Frage von Chris01, 81

Wo werden umsatzsteuerfreie Entnahmen als Teil des betrieblichen Gewinns in der Umsatzsteuererklärung erfasst?

Der Sachverhalt im Überblick:

Der Gewerbebetrieb wurde zum Jahresende 2016 aufgegeben. Bis Ende 2015 wurde die Kleinunternehmer-Regelung angewendet und keine Umsatzsteuer abgeführt oder berechnet. Ab 2016 dann die Regelbesteuerung.

Mit der Aufgabe des Betriebes werden Sachentnahmen dem Privatvermögen zugeführt und dementsprechend dem Gewinn des Betriebes zugerechnet. Die anteilige Umsatzsteuer wird berücksichtigt.

Wie verhält es sich mit Entnahmen die als "Kleinunternehmer" erworben wurden? Auch hier wird der Wert der Entnahme dem betrieblichen Gewinn zugerechnet, allerdings wird keine Umsatzsteuer geltend gemacht. Da beim Erwerb keine Vorsteuer geltend gemacht wurde, wird diese jetzt nicht berücksichtigt.

Im Elster Forular zur Umsatzsteuer wird der Gewinn in Zeile 38 vermerkt, die Entnahmen in Zeile 39 unter "Unentgeltliche Wertabgaben - Lieferungen nach § 3 Absatz 1b UStG zu 19 Prozent". Die Umsatzsteuer wird automatisch berechnet.

Daraus resultiert meine Frage: Wie gehe ich mit Entnahmen vor, die der Umsatzsteuer nicht unterliegen? Wo trage ich den Wert im Formular für die Umsatzsteuererklärung ein? In Zeile 39 ist dies nicht möglich, da die Umsatzsteuer automatisch berechnet wird.

Würde mich freuen, wenn mir jemand weiterhelfen kann!

Danke und viele Grüße, Chris

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 56

Du zäumst das Pferd von hinten auf.

Als der Übergang in die Regelbesteuerung erfolgte, war der Vorsteuerabzug für alle Anlagegüter zu korrigieren.

Auf die Entnahmen ist Umsatzsteuer abzuführen, egal wann sie angeschafft wurden.

Kommentar von Chris01 ,

Vielen Dank! Da die Vorsteuerberichtigung in der Jahreserklärung erfolgt und es 2016 zur Regelbesteuerung kam, stände die Korrektur in der Umsatzsteuererklärung noch an. 

Ich sehe aber den §44 (1) UStDV als Problem, der eine Bagatellgrenze von 1000 € angibt. Es geht um ein Anlagegut, das zu einem Preis von 699 Euro erworben wurde. 2016 erfolgte das letzte Abschreibungsjahr in Höhe von 266,39 €. Folgt man dem  §44 (1) UStDV, wäre eine Korrektur des Vorsteuerabzuges hier nicht anzuwenden. Das würde für mich im Umkehrschluss bedeuten, dass ich den Artikel zum Teilwert entnehme und Umsatzsteuer zahle, die ich selbst nicht geltend gemacht habe. Das sehe ich als Problem in meinem Fall. Habe ich einen Denkfehler? Oder wie wäre dies zu lösen? 

Antwort
von EnnoWarMal, 50

Der Übergang zur Regelbesteuerung stellt eine Nutzungsänderung dar, infolgedessen die Vorsteuer hätte korrigiert werden müssen. Zu deinen Gunsten. § 15a UStG.

Hat dein Steuerberater dir das denn nicht gesagt, damit du keinen Geldverlust erleidest?

Die Entnahmen unterliegen selbstverständlich der Umsatzsteuer.

Kommentar von Chris01 ,

Danke. Der § 15a UStG steht meines Wissens aber im Zusammenhang mit §44 (1) UStDV, der eine Bagatellgrenze von 1000 Euro angibt. Dies wäre hier nicht erfüllt, sodass eine Vorsteuerberichtigung nicht möglich wäre. Das ist der Hintergrund meiner Fragestellung. Eine Berichtigung der Vorsteuer soll demnach nicht erfolgen, aber bei der Entnahme Umsatzsteuer abgeführt werden? Das wäre zu meinem Nachteil.  

Wenn der §44 (1) UStDV übergangen wird, wäre es natürlich unproblematisch. Dann erfolgt die Korrektur der Vorsteuer und eine umsatzsteuerpflichtige Entnahme ohne einen Nachteil. 

Kommentar von EnnoWarMal ,

Völlig richtig. Aber:

Erstens: Ich würde dennoch berichtigen.

Zweitens: Wenn das nicht durchgeht, würde ich einen Antrag nach § 168 AO stellen.

Schlimmer als so, wie es jetzt ist, kann es ja nicht werden.

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