Wieviel ist eine Firma wert? Stimmt die Formel "Jahresumsatz mal 3"

4 Antworten

Lieber Fragesteller,

Ihre Frage zielt auf einen Anwendungsfall des sogenannten Multiplikatorverfahrens ab. Das Multiplikatorverfahren ist ein vor allem in der Praxis häufig angewandtes Verfahren für die Unternehmensbewertung, im Rahmen dessen man bestimmte Kennzahlen (wie z.B. den Jahresumsatz oder beispielsweise den Jahresüberschuss) mit einem bestimmten Faktor (oder eine Bandbreite) multipliziert, um zum Unternehmenswert zu gelangen (daher auch Multiplikatorverfahren). Die Faktoren werden dabei beispielsweise aus Transaktionen vergleichbarer Unternehmen abgeleitet - hierzu gibt es einige Quellen im Internet, welche solche Faktoren regelmäßig veröffentlichen.

Das Multiplikatorverfahren ist aber nur eine mögliche Methode für die Unternehmenswertfindung und wird - vor allem von theoretischer Seite - teils heftig kritisiert, weil es einige fundamentale Bewertungsgrundsätze vernachlässigt. Konsensfähiger und auch fundierter ist hier z.B. das sogenannte DCF-Verfahren, welches mit der Abzinsung zukünftig erwarteter Zahlungsströme arbeitet.

Gerade weil es bei Fragen der Unternehmensbewertung um zum Teil weitreichende und -tragende Entscheidungen geht, ist es enorm wichtig, hier nicht an notwendigen Ressourcen zu sparen und sich einen entsprechenden Experten an seine Seite zu holen. Professionelle Unternehmensbewertungen werden zum Beispiel vom folgendem Unternehmen angeboten:

https://www.group-r.de/

Viel Erfolg und beste Grüße

Kurze Antwort:

Der durchschnittliche Umsatz-Faktor schwankt je nach Branche eher zwischen 0.6 - 1.5 .

Aber:

wenn man es schon so simpel machen möchte, schaut mal lieber auf den operativen Gewinn und rechnet den mit einem Faktoren von 4-8, da man sich mit Umsatz ohne Gewinn nichts kaufen kann). Diese Multiplikatoren publiziert z.B das Magazin FINANCE regelmässig auf ihrer Website.

Kommt-drauf-an Antwort:

  • Ein strategischer Investor (oft grössere Firma in derselben Branche) zahlt in der Regel mehr als ein Finanzinvestor, da es Synergien gibt.
  • Wie nachhaltig sind die Gewinne des Unternehmens?
  • Was für eine Markstellung besetzt das Unternehmen?
  • Was ist das Marktpotential des Unternehmens?
  • Wie abhängig ist das Unternehmen vom Eigentümer, von einzelnen Grosskunden, von wichtigen Lieferanten?
  • Wie hoch sind die Eintrittshürden in den Markt des Unternehmens?
  • ...

Am aufschlussreichsten ist es, die Perspektive der potentiellen Käufer einzunehmen. Ein Artikel, welcher das macht, findest du zum Beispiel hier: https://www.nimbo.ch/blog/4-zentrale-Fragen-zum-Firmenwert


Ich habe noch eine Anmerkung zu dem Thema. Leider ist es nicht ganz so einfach, es gibt auch verschiedene Wege, den Wert zu ermitteln. Welches Verfahren der Fagensteller hier anführt, klingt nach dem Vereinfachtes Ertragswertverfahren. 

Dieses Verfahren verwenden Finanzämter zur Ermittlung des Unternehmenswert um die Erbschaft- und Schenkungsteuer zu berechnen: Das durchschnittliche Betriebsergebnis der letzten drei Jahre wird mit einem Faktor multipliziert, der vom Bundesfinanzministerium festgelegt wird (seit 2016 liegt dieser Kapitalisierungsfaktor bei 13,75) 

Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, dem kann ich sehr das Buch Nicolas Schmidlin „Unternehmensbewertung & Kennzahlenanalyse: Praxisnahe Einführung mit zahlreichen Fallbeispielen börsennotierter Unternehmen“ (http://ist-das-gut.com/unternehmensbewertung-kennzahlenanalyse-praxisnahe-einfuehrung-mit-zahlreichen-fallbeispielen-boersennotierter-unternehmen/) empfehlen.

 Sehr anschaulich an gut Bespielen beschrieben. Neben dem Vereinfachtes Ertragswertverfahren gibt es u.a. auch noch das Substanzwertverfahren, Vergleichswertverfahren, Ertragswertverfahren und AWH-Verfahren.

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