Wie verhalten sich langfristige Aktienanleger bei herben Kursrückschläge? Was sollte man tun?

1 Antwort

Das ist eine religiöse Frage :-) Es gibt verschiedene Ansätze. Ich versuche mal, drei davon hier kurz zu beschreiben.

  • Aussitzen: das ist einfach, denn man kauft einfach solide Werte, die über die Zeit hinweg gute Dividenden liefern. Return on Capital ist damit die laufende Rendite, während Return of Capital erst zu einem Zeitpunkt weit in der Zukunft relevant ist. Das geht gut, wenn man Werte hat, die über die Zeit einen langfristigen Aufwärtstrend haben. Dann sind kleine Dips zu verkraften und für Nachkaufen zu nutzen, da man mit einem nachfolgenden Anstieg wieder rechnet.

  • Absichern: mit Protective Puts oder auch Puts auf gut korrelierte Indices kann man Aktien absichern, sollte dann jedoch darauf achten, daß die Absicherung nicht zu viel der Performance frisst. Mit anderen Worten: man sollte nicht überabsichern und auch nicht ständig... die Levels sind nachzuziehen bzw. auch mal in komfortablen Höhen ganz wegzulassen. In Zeiten hoher Volatilität wird man anstelle von Put Optionsscheinen eher Mini Futures verwenden, sollte aber auf die nachziehenden Schwellen achten. Die Absicherung geht also am besten für Werte mit geringer Volatilität in einem klaren Trend, die man gegen Abstürze absichern will.

  • Stop-Loss: egal ob gewöhnliche Stops oder Trailing Stops, man muss darauf achten, nicht im Rahmen der gewöhnlichen Volatilität zu früh zu verkaufen. Eine Stop-Loss-Strategie eignet sich für Werte, die in Wellen- oder Zickzack-Form verlaufen, d.h. saisonal oder mit der Konjunktur laufen. Man kann dort Aufwärtsbewegungen mitnehmen und dann wieder aussteigen, bis ein neuer Tiefpunkt erreicht ist. Dort steigt man wieder ein. Das erfordert Geduld und wird auch nicht immer perfekt funktionieren, aber 50-60% der Aufwärtsperformance sollte man bei gleichzeitiger Limitation der Abwärtsbewegungen auf 15-20% mitnehmen können, d.h. unter dem Strich lohnt sich das. Gefährlich wird die Strategie, wenn die Werte etwas erratisch verlaufen, da dann ggf. zu viele Transaktionen zu viele Kosten verursachen.

  • Keine Aktien: die vierte Alternative ist, überhaupt nicht auf einzelne Aktien zu setzen, sondern gleich auf Sektoren, Regionen, Themen oder andere Schnitte des Marktes. Hierzu nimmt man ETFs oder Fonds, die durch ihre Diversifikation zwar die Outperformance einzelner Werte mildern, jedoch auch Underperformer puffern. Calls dienen zur Verstärkung der Aufwärtstrends, Puts zur Gewinnerzielung bzw. Absicherung in Abwärtsphasen. Immerhin sollte man für eine gute Diversifikation ja max. 2-3% des Portfolios in je einen Wert investieren, d.h. muss eigentlich 30-40 Werte im Portfolio halten. Wer dieses Portfolio managen will, muss etwas Zeit mitbringen - daher ist der Ansatz mit Einzelaktien zeitaufwendig.

Jeder muss für sich eine Rein- oder Mischform irgendeiner Strategie finden, die passt. Einen alle glücklich machenden Ansatz gibt es nicht und es läßt sich sogar beweisen, daß es diesen nicht geben kann. Absolute Return bedeutet immer, daß man etwas anders als die Masse der Anleger tun muss... und damit ist klar, daß ein Großteil der Anleger naturgemäß Underperformance sehen werden :-)

unter dem Strich lohnt sich das. Gefährlich wird die Strategie, wenn die Werte etwas erratisch verlaufen,

Es wird bei SLOs auch gefährlich, wenn es bei der Aktie (oder dem Aktiensegment) zu einer Hochfrequenzpanne kommt. Dann wird die Aktie beim SLO-Kurs verkauft und 60 Minuten später ist sie wieder auf altem Niveau. Der Anleger hat den Verlust und keine Aktien mehr:-((

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