Wieviel ist eine Firma wert? Stimmt die Formel "Jahresumsatz mal 3"

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10 Antworten

Ich habe noch eine Anmerkung zu dem Thema. Leider ist es nicht ganz so einfach, es gibt auch verschiedene Wege, den Wert zu ermitteln. Welches Verfahren der Fagensteller hier anführt, klingt nach dem Vereinfachtes Ertragswertverfahren. 

Dieses Verfahren verwenden Finanzämter zur Ermittlung des Unternehmenswert um die Erbschaft- und Schenkungsteuer zu berechnen: Das durchschnittliche Betriebsergebnis der letzten drei Jahre wird mit einem Faktor multipliziert, der vom Bundesfinanzministerium festgelegt wird (seit 2016 liegt dieser Kapitalisierungsfaktor bei 13,75) 

Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, dem kann ich sehr das Buch Nicolas Schmidlin „Unternehmensbewertung & Kennzahlenanalyse: Praxisnahe Einführung mit zahlreichen Fallbeispielen börsennotierter Unternehmen“ (http://ist-das-gut.com/unternehmensbewertung-kennzahlenanalyse-praxisnahe-einfuehrung-mit-zahlreichen-fallbeispielen-boersennotierter-unternehmen/) empfehlen.

 Sehr anschaulich an gut Bespielen beschrieben. Neben dem Vereinfachtes Ertragswertverfahren gibt es u.a. auch noch das Substanzwertverfahren, Vergleichswertverfahren, Ertragswertverfahren und AWH-Verfahren.

Der Unternehmenswert ist immer das Ergebnis der Unternehmensbewertung. Je nach Anlass muss dabei differenziert werden. Der Anlass ist relevant für den Zweck, aus welchem wieder die Funktion abgeleitet wird. Je nach Funktion wird dann das Bewertungsverfahren ausgewählt, welches schlussendlich für den Unternehmenswert verantwortlich ist. Der Unternehmenswert ist jedoch nicht gleich der Unternehmenspreis!

Mehr Infos würdest du unter: http://www.bewerten-unternehmen.de erhalten!

Vielleicht.

Einen Einzelhändler würde man nicht auf diese Weise bewerten, da der Wert zu hoch liegt.

Ein Startup im IT-Bereich würde man damit auch nicht bewerten, da das Potential dadurch nur unzureichend erfasst wird.

Und wenn Du von typischen KGV-Werten börsennotierter Unternehmen im Bereich 8-15 ausgehst, dann würde ein Umsatzfaktor von 3 bedeuten, daß der Gewinn im Bereich von 20-35% liegt. Das passt bei nur sehr wenigen Unternehmen.

Also: der Umsatz mag ein Indikator für das Geschäft sein, aber relevanter sind Umsatz, Wachstum, Marktposition, Risiken und andere Faktoren. Für die Bestimmung des Unternehmenswerts könnte man sich noch einen Gewinnmultiplikator per Faustformel vorstellen, aber einen branchenübergreifenden Umsatzfaktor wird man IMHO nicht sinnvoll einsetzen können.

Woher hast Du denn diesen Unsinn? Überlege einmal: Ein Dienstleistungsunternehmen ohne Materialkosten mit 100.000 Umsatz hätte dann einen Wert von 300.000 Euro. Ein kleiner Goldhändler, mit einem Jahresumsatz von 200.000 Euro - wovon 197.000 Materialkosten sind - käme auf 600.000 Euro. Das kann ja wahrscheinlich nicht sein...

Bezahlt wird niemals der Umsatz, sondern der mutmassliche Ertrag (+allfällige Aktiven). Hier wiederum kommt es sehr stark auf die Branche an. Persönlich würde ich zum Beispiel für eine Friseur-Geschäft kaum etwas zahlen, weil dieses Geschäft ein Beziehungsgeschäft ist. Bei einem Online-Handel wiederum spielen Beziehungen kaum eine Rolle.

Also: Aktiven + zu erwartender Ertrag in der Zukunft * branchenabhängigem Faktor.

Wenn du dir die Mühe machst, den Umsatz der Daxkonzerne und deren Kapitalisierung anzusehen, dann wirst du erkennen: die Regel greift nicht wirklich.

Nehmen wir eine Firma, die horrende Verluste macht bei einem hohen Umsatz und die findet einen (Dummen), der sie dann nach deiner Regel kauft... Ist das passend?

Die Bewertung von Firmen ist ein komplexes Thema. Und mit deiner genannten Regel kann man sich warm rechnen, mehr nicht.

Ertragswertverfahren war irgendwas mit

Durchschnittsgewinn der letzten fünf Jahre mal 100 geteilt durch Kapitalisierungszinssatz (ca. 5%).

Da kommt ein wahnsinnig hoher Wert raus, der ziemlich unrealistisch ist.

Nee, Ertragswert ist:

Erträge der Zukunft (für die nächsten 10 Jahre jahresweise konkret; darüber hinaus als "ewige Rente") mit dem Kapitalisierungszinssatz abzinsen auf den Bewertungsstichtag und die abgezinsten Beträge aufsummieren. Was als Summe rauskommt, ist der Ertragswert.

Meandor, von deiner Formel hab ich noch nie was gehört, aber sie klingt lustig. Erinnert irgendwie an das Stuttgarter Verfahren.

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@blackleather

Hmm, ich hab mir am Montagmittag einen Vortrag über Unternehmensbewertung angehört, und da war das ganz sicher diese Formel. Muss ich mal kruschteln ob es dazu ein Skript gab.

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Bei der Berechnung was eine Firma wert ist, hängt von vielen Faktoren ab. Austattung der Firma, lage und was ist das für eine Firma. Ich würde nicht eine Firma nach dieser Formel "Jahresumsatz mal 3" bewerten da sehr viele Faktoren da mit reinspielen. Man sollte auch da mit Rechnen das bei einen wechsel vom Inhaber einer Firma immer ein Teil der Kunden auch verloren geht.

Es ist ja schon viel Richtiges kommentiert worden. Das Netz bietet relativ einfache Unternehmenswert-Rechner, mit denen man zumindest schon mal zu einer konkreten "Daumengröße" kommt. -> http://www.impulse.de/rechner/unternehmen/:Unternehmenswertrechner--So-viel-ist-Ihre-Firma-wert/1004012.html

Je einfacher, desto falscher.

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@gandalf94305

So ein Rechner kann natürlich nur eine grobe Orientierung bieten. Die Frage ist doch eher, worum geht es dem Fragesteller? Denn wer für sich eine existentielle (Kauf-)Entscheidung zu treffen hätte, der geht wohl nicht ins FF-Net, sondern zum Wirtschaftsprüfer mit seiner Bewertungsfrage, oder?

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Diese Bewertung gibt es bei Dienstleistungsunternehmen mit sehr hohen Umsatzrenditen, bei denen der Unternehmenserfolg nicht überwiegend von der persönlichen Tätigkeit des Gesellschafter-Geschäftsführers abhängt

Meist wird jedoch eine Duchschnittszahl aus Substanz- und Ertragswert genommen (siehe Stuttgarter Verfahren).

Der wahre Wert eines Unternehmens definiert sich allerdings nur durch den Verkaufspreis, den eine Investor bereit ist dafür zu bezahlen. Dieser Preis ist vorher schwer einschätzbar, weil er oft von Stimmung, Zukunftserwartung und finanzieller Situation bei Käufer u. Verkäufer, sowie vom aktuellen Kapitalmarktzins abhängt.

Meist wird jedoch eine Duchschnittszahl aus Substanz- und Ertragswert genommen (siehe Stuttgarter Verfahren).

Na, davon hat sich die Wissenschaft Gottseidank seit 10 Jahren verabschiedet.

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@blackleather

Die "Wirtschaftswissenschaft" ist keine Wissenschaft, sondern blutleere Gedankenakrobatik mit einer Halbwertzeitzeit von 10 Jahren. Bewertet und gekauft werden Unternehmen von Unternehmern, nicht von Wissenschaftlern.

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Und nun auch noch mein Senf.

Wenn ich einen Betrag zur Verfügung habe, den ich einsetzen will, habe ich ja stets mehrere Möglichkeiten.

Ich könnte das Geld bei der Bank anlegen. Oder Aktien kaufen. Oder eben gleich ein ganzes Unternehmen. Oder eines gründen.

Bei der Bank bekomme ich 3% Zinsen. Die Aktien stehen dem vielleicht gleich.

Aber beim Unternehmen würde ich doch nur dann investieren, wenn meine ...ACHTUNG, FACHBEGRIFF!.... Eigenkapitalverzinsung mindestens der Rendite entspricht, die ich bei der Bank erziele. Oder?

Also muss ich die Ertragsaussichten ins Verhältnis setzen zu dem Investitionsaufwand. Der Fachmann "kapitalisiert" also und erhält als Ergebnis dieser Kapitalisierung den Wert des Unternehmens.

Die Frage lautet also: Was erhalte ich für einen eingesetzten Euro? Oder umgekehrt: Wieviel Euro muss ich einsetzen, also investieren, um einen Euro zu verdienen?

Dass das mit dem Umsatz wenig zu tun hat, leuchtet ein. Oder?

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