte, wenn Du als erwerbsunfähig giltst.

Hilfreich kann wohl eine Sozialberatung sein. Google dazu mit
sozialberatung
und füge Deinen Wohnort hinzu (oder den nächstgrößeren, falls er klein ist).
Dir werden so (behördenunabhängige) Beratungsstellen gezeigt wie die
Diakonie / Diakonisches Werk, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband
oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Vereinbare dort einen Beratungstermin.

.

Weil Du Grundsicherung beziehst, vorsorglich diese Hinweise von mir, die ich Arbeitslosen und anderen Grundsicherungsbeziehern reingebe - Du wirst leicht erkennen, was auf Deine Situation zutrifft:

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen).
Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge
persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf
einem mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift
bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht
das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum
und Unterschrift“
).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben
aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird (sind es
mehrere Anlagen, diese mit Nummern versehen aufzählen). - Wiederum
dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und
Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein
Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt
wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht
behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und
wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original
unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten)
. - Nicht (oder angeblich nicht)
abgegebene Unterlagen kann als Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht
gedeutet werden, was zu Sanktionen führen kann = Kürzung von Geld. -
Und: Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß
allgemein die Sache zügiger bearbeitet.

Falls Du meinst, ich würde übertreiben, google mit
jobcenter unterlagen verloren
und lies auch dies:
Hartz IV: Verschwundene Unterlagen mit System?
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-verschwundene-unterla...

.

Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein.
Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im
Vertrauen
landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“
(wie es vollmundig bei Sozialbehörden heißt) verwendet werden. - Lies auch

Wichtige Tipps für Hartz-IV-Betroffene
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/wichtige-tipps-fuer-hartz-iv-b...

.

Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen.
Dieser Ämterlotse muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher
macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Der Beistand kann aber
auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google
mit 13 sgb 10):

     (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit
           einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene
           gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht
           unverzüglich widerspricht.

Für einen ehrenamtlichen Behördenbegleiter = Beistand google jeweils mit
Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

     Ämterlotsen
     Behördenlotsen
     Behördenbegleiter
     Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und
(die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine
Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus.
(Sag beim Amt niemals, Du hättest einen Zeugen dabei! Zeugen dürfen
des Raumes verwiesen werden - Beistände dagegen nicht, auf die hast
Du ein Recht.)

Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft):
Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand
sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

Google mit

legitimation eines beistands pdf (die Wörter genau so)

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die
gesetzliche Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht
darauf hat, sich bei Behördengängen von einem Beistand begleiten zu
lassen.

In der Info erfährst Du unter anderem, dass wenn Dein Beistand für Dich
etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es
gesagt.

Wenn Du bei einer Sozialberatung bist, frage dort, ob dort Beistände /
Ämterlotsen / Behördenbegleiter ehrenamtlich Dienst machen. In Hamburg
z.B. bietet die Diakonie Begleitung durch Ämterlotsen an.

.

Vorsichtshalber auch dies:

Achtung! sehr wichtig für Hartz IV-Bezieher:
Folge den Dir aufgegebenen Mitwirkungspflichten wie Bewerbungen
schreiben, an Maßnahmen / Fortbildungen teilnehmen (auch falls Dir
eine der Maßnahmen blöd, unsinnig oder für Dich unangemessen erscheinen
mag). In solch einem Fall wende Dich an eine Arbeitsloseninitiative /
Arbeitslosenberatung / Rechtsberatung. - Bezüglich fehlender Mitwirkung
wurde das Gesetz für "Hartzis" krass verschärft, und das kann sehr
schmerzhafte finanzielle Folgen für Dich haben!


Kommentar von cyracus ,

Sorry - eine Korrektur, mache die Nacht durch - es ist fast 7 Uhr morgens (werde nun auch ins Bett gehen).

Ich schrieb oben:

Falls Du als erwerbsgemindert geführt wirst, zur Zeit aber krank bist (warum auch immer) und Du diese Krankheit überwinden kannst (wie eine schwere Erkältung, ein Beinbruch ...), bist Du ja dann weiterhin erwerbsunfähig, nur zur Zeit erkrankt.

Richtig heißt der letzte Satzteil selbstverständlich:

... bist Du ja dann weiterhin erwerbsgemindert, nur zur Zeit erkrankt.

Na, wie gut dass ich das noch gesehen habe   ‹(••)›

Kommentar von IceTube ,

Danke für die ausführliche antwort! Damit sit mir auf jeden Fall sehr geholfen!!!

Kommentar von cyracus ,

Freut mich sehr, dass ich helfen konnte - und

danke fürs Sternchen  - ҉ •✿⊱ (¯`'•.¸(¯`'•.¸ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ¸.•'´¯)¸.•'´¯) ⊰✿• ҉

Antwort
von WosIsLos, 24

Eine selbständige gewerbliche Tätigkeit ist beim Bezug einer Erwerbsminderungsrente nicht erlaubt.

Zusatzeinnahmen müssen der DRV gemeldet werden, dadurch könnte die Grundsicherung entfallen.

Bei Bezug einer vollen Erwerbsminderungsrente darf monatlich maximal 450€ hinzuverdient werden.

Der Arbeitgeber muss alle 2 Jahre einen Bericht an die DRV erstellen.

Kommentar von IceTube ,

Hi. Es ist ja keine Rente. Aber gilt das trozdem so? hab ich mir fast schon gedacht.

Fällt das denn auch unter "gewerblich" wenn es bloß ganz unregelmäßig und unter 450€ wäre? Glaub nicht, das da so viel zusammenkäme.

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