Wie würdet Ihr das Rentensystem für die Bevölkerung ändern, wenn Ihr in der Regierung wärt?

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Hallo Patrizia425, in Deutschland hat man - meiner Meinung nach - schon einige neue Gesetze gemacht, um die Rente weiter zu reformieren bzw. zu sichern. Ich nenne da nur die "Rente67", die Änderungen (Kürzungen) bei den vorzeitigen Renten wegen Erwerbsminderung, auch bei Hinterbliebenenrenten und den Kürzungen bei den vorzeitigen Altersrenten. Außerdem wurden schon vor Jahren die "schönen Regelungen" zur Bewertung der Schul- und Studienzeiten abgeschafft. Auch die Rentenformel wurde geändert, das Rentenniveau abgesenkt (viele Menschen denken, es wurde zu weit gesenkt).

Ich denke über kurz oder lang wird man nicht darum herumkommen, das Renteneintrittsalter noch mal anzuheben, ich rechne da mit 70 Jahren, was eigentlich gar nicht so neu nicht wäre. Als die Rente von Bismarck eingeführt wurde, lag das Renteneintrittsalter damals schon bei 70 Jahren, was damals kaum jemand erreicht, doch heute werden die Leute viel älter, beziehen also viel mehr Jahre die Leistungen der Rentenversicherung, daher denke ich, es wäre ok und nötig, das Alter so langsam auf die 70 wieder anzuheben. Wer vorher gehen will, müßte dies privat oder betrieblich absichern. 

Die Rente 63 ohne Abschläge, die es seit 1. Juli 2014 für nur wenige Jahrgänge ohne Kürzungen gibt (die Jüngeren sind wieder in der Anhebung auf 65 Jahre) halte ich für kontraproduktiv und im übrigen für sehr ungerecht, denn warum werden die 45 Arbeitsjahre eines 1960 Geborenen nicht so "geschätzt" - als wenn er 1952 geboren ist? Der 1952 Geborene kann mit 63 ohne Abzüge gehen, der 1960 Geborene nicht, hier scheint es mir als wurde das Gesetz für einen sehr begrenzten Personenkreis gemacht (quasi für ältere Stammwähler der SPD). 

Ich würde auch vorschlagen, die private Altersvorsorge (sei es Riester, Rürup oder normale priv. Altersvorsorge) verpflichtend zu machen, denn sonst wird der Personenkreis wachsen, der im Alter auf die Grundsicherung angewiesen ist, was der Steuerzahler zu leisten hat. Evtl. sollte man auch die Förderungen (Riesterzulage oder ähnliches) für Geringverdiener erhöhen, so daß sich das Sparen fürs  Alter noch mehr lohnt.

Und dann würde ich die "Personengrundlage" für die Rentenversicherung verbreitern, es sollte nicht sein, daß Selbständige und freie Berufe wie Ärzte, Zahnärzte, Architekten, Rechtsanwälte und auch Beamte usw. hier eigene Versorgungswerke haben und sich nicht an den gesamtgesellschaftlichen Ausgaben (z. B. Kinderrente, Lasten vom 2. Weltkrieg wie Ersatzzeiten usw.) nicht beteiligen. 

Das ist ein Diskussionsthema und damit wohl nicht mit den Forenregeln vereinbar.

Da es aber auch eines meiner Lieblingsthemen ist, hier meine Antwort:

Bereits heute kommen 50 % der ausgezahlten Renten aus dem Bundeshaushalt und nicht aus Rentenbeiträgen. 

Viele Rentner müssen zusätzlich zur Rente Wohngeld, oder Grundsicherung beantragen.

Ich würde daher eine steuerfinanzierte Grundrente zahlen, damit jeder Rentner ein Mindesteinkommen hat. Das würde natürlich dazu führen, das die Steuern erhöht würden, im Gegenzug würden die Rentenbeiträge ja entsprechend entfallen. Wer im Alter mehr haben will als die Grundrente, zahlt freiwillige Beiträge. Zum Ausgleich der Arbeitgeberbeiträge, würde die kaum noch bekannte "Lohnsummensteuer" wieder eingeführt, die wir schon mal als Teil der Gewerbesteuer hatten.

Natürlich müsste auch eine Übergangszeit bewältigt werden.

Vorteile: Kein Gerede mehr über Minirenten, keine Anträge von Rentnern für Grundsicherung usw.

Auch würden praktisch alle in die Rentenkasse zahlen, weil sie ja eine Steuersache ist. Keine Beitragsbemessungsgrenzen usw. Auch würden über den Arbeitgeberbeitrag (bisher und auf die Rentenbeiträge beschränkt), auf dann Lohnsummensteuer auch die Gehälter der Vorstände belastet. Also würde auch das Gehalt von Winterkorn, Zetsche usw. mit für die Renten beitragen.

Hi wfwbinder, Diskussionsfragen sind NEU schon erlaubt :-)

Also die Grundrente à la Biedenkopf. Mmh aber viele Leute (Geringverdiener, Familien mit einigen Kindern und kl.Einkommen, Sozialhilfe/AlgII-Bezieher usw. zahlen gar keine oder nur wenig Steuern und würden auch die Grundrente bekommen, die dann wohl über Sozialhilfeniveau liegt. Wo bleibt dann der Anreiz fürs Alters vorzusorgen, wenn man auch so gut versorgt ist?

Bisher bekommen Kleinstrenter NUR die Aufstockung auf Sozialhilfeniveau - mehr nicht. 

Und die Ansprüche der bisherigen Beitragszahler dürften nicht verfallen, sonst gibts ein Problem mit dem Grundgesetz (Eigentumsgaranie), die Übergangszeit ginge über mind. 5 Jahrzehnte, weil heute 15jährige ja schon selber und mit ihren Arbeitgebern einzahlen. 

Ich bin da mehr für die selber erarbeitete und eingezahlte Rente. Und zu Deiner Anmerkung, die Rente sei heute schon zu 50 % von Steuermitteln finanziert, kann ich nur sagen, die Politik greift IMMER WIEDER in die Rentenkasse, sei es bei Aussiedlerrenten, DDR-Renten, Ersatzzeiten, Anrechnungszeiten (Zeiten ohne eigentlich geleisteten Beitrag) und zuletzt die Erhöhung der Mütterrente, die zwar richtig und gerecht ist, aber die nächsten Jahre erst mal aus der Rentenkasse allein bezahlt wird, weil grad Überschüsse da sind, eine Frechheit nach meiner Meinung, da verspreche ich auch gerne Leistungserhöhungen und lasse sich von jemanden anders (hier den Beitragszahlern Arbeitnehmer und Arbeitgeber) zahlen. 

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@Rentenfrau

Du hast schon Recht, auch so eine Regelung mag zu ungerechtigkeiten führen, aber die Vermischung von Rentenkasse mit Sozialhaushalt, Ausgleich über Grundsicherung führt zu einem sinnlosen Mischmasch.

Ausserdem, wenn die Rentenbeiträge, weil die Grundrente aus Steuermitteln kommt, wird ja auch die Steuer früher anfangen, weil die Rentenbeiträge entfallen. Also da wo heute der Rentenbeitrag anfängt, bei 451,- Euro. Eingangssteuersatz 1 % und dann steigen, so das wir ja bei 900,- schon fast beim Rentenbeitrag wären Sagen wir 8 % von 900,- gleich 72,- usw. Man könnte bei der Maßnahme auch gleich den Mittelstandsbauch ausgleichen. Sieh mal für was heute schon alles Steuermittel genutzt werden. Renten, KV Beiträge usw.

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Ich meine, das wir auf hohen Niveau jammern.

Meiner Meinung nach ist das deutsche Rentensystem  das beste unter den vorhandenen. 

Die oft genannten Alternativen Schweiz und Schweden haben Schwächen im Detail. Insbesondere das Schweizer Rentensystem - so gerecht es auch erscheinen mag - sichert nicht ganz die Rentenhöhe zu, die das deutsche System erreicht. 

Wäre  das deutsche Rentensystem nicht  durch die sozialababefreien Minijobs verwässert worden und das Geld, das in die Rentenkassen eingezahlt wird auch nur für die Rentner da, wäre alles im grünen Bereich.

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