Frage von elvira2262, 129

Wie viele Steuererklärungen nach Todesfall?

Situation: St-Erklärung 2015 nicht abgegeben, FA droht mit Zwangsgeld Unser Vater ist Ende November 2015 verstorben (Rentner mit erheblichen Nebeneinkünften aus Vermietung, die Mieten liefen auf sein Konto, er war verheiratet, meine Mutter bezieht gesetzl. Rente, seit dem Tod meines Vaters bezieht sie dessen Mietnebeneinkünfte). Meine Eltern erstellten immer eine gemeinsame Steuererklärung. Meine Mutter ist Allein-Erbin, Erbschaftssteuer fiel keine an. Nun sagte sie uns heute, dass sie bislang keinerlei Steuer-Erklärungen abgegeben hätte (sie erklärte immer, sie würde das Finanzielle alles alleine hinkriegen...). Sie zeigte uns dann ein Schreiben des FA von letzter Woche, mit Androhung eines Zwangsgeld über gesamt 300 Euro für EK-St. und Umsatz-St., wenn sie Ihre St.-Erklärung 2015 (!) nicht bis 27. 4. 17 abgibt Wir fielen aus allen Wolken... Wir boten darufhin Unterstützung an (die sie auch m.M.dringend braucht) Wie vorgehen? Ich habe vorgeschlagen, dass wir zusammen zunächst ihre Steuererklärung per Steuer-Software erstellen (für 2015) und diese dann sofort einreichen.

Anschließend müsste sie ja dann noch eine Steuerklärung für ihren verstorbenen Ehemann (unseren Vater) für 2015 machen?
Allerdings erhielt sie bislang dazu keinerlei Aufforderung vom FA, sie meint, das wäre dann auch nicht nötig Mein Vater hatte aber gute Mieteinkünfte bis zuletzt, mit entspr. hohen Vorauszahlungen an das FA. Ich befürchte, sie verschenkt da viel Geld (meine Eltern hatten immer Steuerrückerstattungen, 2014 ca. 2300 Euro). Oder macht sie sich gar strafbar?

Wie würdet ihr in dieser prekären Lage handeln? Steuerberater ist in Oster-Urlaub, und den will sie sich eh sparen (meine Eltern hatten 2014 Steuerberater-Kosten von ca.1500 Euro). VIELEN DANK. Elvira

Antwort
von Valeskix, 45

Hat der Berater selbst die Erklärung(en) erstellt oder eventuell doch ein/e Mitarbeiter/in? Im letzteren Fall könnte man ja schon dort nachhaken, welche Belege benötigt werden.

Steuerberatungskosten haben doch auch immer etwas Gutes an sich, denn man kann sie überwiegend steuerlich geltend machen - am besten er nimmt 1/10 für die Einkommensteuererklärung und dafür mehr Zwanzigstel für die einzelnen Einkünfte.

1.500€ wirken für die Erstellung einer Einkommensteuererklärung überdurchschnittlich. Wenn die Einkünfte insgesamt aber entsprechend hoch sind, ist das aber gerechtfertigt. Ansonsten mal auf die Rechnung schauen, was ggf. noch zusätzlich abgerechnet wurde.

Ausgangswerte nach StBVV sind, sofern keine abweichende Vereinbarung besteht, grds.:

ESt-Erklärung -> 1/10 bis 6/10 (= durchschn. 3,5/10)
Überschusseinkünfte (KAP, V+V, N, R) 1/20 bis 12/20 (=durchschn. 6,5/20)
Mehrere Grundstücke mit jeweils eigener Überschussrechnung = jeweils eigene Gebühr.

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Finanzamt & einkommensteuer, 99

Steuerberater ist in Oster-Urlaub, und den will sie sich eh sparen (meine Eltern hatten 2014 Steuerberater-Kosten von ca.1500 Euro).

Das halte ich für eine falsche Entscheidung. Aber die Vermietungseinkünfte müssen schon ziemlich hoch sein, wenn die Erklärung 1.500,- kostet.

 Wie würdet ihr in dieser prekären Lage handeln? 

Ich würde zu mir, @EnnoWarMal, @Blackleather, oder einem der anderen hier vertretenen Kollegen gehen. ;-) :-) (Oder einem anderen StB)

 Anschließend müsste sie ja dann noch eine Steuerklärung für ihren verstorbenen Ehemann (unseren Vater) für 2015 machen?

Nein, es ist die gemeinsame Erklärung der beiden, denn der Tod hebt die Zusammenveranlaung nicht auf.

Für 2016 hat sie dann natürlich Einzelveranlagung, aber sie bekommt das "Gnadensplitting" also wird auch das Jahr so abgerechnet, als würde der Ehemann noch leben und dies in häuslicher Gemeinschaft.

Natürlich könntet ihr das ggf. mit einer guten Steuersoftware und den Kopien der Erklärungen der Vorjahre (2015 und früher) hinbekommen, aber es ist nur noch wenig Zeit.

Kommentar von EnnoWarMal ,

Ich würde zu mir, @EnnoWarMal, @Blackleather, oder einem der anderen hier vertretenen Kollegen gehen

In der Tat scheint mir das ein Fall zu sein, der umfassend besprochen werden sollte - auch wegen der Vermietung. 

Hier bleibt es ja nicht bei der Einkommensteuererklärung, denn durch den Tod des Vaters haben wir ja eine Erbengemeinschaft, die nun vermietet. Da steckt noch manche Falle drin.

Sich hier den Steuerberater zu sparen wäre ziemlich schnell ziemlich teuer. Ich würde es mir nicht leisten können, hier ohne Steuerberater zurechtzukommen.

Das bedeutet aber nicht, dass ich übernehme. Ich bin bis Oberkante Unterlippe zu und muss neue Mandate leider abweisen. Das wird den anderen Kollegen aber auch so gehen, denke ich. Es wird wahrscheinlich schwer werden, einen Steuerberater zu finden.

Kommentar von wfwbinder ,

Die Sache mit der Erbengemeinschaft bleibt wohl erspart:

Meine Mutter ist Allein-Erbin, 

Antwort
von Gaenseliesel, 68

Hallo,

ich würde hier, um erst einmal Grund in die gesamte Steuermaterie zu bekommen, zu einem Steuerberater tendieren. Ich meine, hier könnte  k e i n Steuerberater möglicherweise letztlich teurer werden ! 

Die nachfolgenden Steuererjahre könnten dann, falls man es sich dann zutraut, in Eigenregie übernommen werden. 

Kommentar von wfwbinder ,

Sehr kluge Antwort. ;-) :-)


Kommentar von Gaenseliesel ,

:-) !   

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