Wilde Ehe - ein Kind - erbt im Todesfall das Kind alles, wenn kein Testament existiert?

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Die wilde Ehe heißt heute nichteheliche Lebensgemeinschaft. Und es ist in der Tat so, dass es ein gesetzliches Erbrecht des Partners in solchen Fällen nicht gibt. Wenn da wirklich nur ein Kind vorhanden ist und zwar ein gemeinsames, dann ist das der Erbe. Und die Frage mit dem Zukommenlassen ist falsch gestellt: Vererben kann man was und wieviel man will. Nur gibt es Pflichtteilsberechtigte und denen steht der Wert des halben Erbteils zu, m.a.W.: Das Kind könnte hier die Hälfte des Nachlaßwertes einfordern.

Für die gesetzliche Erbfolge zählt nicht die Ehe als Erbberechtigung für Kinder, sondern alleine die leibliche Elternschaft (bzw. Adoption). Daher hat natürlich ein uneheliches bzw. außereheliches Kind die gleichen Ansprüche wie ein eheliches Kind. Mit anderen Worten: ja, ohne Testament gibt es nur die Kinder der verstorbenen Person als Erben.

Wird in einem Testament der Partner/die Partnerin bedacht, so ist das natürlich möglich, steuerlich jedoch sehr ungünstig, da nur ein Freibetrag von 20.000 EUR besteht. Bei Eheleuten sind dies 500.000 EUR. In jedem Fall kann das Kind den Pflichtteil beanspruchen, der 50% des gesetzlichen Erbabspruchs darstellt, d.h. hier 50% des Erbes, wenn das Kind darauf besteht. Wird allerdings beispielsweise eine Immobilie dem Partner vererbt, so hat das Kind keinen Anspruch auf einen Teil der Immobilie, sondern nur auf einen Barausgleich.

Einfacher ist für "wilde Ehen" der Abschluss einer Risikolebensversicherung, die wechselseitig auf das jeweils andere Leben abgeschlossen wird. Dadurch ist im Todesfall der steuerfreie Erhalt einer Summe gewährleistet.

Noch einfacher wäre natürlich die Heirat - wobei es aus erbrechtlicher Sicht unerheblich ist, ob die Eltern zum Todeszeitpunkt eines Elternteils seit 20 Jahren, 2 Jahren oder 2 Monaten verheiratet waren.

Nach der gesetzlichen Erbfolge, also ohne anderslautende Verfügung, wäre das Kind tatsächlich Alleinerbe der Nachlässe seines Vaters und seiner Mutter. Rausschmiss der/s Witwe/rs mit Koffern vor der Tür nach 30 Tagen inklusive :-(

Beide können, jeder für sich oder gemeinschaftlich, in einem Erbvertrag (einem Testament gleich, dass aber als solches nur von Eheleuten errichtet werden darf) abweichende Verfügungen zu ihrem/n Nachlass/en treffen.

Neben einer Vermächtnisanordnung, die einen beteichneten Gegenstand oder Vermögenswert außerhalb des Nachlasses direkt vom Begünstigten beanspruchbar macht, wäre Erbeinsetzung zu jeder Quoten oder gar unter Ausschluss eines gesetzliche Erbberechtigten realisierbar.

Oder das Erbe wäre erst als Nacherbschaft, also erst nach dem Tode des Längstlebenden, dem Kind zuzusprechen.

In jedem Fall verbliebe dem Kind ein gesetzlicher Mindestanspruch, sein Pflichtteil, an dem auf den Erblasser entfallenden Nachlass.

Das betrüge die Hälfte seiner Erbquote, als einziges Kind des Verstorbenen also 1/2 oder 50% des Reinnachlasswertes des Nachlasses.

Ein Pflichtteilsanspruch wäre ggf. auch ratenweise zu gewähren oder darf u. U. 10 Jahre lang gestundet (ausgesetzt) verlangt werden, müsste dafür eine gemeinsame Immobilie verkauft werden.

Ich hoffe, das hilft bei den Überlegungen weiter - ein Notar, der bei der Verfassung eines Ebvertrages unbedingt hinzugezogen werden sollte, kennt da noch andere Gestaltungsmöglichkeiten, seinem Partner ohne Trauschein ebengleich einer Ehefrau abzusichern.

G imager761

Das gemeinsame Kind käme in der gesetzlichen Erbfolge an erster Stelle. Soll der Partner nicht leer ausgehen muss es testamentarisch geregelt werden.

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