Wie viel Erbschaftssteuer bzw. Schenkungssteuer?

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4 Antworten

ERBSCHAFTSTEUER

Entstehung | Bewertungszeitpunkt | Bemessungsgrundlage

Der Erbschaftsteuer unterliegt der sog. steuerpflichtige Erwerb.
§ 10 Abs. 1 ErbStG

Hier angenommen:
- Im Fall der Erbschaft
§ 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG- Im Fall der vorweggenommenen Erbfolge
§ 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG

Zeitpunkt für die Bewertung des Erwerbs und der Entstehung der Steuer ist grds. der Todestag des Erblassers bzw. die Ausführung der Schenkung.
§ 11 und § 9 Abs. 1 Nr. 1 und 2 ErbStG

Die Bewertung von inländischem Grundbesitz erfolgt nach dem Bewertungsgesetz (BewG)
§ 12 Abs. 3 ErbStG, §§ 151, 157 ff. BewG

Bewertung

Anhand der Sachverhaltsschilderung wird von einem Einfamilienhaus ausgegangen.
Die Bewertung erfolgt daher grds. nach dem Vergleichswertverfahren.
§ 182 Abs. 2 Nr. 3 BewG, § 183 BewG

Eine Seltenheit bildet dabei das direkte Vergleichsverfahren, welches die Werte (Verkaufspreise) hinreichend übereinstimmender Immobilien heranzieht.
§ 183 Abs. 1 BewG

Das indirekte Vergleichswertverfahren stützt sich dabei auf Werte und Faktoren der Gutachterausschüsse, wobei auch hier ausreichend Vergleichswerte vorhanden und hinreichend übereinstimmen müssen.
§ 183 Abs. 2 BewG

Liegen keine Vergleichswerte vor, so ist das Sachwertverfahren anzuwenden.
§ 182 Abs. 4 Nr. 1 BewG, §§ 189 - 191 BewG

Bei diesem Verfahren liegt der Fokus insbesondere auf den Herstellungskosten des Gebäudes abzüglich eines pauschalen Wertverlustes. Dieses Verfahren ist bei älteren Immobilien meistens ungeeignet, da es oft zu höheren Werten führt.

In jedem Fall besteht jedoch die Möglichkeit des Nachweises eines niedrigeren gemeinen Wertes, zumeist durch ein qualifiziertes Verkehrswertgutachten, Gutachterausschüsse oder einen zeitnahen Verkauf.
§ 198 BewG

Freibeträge

Die erbschaftsteuerlichen Freibeträge sind auf die Erwerbsvorgänge des jeweiligen Erben/Beschenkten bezogen. D.h. wenn Sie gemeinsam eine Immobilie erben, steht je Erbe der Freibetrag in Abhängigkeit vom Verwandtschaftsverhältnis und ggf. Vorerwerben zu.
§ 16 Abs. 1 ErbStG

Die Höhe des jeweiligen Freibetrags, sowie der auf den steuerpflichtigen Erwerb anzuwendende Steuersatz richtet sich wie bereits genannt nach dem Verhältnis zum Erblasser/Schenkenden, d.h. der Steuerklasse.
§ 15 ErbStG, § 19 ErbStG

Höhe

Anhand der Sachverhaltsschilderungen ("entfernter Verwandter") ist mithin von jeweils einem Freibetrag von 20.000 €, sowie einem Steuersatz von 30% auszugehen.

Ausschluss von Steuerbefreiungen

Besondere Befreiungstatbestände, wie z.B. hinsichtlich des Eigenheims für Ehegatten und Kinder, Betriebsvermögen, Hausrat, oder vermietetem Grundbesitz, ist nicht ersichtlich.

EINKOMMENSTEUER

Der Einkommensteuer unterliegt der Gewinn/Verlust aus der Veräußerung von Grundstücken, wenn diese innerhalb von 10 Jahren angeschafft und veräußert wurden, ohne dass eine entsprechende, ausschließliche Nutzung zu eigenen Wohnzwecken vorgelegen hat.
§ 22 Nr. 2 EStG, § 23 Abs. 1 S.1 Nr. 1 S.3 EStG

Eine Erbschaft ist dabei nicht als Anschaffung anzusehen (Rechtsnachfolge - Fußstapfentheorie). Hat der Erblasser - wie in diesem Fall angenommen wird - das Grundstück bereits vor 10 Jahren gekauft (sog. "Spekulationsfrist"), dann wird der spätere Gewinn durch die Erben von der Einkommensteuer ausgenommen.
H 23 "keine Anschaffung ist..." EStH

Maßgeblich für die Fristberechnung ist regelmäßig das jeweilige Datum des obligatorischen Kaufvertrags.
H 23 "Veräußerungsfrist" EStH

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Also hier geht ja so einiges durcheinander.

Erbschaftsteuer

Die fällt an, wenn man etwas geerbt hat - so wie ihr im Jahr 2015. Wenn man etwas verkauft, fällt keine Erbschaftsteuer an.

Bemessungsgrundlage ist der Erwerb. Der setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

  1. Wie  hoch ist das Erbe?
  2. Wieviele Erben gibt es?

Da du von "wir haben geerbt" schreibst, ist davon auszugehen, dass es mindestens zwei Erben gab. Gehen wir im Weiteren also davon aus.

Jetzt hast du geschrieben, das Haus war seinerzeit 100.000,00 wert. Allerdings ist dies wohl der Verkehrswert. Bemessungsgrundlage ist aber der Bedarfswert, der gesondert für Erbschaftsfälle ermittelt wird. Der Bedarfswert hat nichts mit dem Verkehrswert zu tun. Nur wenn der Verkehrswert kleiner ist als der Bedarfswert, wird der Verkehrswert herangezogen. Gehen wir also davon aus, dass der Bedarfswert 100.000,00 betragen hat und der Verkehrswert auch.

Sodann gehört zum Erbe nicht nur das Haus, sondern auch alles andere, was geerbt wurde. Gehen wir davon aus, dass da nichts war.

So haben hier zwei Leute je 50.000 geerbt. Bei einem Freibetrag von 20.000 verbleiben jeweils 30.000, die mit 30 % zu versteuern sind. Die Steuer beträgt also jeweils 19.000 Euro.

Verkauf des Grundstücks für 200.000

Sofern das Haus am Verkaufstag länger als 10 Jahre im Eigentum des Erblassers UND der Erben stand, ist hier nichts zu beachten.

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Freibetrag 20.000,-, also Bemessungsgrundlage 180.000,- und davon 30 %, somit 54.000,- Euro Erbschaftsteuer.

Kleine Differenzen können sich ergeben, durch die Kosten, die ihr getragen habt.

Warum habt ihr nicht unmittelbar nach der Erbschaft die Steuererklärung abgegeben? Da wäre eventuell geringer geschätzt worden.

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Helmi1945 01.06.2017, 09:06

Das Haus wurde vor 2-3 Jahren geschätzt.

Der damals ermittelte Wert war weitaus weniger wie das was wir nun bekommen.

Muss man dann Steuer auf den ermittelten Wert bezahlen , oder auf das was wir tatsächlich bekommen ?

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wfwbinder 01.06.2017, 09:09
@Helmi1945

Dann gebt mal ganz schnell die Erklärung mit dem Schätzwert ab. Wenn der Bescheid rechtskräftig ist, dann könnt ihr verkaufen.

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Helmi1945 01.06.2017, 09:11
@wfwbinder

angenommen das Haus wurde vor 3 Jahren auf 100.000 geschätzt.

Jetzt verkaufen wir es für 200.000.

auf welchen Betrag müsste man Steuer zahlen ?

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wfwbinder 01.06.2017, 09:15
@Helmi1945

Erbschaftsteuer? auf die 100.000,-, das war der Wert im Zeitpunkt der Erbschaft.

Grunderwerbsteuer zahlt der Käufer auf den Kaufpreis.

Einkommensteuer fällt nicht an, wenn der Erblasser das Haus vor mehr als 10 Jahren gekauft hat.

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Helmi1945 01.06.2017, 09:18
@wfwbinder

also wenn ich richtig verstehe , müssten wir die 30% Steuer nur auf den geschätzten Betrag bezahlen.

Das was mir dann beim Verkauf "mehr rausholen" ist nicht betroffen also Steuerfrei ?

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wfwbinder 01.06.2017, 09:30
@Helmi1945

Entscheidend ist der Wert der Erbschaft im Zeitpunkt des Erbfalles.

Wenn aber der Verkauf zu 200.000,- erfolgt, zu einem Zeitpunkt, wo der Fall nicht rechtskräftig veranlagt ist, so könnte man schon auf die Idee kommen, aus dem Kaufpreis zurück zu rechnen.

Deshlab ja auch meine Frage, warum Ihr nicht schon in 2015 die Erbschaftsteuererklärung abgegeben habt, oder zumindest letztes Jahr. 100.000,- - 20.000,- Freibetrag = 80.000,- * 30% = 24.000,- Erbschaftsteuer.

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Snooopy155 01.06.2017, 09:45
@wfwbinder

Wichtig ist, dass die Erben erst einmal den Mund halten, besonders dem Finanzamt gegenüber und mit dem Finanzamt möglichst schnell die Erbschaftssteuerangelegenheit abwickeln. Sollte der Schätzwert des Hauses aus formalen Gründen nicht den Anforderungen des Finanzamtes entsprechen, dann kann es geschehen, dass das Finanzamt anhand der fiktiven Mieteinnahmen den Gebäudewert schätzt, was bei alten Häusern in der Regel zu viel zu hohen Schätzwerten führt. Dann muß man eben Einspruch gegen den Bescheid einlegen und mit einem eigenen Gutachten kontern. Das wird dann auch oftmals als Bemessungsgrundlage herangezogen.

Wenn die Erbschaftssteuer dann bezahlt ist kann man die Verkaufsverhandlungen fortsetzen.

Geht man anders vor, dann kann es durchaus passieren, dass der Verkaufserlös als Basis für die Erbschaftssteuerberechnung herangezogen wird.  Bei einem Freibetrag von nur 20 000 € und einem Steuersatz von 30 % kann man durch die richtige Vorgehensweise viel Geld sparen.

Damit der Käufer nicht abspringt, kann man mit dem ja zuerst enen Mietvertrag abschließen, mit der Option, dass beim Kauf die gezahlten Mieten mit dem Kaufpreis verrechnet werden.

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EnnoWarMal 01.06.2017, 13:12

Freibetrag 20.000,-, also Bemessungsgrundlage 180.000,- und davon 30 %, somit 54.000,- Euro Erbschaftsteuer.

Es wurden aber nicht 200.000,00 geerbt. Darüber hinaus gibt es mindestens zwei Erben. Ich komme auf 9.000 Euro Steuern je Erbe.

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wfwbinder 01.06.2017, 14:04
@EnnoWarMal

Stimmt genau, den zweiten hatte ich vergessen. Im übrigen verweise ich auf den anderen Kommentar auf Basis 100.000,-.

Aber Deine Berechnung ist natürlich richtig.

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angenommen das Haus wurde vor 3 Jahren auf 100.000 geschätzt.

Jetzt verkaufen wir es für 200.000.

auf welchen Betrag müsste man Steuer zahlen ?

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