Wieso sollte man bei ETFs die im Ausland aufgelegt sind, lieber die ausschüttende Variante nehmen?

1 Antwort

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Du hast bei einem ausländischen Fonds drei Varianten, wie dieser seine Erträge darstellen kann:

  • ausschüttend: dann wird jedes Jahr ausgeschüttet und die Steuern werden abgezogen. Beim Verkauf wird nur der Kursgewinn besteuert (incl. ggf. Zwischengewinne).

  • null-thesaurierend (ausschüttungsgleiche Erträge = 0): das ist der Fall, wenn die Zuwächse im NAV nicht über Zinsen und Dividenden, sondern über Kursgewinne und Derivate (z.B. Swaps) realisiert werden. Die gesamte Besteuerung erfolgt dann nachgelagert beim Verkauf über den Kursgewinn.

  • thesaurierend (ausschüttungsgleiche Erträge > 0): dann wird von Dir jedes Jahr erwartet, die ausschüttungsgleichen Erträge in der Einkommensteuererklärung selbst anzugeben und zu versteuern. Beim Verkauf des Fonds kommt es aber zu einer Doppelbesteuerung, d.h. die thesaurierten Erträge der Haltezeit werden dann nochmals von der Bank versteuert. Per Einkommensteuererklärung und Nachweis der bereits erfolgten Besteuerung bekommst Du das dann im Folgejahr zurückerstattet.

Nur der dritte Fall ist etwas unbequem, da man die Doppelbesteuerung zurückfordern muß. Im Endeffekt sind alle drei Verfahrensweise identisch.

Ich wähle Fonds in der oben genannten Priorisierungsreihenfolge aus. Allerdings nehme ich lieber einen gut laufenden, thesaurierenden Fonds, als einen schlechter laufenden Ausschütter. Geht es jedoch bei einem ausgewählten Fonds darum, welche Anteilsklasse man nimmt, dann wäre die Wahl entsprechend zu treffen.

Gute und richtige Darstellung. Nur meine Umsetzung hat eine andere Priorisierung:

  1. Bis zur kompletten Ausschöpfung des Freistellungsauftrages (801 / 1602 €) würde ich nur ausschüttende Fonds wählen, denn die Erträge sind dann abschließend "besteuert" durch den Freibetrag, d.h es fällt auf diese Erträge eben gar keine Steuer an.

  2. Oberhalb des Freibetrages würde ich thesaurierende Fonds mit Auslandssitz bevorzugen, denn dann fällt zunächst noch gar keine Besteuerung im Fonds an, sondern erst bei Verkauf der Position (dann auf die gesamte Kurssteigerung).

  3. Wer sich der Mühe unterzieht, die Erträge schon vorab jährlich zu deklarieren, muss im Verkaufsfalle dann die schon gezahlten Steuern gegenrechnen, um einer Doppelbesteuerung der Erträge zu entgehen.

Vgl. auch http://www.finanzfrage.net/tipp/wie-errechnen-sich-auslaendische-quellensteuern

0
@GAFIB

3. Wer sich der Mühe unterzieht,

Wer sich nicht der Mühe unterzieht und deshalb für die thesaurierten Erträge keine Kapitalertragsteuer zahlt, erleichtert den Erben oder Beschenkten dieser Fonds natürlich erheblich die Arbeit, da sie nichts nachzuweisen haben. Und der Blick in die Steuerunterlagen des Erblassers unterbleiben kann:-)

Offenbar ist die Müheverweigerung und Nichtdeklaration keine Steuerhinterziehung/-verkürzung, die noch mit Nachzahlungszinsen von 6 % p.a. bewehrt ist.

0
@GAFIB

ad 1: Auch thesaurierende Fonds müssen im Jahr, in dem ausschüttungsgleiche Erträge anfallen, versteuert werden. Diese werden natürlich gegen verbleibende Anteile des Sparerpauschbetrags verrechnet, d.h. das macht keinen Unterschied. Wohl aber macht es einen Unterschied, wann diese Besteuerung erfolgt. Man kann daher gegen Jahresende noch ggf. gegensteuern, indem man Zwischengewinne zahlt oder Verluste steuerlich realisiert.

ad 2: Es fällt keine Besteuerung im Fonds an. Es ist jedoch der ausschüttungsgleiche Ertrag im Kalenderjahr des Zuflusses zu versteuern. Daher fällt nur im zweiten meiner drei genannten Fälle die komplette Steuer erst beim Verkauf an.

ad 3: Das ist nicht eine Option, sondern das Steuergesetz. Die ausschüttungsgleichen Erträge gelten mit dem Geschäftsjahresende als zugeflossen, d.h. sind in dem betreffenden Kalenderjahr zu versteuern. Punkt. Ansonsten ist das potentiell Steuerhinterziehung.

Insbesondere scheint Dir nicht klar zu sein, daß Du anrechenbare ausländische Quellensteuern, die der Fonds mit der Thesaurierung bescheinigt, ansonsten verschenkst, da sie nur im Veranlagungsjahr anzuwenden sind und steuermindernd wirken können, nicht aber im Jahr der Veräußerung später.

1
@LittleArrow

Man würde damit die Option verschenken, thesaurierte Erträge gegen die Freistellungsaufträge und anrechenbaren Quellensteuern jeden Jahres zu verrechnen.

Die genaue Planung mit ausschüttenden und thesaurierenden Anteilsklassen läßt sich nicht so durchführen, daß man genau den Freistellungsauftrag ausschöpft und nur die Thesaurierungen verschweigt.

0
@LittleArrow

Die Rechtslage ist klar. Warum aber besteuert das FA bei Positionsverkauf nochmals den gesamten Kursgewinn, selbst wenn bereits vorab korrekt versteuert wurde? Ich vermute, weil 90% der Anleger diesen Zusammenhang ohnehin nicht kennen und sich das FA jedenfalls schadlos halten möchte bei Verkauf (und lieber 2-fach besteuert als gar nicht). Ich sehe da übrigens Handlungsbedarf in der Politik, diesen "unmöglichen" Zustand der Zinsbesteuerung zu vereinfachen.

1
@GAFIB

Natürlich ist die Rechtslage klar. Darum muß man sich daran halten. Auf nichts anderes habe ich hingewiesen.

Ich sehe Handlungsbedarf in der Politik zu einer ganzen Reihe von Anlagethemen. Da ist die individuelle Mitwirkung jedes einzelnen gefragt. Es kann nur geschehen, was in der Breite artikuliert und gewünscht wird. Solange das Feindbild der Kapitalanleger, Fonds und Banken existiert, wird sich jedoch hier nichts tun.

Solange nicht die breite Bevölkerung ein deutlich besseres Verständnis der Kapitalmärkte und ihrer Akteure und Instrumente hat, dürfte sich auch der politische Wille zu sinnvollen Veränderungen in Grenzen halten. Daher kann ich meine Forderung nach einem mandatorischen Schulfach, das dies behandelt, nur reiterieren.

(Ja, das mache ich jetzt auch mal fett, da es wichtig ist)

0
@gandalf94305

Die "Schulfach-Idee" finde ich ausgezeichnet, da kann ich nur aus voller Überzeugung zustimmen. Ich fürchte allerdings, die Bankenlandschaft wäre eher gegen aufgeklärte Anleger ;-)

Wo hast Du denn deine Forderung platziert, bereits in der Politik?

1
@GAFIB

Na ja, mit der Bundeskanzlerin gab es noch keine Möglichkeit das zu besprechen :-) Aber ich platziere es bei jedem Politiker, den ich in die Finger kriege...

1
@GAFIB

Warum aber besteuert das FA bei Positionsverkauf nochmals den gesamten Kursgewinn

Die Besteuerung des Verkaufgewinns erfolgt nicht durch das Finanzamt, sondern durch die Bank, die ja nicht weiß, ob der Sparer die jährlichen thesaurierten Erträge auch in seiner ESteuererklärung angegeben hat. Die Bank wird durch die BMF-Anweisungen zu diesem Handeln gezwungen.

Ich stimme mit Dir darin überein, dass ein Ausweg gegen die Doppelbesteuerung bzw. gegen den Dokumentationsaufwand des Anlegers gesucht werden sollte.

0
@LittleArrow

Habe ich richtig verstanden, dass hier die Meinung vertreten wird, dass bei ausländisch-thesaurierenden Fonds, deren Erträge nicht in der jährlichen Steuererklärung (Anlage KAP) angegeben wurden, durch die Steuerzahlung bei Verkauf alle unterlassen Steuerangaben der Vorjahre erledigt sind? Dass der Anleger quasi ein Wahlrecht hätte, wann er versteuert und dementsprechend kein steuerrechtliches Vergehen vorliegt? Das habe ich aus anderen Quellen ganz anders verstanden!

Ich würde mich über eine kurze Klarstellung freuen.

0
@abcdefg1

Es gibt kein Wahlrecht. Erträge müssen angegeben werden und das gilt auch für ausschüttungsgleiche Erträge, die thesauriert werden.

Da der deutsche Fiskus jedoch ein enormes Vertrauen in die Steuertreue der lieben Bürger dieses Landes hat, werden die Banken verpflichtet, die ggf. nicht angegebenen Erträge der Haltezeit bei der Veräußerung nochmals zu besteuern, wenn es sich um ausländische thesaurierende Fonds handelt. Man bekommt dann per Finanzamt über die Einkommensteuererklärung in Folgejahr des Verkaufs die zuviel gezahlten Steuern zurück - wenn man die korrekte Versteuerung in den Vorjahren nachweisen kann. Das ist eigentlich Unsinn, angesichts der systematischen Steuerhinterziehung, zu der hier sogar in manchen Postings weiter geraten wird, nicht verwunderlich.

Siehe auch meinen Kommentar unten vom 20.10.2013 01:18 Uhr.

1

Steuer-Nachteil von Swap-ETFs durch fehlende Anrechenbarkeit der Quellensteuer?

Es wird ja überall geschrieben, dass Swap-ETFs gegenüber physisch replizierenden ETFs den Vorteil hätten, dass Dividenden steuer- und gebührenfrei wiederangelegt werden und dass dadurch ein Steuerstundungseffekt entsteht. So weit ist das für mich nachvollziehbar. Aber ist das die einzige steuerlich relevante Eigenschaft?

Mir ist aufgefallen, dass die ausländischen Quellensteuern nicht steuerlich anrechenbar sind. So heißt es bei Comstage (LU0392496344), dass nur Dividenden abzüglich (ausländischer) Quellensteuer berücksichtigt werden. Bei einem physischen Replizierer wäre diese Quellensteuer auf die deutsche Kapitalertragssteuer anrechenbar (je nach DBA), bei einem Swapper kommt der Privatanleger nicht in diesen Genuss: Beispiel: 1. 1000 Euro Bruttodividende in 2013, davon 850 Euro Nettodividende im Fonds wiederangelegt (15 % Quellensteuer sind im Ausland angefallen). Keine Thesaurierungsfiktion, daher kein ordentlicher (steuerpflichtiger) Ertrag für den Anleger. 2. Verkauf in 2014. Die 850 Euro Nettodividende sind ja in Kursgewinne umgewandelt worden, sodass sie nun voll der deutschen Kapitalertragssteuer unterliegen. Es bleiben dem Anleger nach Steuer nur noch 637 Euro nach Steuern (Soli vernachlässigt) von den 1000 Euro Bruttodividende.

Bei physischer Replikation wären 750 Euro übrig geblieben (Durch die Anrechenbarkeit). Begehe ich hier einen Denkfehler? Haben die KAGs die Möglichkeit, die ausländischen Quellensteuer anrechnen zu lassen, sodass doch die Bruttodividende dem Fonds zufließt? Oder ist das wirklich ein Nachteil von Swappern?

...zur Frage

Steuerbescheinigung von Ebase und ausl. Quellensteuer

Hallo, gerade habe ich noch einmal eine Steuerbescheinigung von Ebase für mein Fonds-Depot erhalten. Darin ist u.a. vermerkt: "ausl. Quellensteuer -107,15". Wenn ich aber die An- und Verkäufe von 2013 addiere, komme ich auf wesentlich weniger als 107,15€. Der als Einzel-Position mit der höchsten Quellensteuer (18,86 Euro) vermerkte BL Eq. Dividend (ISIN LU0309191491) ist ein ausschüttender Fonds aus Luxemburg. Frage a): sehe ich das richtig, dass ich mir die 18,86 Qst mit diesem Formular http://www.steuerliches-info-center.de/DE/AufgabenDesBZSt/AuslaendischeFormulare/Quellensteuer/Downloads_und_Links/054_Luxemburg_Modele901bis.pdf;jsessionid=E1FE3FDDC791AA8B442C307433EDCCF4?__blob=publicationFile ? bei der Luxemburger Steuerbehörde erstatten lassen könnte ? ... Frage b): weiterhin ist in der Ebase-Bescheinigung vermerkt: "Quellensteuer aus ausl. thes. Fonds = 12,51€ und Überzähliger kaE (kumulierter ausländischer Ertrag) = 537,64€" Diese Einträge kann ich ignorieren und kann auch keinen Vorteil daraus ziehen? Für Antworten: danke im Voraus !

...zur Frage

Wie ist eure Einschätzung zum ETF iShares Stoxx Global Select Dividend?

Der Index bietet Zugang zu 100 Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen aus dem STOXX Global 1800 Index. Der Index enthält ausschließlich Unternehmen, deren Dividende je Aktie in den vergangenen fünf Jahren nicht gesunken ist und deren Dividende zu Gewinn je Aktie weniger oder gleich 60 Prozent in Europa, Latein- und Nordamerika bzw. 80 Prozent in Asien-Pazifik beträgt. Der Index ist entsprechend der Netto-Dividendenrendite gewichtet.

Rein vom Kursverlauf her finde ich die Entwicklung für einen passiven Fonds gar nicht so ganz schlecht und auch nicht so volatil in Krisenzeiten. Hinzu kommen regelmäßige Ausschüttungen (ca. 3-4 %) und geringe Kosten.

Eure Einschätzung? Bessere Alternativen (unter Einbeziehung der Kosten)?

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?