Wohnung in Seniorenresidenz als Kapitalanlage?

2 Antworten

Als Kapitalanlage muss man die Zahlen (also Einnahmen- / Ausgaben, Betreiber, Erwartungen usw.) genau überprüfen.

Für eine Selbstnutzung bin ich skeptisch.

Grob dargestellt gibt es für Dich (und für uns alle) 3 Lebensphasen. Berufsleben also Anspar- und Investitionsphase. Dann Rente in der eigenen Wohnung/Haus und dann ggfls. eine Pflegephase in der man mehr oder weniger auf fremde Hilfe angewiesen ist.

Wenn man die Zeit der einzelnen Phasen betrachtet dann ist die Phase 1 die längste und die der eigenständigen Rente hoffentlich die zweitlängste und die Pflegephase aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen die kürzeste.

Für eine Investition bedeutet das: Die beiden längsten Phasen sollten möglichst eine gute Rendite erbringen denn ob man in der Pflegephase noch wirklich Eigentum braucht oder Miete nicht besser ist will ich hier zur Diskussion bringen.

Nach den kurz im Internet recherchierten Werten dauert Durchschnittlich die Pflege beim Start einer Pflegestufe ca. 2 Jahre. Aber selbst wenn man vielleicht 5 Jahre annimmt macht sicherlich Miete mehr Sinn als Eigentum

Für mich bedeutet das im Umkehrschluss: Wenn Wohneigentum dann eher etwas was ich selber bis zur Pflege nutzen kann und dann verkaufen oder an meine Kinder weiter geben kann.

Aber Du bist vom Fach - also rechne aufgrund Deiner Erfahrungen selber.

Am wichtigsten ist die Lage, der Betreiber und die Auslastung.

Als Kapitalanleger brauchst Du eine Lage, in der nicht nur die Alten und Kranken auf relativ hohem Niveau in der Gegend als Nachschub für die Residenz dienen, sondern auch junge Leute für die Pflege. Eine Gegend mit vielen Alten und wenigen jungen Menschen ist also auf Dauer relativ schlecht.

Ein Betreiber, der Erfahrung hat, weil er mehrere Residenzen oder Heime betreibt, gibt ebenfalls mehr Sicherheit, weil er wahrscheinlich seine Prozesse im Griff hat.

Es werden in den letzten Jahren relativ viele Seniorenanlagen gebaut, weil alle denken, dass es immer mehr Alte werden und dass das deshalb ein toller Markt ist. Genauso haben vor 30 Jahren alle gedacht, weil immer mehr Waren aus China kommen, brauchen wir mehr Containerschiffe und alle haben diese Schiffe gebaut. Am Schluss gab es ein riesiges Überangebot und ein Großteil der Schiffe wurde wieder verschrottet. Wer das als Kapitalanlage genommen hatte, stand ganz schön doof da. Ähnlich ist es jetzt mit den Heimen und Residenzen. Viele sind von Beginn an nicht genug ausgelastet und werden deshalb früher oder später wieder schließen oder werden verkauft.

Zu guter Letzt sollte die Rendite im Idealfall auch noch stimmen, obwohl bei Senioreneinrichtungen selten mehr als 3% p.a. herauskommen.

Als grundsätzliche Betrachtung gehört auf jeden Fall auch eine Pflegezusatzversicherung in Eure Überlegungen, damit die Kosten für das Heim im Pflegefall auch gedeckt sind.

Wenn noch Geld zum Sparen über ist, dann solltet Ihr außerdem an einen Sparplan zum Aufstocken der Rente denken.

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