Wie würdet ihr 20- 30k investieren?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
  1. Reserveliquidität auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto vorhalten (mind. für einen Monat bzw. größere, absehbare Ausgaben in der näheren Zukunft)
  2. Schulden tilgen, sofern dies möglich ist.
  3. Eine Position in moderaten Mischfonds als mittelfristig stabile, wenig volatile Rücklage, die kurzfristig liquidiert werden kann.
  4. Ein diversifiziertes Portfolio aus Aktien-, Renten- und Mischfonds, das nach Deinem Risikoempfinden und Anlagehorizont zusammengestellt und über Sparpläne schrittweise ausgebaut wird

Zu Punkt 1: früher hätte man zu einer Liquiditätsreserve von 2-4 Monaten auf Tagesgeld geraten - je nach Lebenslage. Tagesgeld und Girokonten liefern heute praktisch die gleichen Zinsen (nämlich Null), so dass ein liquides Girokonto für einen Monat ausreichen sollte, damit die laufenden Ausgaben dieses nicht ins Minus ziehen und damit Kosten verursachen.

Zu Punkt 2: Schulden tilgen habe ich tatsächlich an zweiter Stelle positioniert, da nämlich die Reserveliquidität aus meiner Erfahrung für das tägliche Auskommen wichtiger ist als komplett unverschuldet zu sein. Darlehenskosten sind planbar und Planbarkeit ist ein wichtiges Ziel einer persönlichen Finanzstrategie.

Zu Punkt 3: es gibt Mischfonds, die als Ziel den Kaufkrafterhalt und eine geringe Volatilität haben, sowie eine Rendite von 1-3% p.a. zusätzlich abwerfen. Das ist quasi das "Tagesgeldkonto" von früher, auf dem man noch Zinsen bekommt. Das kann erst mal Deine einzige Anlage sein... oder sie wird durch Punkt 4 ergänzt.

Zu Punkt 4: Rohstoffe, Cryptowährungen und andere Fremdwährungen werfen keine Rendite ab. Diese sind entweder Spekulationen auf Preisentwicklungen oder dienen als träge Masse zur optischen Pufferung von Volatilitäten. Daher ignoriere ich diese. Immobilien kann man über Immobilienaktien in das Portfolio bringen. Klassische Immobilienfonds halte ich persönlich für einen langfristig orientierten Einsteiger für nicht angebracht. Einzelne Aktien und Renten wären aufgrund mangelnder Erfahrung ebenso nicht zu empfehlen.

Verfalle nicht dem Geizwahn und enge nicht Dein Blickfeld auf ETFs ein, da diese optisch günstig erscheinen. Der Pfad der Tugend ist eine solide Planung auf Basis Deiner Risikotoleranz, Deiner Anlageziele womit Du Dich wohlfühlst. Das erfordert Beratung - aber Berater haben ggf. auch eigene Interessen. Daher ist es nicht falsch, mehrere Alternativen zu explorieren und schließlich zu nehmen, was Dir plausibel und verträglich erscheint.

Es gibt heute Depots ohne Depotführungsgebühr, mit Erlass von Ausgabeaufschlägen und ohne Transaktionskosten für Fonds. Es gibt für viele Fonds sog. Clean-Share-Anteilsklassen, die geringere laufende Managementkosten verlangen als die üblichen Anteilsklassen, und dann sind da noch ETFs, die einfach Indexen folgen und dadurch geringe Managementgebühren aufweisen. All das ist jedoch der letzte Schritt in der Kostenoptimierung. Zunächst mal musst Du mit jemandem eine Allokation ausarbeiten, die verschiedene Anlagesegmente bewertet und gewichtet. Dann werden passende Anlageinstrumente (z.B. Fonds oder ETFs) für diese Anlagebereiche herausgesucht. Grundsätzlich:

  • Diversifizieren, jedoch nicht verzetteln
  • Du lebst im EUR-Wirtschaftsraum, also sollten die Fondswährungen primär auf EUR lauten. Für Fremdwährungen gibt es für die Konversion weitere Gebühren, die sich vermeiden lassen.
  • Wähle nicht exotische Wirtschaftssegmente (z.B. Fonds zu Robotik und künstlicher Intelligenz), sondern erst mal marktbreite Anlagen (z.B. Deutschland, Europa, Nordamerika, Emerging Markets, China, gemischte Rentenfonds).
  • Von Inhaberschuldverschreibungen und anderen Zertifikaten würde ich für den Anfang generell abraten, da diese Produkte für harmlose Privatanleger entweder wenig rentabel oder mit deutlichen Risiken behaftet sind. Banken verdienen damit gutes Geld.

Lies Dich in die Materie etwas ein, um ein gewisses Hintergrundwissen (sofern nicht von Schule oder Ausbildung vorhanden) zu bekommen, das Dir plausibilisiert, warum Anlagen in Aktien und Renten sinnvoll sind und wie das funktioniert.

Und schließlich ist es kein Fehler, unverbindlich (!) Berater zu konsultieren. Das kann der Berater Deiner Lieblingsbank sein, ein Berater bei einer ganz anderen Bank oder aber ein unabhängiger Honorarberater. Es ist interessant, auch mal automatisierte Roboinvestor-Vorschläge ausrechnen zu lassen und zu prüfen. Hinterfrage alle Vorschläge und Empfehlungen und lasse Dir die Gründe für Auswahlen von Fonds etc. darlegen. Kläre Risiken ab und prüfe, ob das für Dich auch am nächsten Tag noch Sinn macht. Wenn Dir irgendwelche Vorschläge gemacht werden, die noch nicht so ganz klar sind, kannst Du diese durchaus auch in einem Forum wie hier zur Diskussion stellen, um einen weiteren Input zu haben.

Keine Panik, wenn die Märkte mal abtauchen - das sind für marktbreite Anlagen wieder günstige Einstiegschancen. Markttiming für harmlose Privatanleger funktioniert nicht (also z.B. jetzt noch schnell in Aktien von Unternehmen investieren, die von Joe Biden profitieren werden - das haben andere vor langer Zeit schon getan und die Aktien sind jetzt nicht mehr Schnäppchen). Du wirst immer weniger wissen als professionelle Investoren.

Das quartalsweise oder jährliche Rebalancing, d.h. die Rückkehr zu den ursprünglich geplanten Anteilen der Anlagesegmente in Deinem Portfolio, hilft langfristig durch Aufstocken schlecht gelaufener Segmente oder Reduktion sehr gut gelaufener Bereiche die Strategie durchzuhalten.

In der Ruhe liegt die Kraft, aber spätestens jährlich solltest Du auch Positionen und Allokationen auf den Prüfstand stellen. Manche Fonds erfüllen die Erwartungen nicht. Auch hier kann ein Berater helfen.

Danke für deine ausführliche Antwort :)

Ich werde mich wohl etwas mehr mit dem Thema beschäftigen müssen ^^

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Korrekte, umfassende Empfehlung.

Kleine Anmerkungen:

Schuldentilgung sollte immer noch an erster Stelle stehen (wobei der FS wohl gar keine hat), denn die Reserveliquidität durch einen Dispo auf dem Girokonto ist (sofern es nicht im Dauerminus steht, das wäre dann aber auch ein vorrangig zu tilgender Kredit) immer noch günstiger, als laufende Kreditzinsen.

Warum nicht ein Tagesgeldkonto als Liquiditätsreserve? Ein paar Minizinsen bis 0,5% gibt es immer noch und ich persönlich halte es für besser, wenn die Reserve getrennt vom Girokonto liegt. Für manchen ist es besser, wenn dieses Geld "außer Sichtweite" liegt, weil man einen besseren Überblick hat und die Verführung nicht so groß ist.

Verfalle nicht dem Geizwahn und enge nicht Dein Blickfeld auf ETFs ein, da diese optisch günstig erscheinen

Das hat nicht unbedingt etwas mit Geiz zu tun. Ein unerfahrener Anleger, der die Qualität eines Beraters und möglicher anderer Geldanlagen noch nicht beurteilen kann, ist mit einer weniger riskanten langfristigen Anlage in einen breitgestreuten ETF oder einen entsprechenden ETF-Sparplan zunächst gut bedient.

Wenn er dann den zweiten Teil Deiner Antwort ab

Lies Dich in die Materie etwas ein ...

hinter sich hat, kann er sich auch an andere Anlagen wagen.

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@Zappzappzapp

ad Schulden) Man bekommt heute Darlehen mit entsprechender Besicherung, die unter 1,5% Zinsen p.a. liegen. Das ist günstiger als ein Dispokredit oder Rahmenkredit. Natürlich muss man immer die Kosten abwägen, aber wenn beispielsweise längerlaufende, günstige Darlehen bestehen, sollte man diese als geplanten Betrag lieber hinnehmen, dann aber das Girokonto im Plus führen, als die Darlehen schnell zu tilgen und dafür ein Jahr oder länger den teuren Disporahmen zu strapazieren. Aber das ist akademisch, denn der Frager scheint ja keine Darlehen zu haben.

ad Tagesgeldkonto) Klar, die Trennung ist sinnvoll. Bei N26 lassen sich "Spaces" anlegen, bei anderen Banken sind das Tagesgeldkonten mit sogar einer geringen Verzinsung (0,5% ist schon seeeeehr viel).

ad ETF) Ich investiere selbst in ETFs mit ca. 1/3 meines Vermögens und das praktisch seit es ETFs in Deutschland zu kaufen gibt. Dennoch setzen IMHO ETFs ein aktiveres Anlegerverhalten und mehr Erfahrung voraus, als dies oft suggeriert wird. Man muss laufend die Marktsegmente, die abgebildet werden, neu bewerten und prüfen. Ich würde behaupten, dass es für jedes liquide Aktiensegment mit ETFs auch attraktive, aktiv gemanagte Fonds (z.B. mit Clean-Share Anteilsklassen) ohne Zusatzkosten zu kaufen gibt, die die zugrundeliegenden Indices mittel- und langfristig schlagen oder zumindest nicht schlechter liegen. ETFs haben typischerweise Börsenkosten (außer man kauft sie z.B. bei einer FFB). Das bedeutet nicht, dass ETFs nicht ihre Berechtigung haben - nur sehe ich das für Einsteiger eher nicht. Das ist aber weniger eine objektive Angelegenheit - eher eine ideologisch-philosophische :-) Your mileage may vary.

Wichtiger als solche religösen Fragen ist mir jedoch, dass ein Einsteigeranleger sehenden Auges und mit Verständnis einsteigt - nicht nur, weil irgendwelche Börsenpropheten etwas propagieren oder obskure Berater goldene Zeiten versprechen. Anleger müssen eine Kritikfähigkeit entwickeln. Daher fordere ich auch schon seit langem, Finanzwissen als Schulfach einzuführen, um dies in die Breite zu bringen.

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@gandalf94305

Ich spreche nicht von Schulden, die durch einen Dispo ersetzt werden, das wäre natürlich zu teuer,

... die Reserveliquidität durch einen Dispo auf dem Girokonto ist ( sofern es nicht im Dauerminus steht) ...

Und das Thema ETF oder aktiv gemanagter Fonds ist wohl wirklich eine fast religiöse Frage. Ich tendiere nun mal zu ETFs oder alternativ gleich zur Direktanlage in Aktien.

Dass es aktiv gemanagte Fonds gibt, die Vergleichsindexe über einen bestimmten Zeitraum schlagen, ist unbestritten, aber je länger der Zeitraum, desto weniger werden es nachweislich. Wer es mag, kann ja versuchen einen von diesen zu finden. Ich halte dies nach wie vor für einen absoluten Anfänger nicht für empfehlenswert, nach welchen Kriterien sollte dieser entscheiden?

Wenn man einen sehr breit gestreuten ETF, wie z.B. auf den MSCI World nimmt, muss man nicht laufend neu bewerten und prüfen. Aber wie Du schon geschrieben hast, das scheinen religiöse Fragen zu sein.

Einigen wir uns also auf den letzten Absatz, dem man uneingeschränkt folgen kann.

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Die Frage lässt sich ohne mehr Informationen nicht sinnvoll beantworten.

Für was brauchst du das Geld in Zukunft evtl? Ist ein Studium etc geplant? Wie sieht deine sonstige finanzielle Situation aus? Usw.

Ich mach grad ein Duales Studium, bekomm also bisschen Geld. Reicht momentan locker zum Leben, auch jeden Monat noch was übrig.

Für was brauch ich das Geld... Vlt mal ne Wohnung / Haus oder ein cooles Auto. Ich will es primär nicht einfach liegen lassen, wegen Inflation und keine Zinsen ^^

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@hallodanke

Mein persönlicher mix in dieser Lebenssituation wäre einiges an liquidität, also tagesgeld. Da Auto, Wohnung etc ja in den nächsten Jahren anstehen wird. Der teil der länger verfügbar ist in ETF und einen kleinen teil in p2p

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Ich mache das täglich. Auch für 18-jährige. Nur weiß ich deshalb, dass die auch nicht anders beraten werden wie Menschen jeden anderen Alters.

Jeder Hinweis in irgendeine Richtung wäre mir verboten. Wenn dir jemand eine Empfehlung gibt, wäre das nicht wirklich ein Hinweis darauf, was du mit dem Geld machen solltest. Es könnte für speziell dich die blödeste aller Möglichkeiten sein.

Ich habe ja nicht gefragt, was ihr mir raten würdet, sondern wie ihr 30k anlegen würdet ;D

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@hallodanke

Du triffst Deine eigene Entscheidung, aber:

Was andere machen würden, ist zwar sicher interessant zu wissen, da Du aber letztlich Anregungen für Dich selbst haben möchtest, bringt es Dir absolut nichts, das zu wissen.

Diese anderen könnten völlig andere Ziele haben und deren Anlagestrategie ist möglicherweise für Dich völlig ungeeignet, ohne dass Du das als unerfahrener Anleger beurteilen könntest.

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Sieben Essentials für die erste Investition

  1. Erstellen eines Entnahmeplanes. Daraus ergibt sich der Anlagehorizont für Teile dieser Rücklage.
  2. Erwägung hochproduktiver Investitionen. Ausbildung und Weiterbildung erhöhen das Gesamteinkommen. Kannst Du Dir vorstellen parallel zu Deiner beruflichen Bildung ein Fernstudium zu absolvieren?
  3. Festlegung von akzeptablen Verlustmargen. Die Verlusttoleranz entscheidet über die Zusammensetzung Deiner Anlageklassen.
  4. Investition in 5 Anlageklassen inclusive Reserveliquidität. Bei absehbarer Entnahme innerhalb des ersten Anlagejahres 6 Anlageklassen.
  5. Abwarten des Nadirs des 8. Konjunkturzylus der BRD vor irgendeiner Investion
  6. Beobachtung von Anlageprodukten in der Rezession des 8. Konjunkturzyklus.
  7. Schrittweises Investment. Wo ständest Du heute, wenn Deine Anlage knapp vor dem Corona-Crash erfolgt wäre?

Als unerfahrener Anleger, der auch keine in der Familie tradierten Wertschöpfungskonzepte in dieser Fragestellung einbringt, brauchst Du viel mehr Zeit als sie Dir jeder "Berater am Tresen" bieten kann, um die Dynamik sicherer Geldanlagen zu erfahren.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Gut gemeinter Tipp:

Ich würde Dir vorschlagen, Deine Antworten/Tipps so allgemeinverständlich zu formulieren, dass sie ein FS ohne jegliche Vorkenntnisse auch verstehen kann.

Ansonsten hätte Dein Aufwand leider zum großen Teil kaum Nutzwert für diesen.

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