Frage von m2323, 46

Wie vergleicht man die einkommensteuerliche Behandlung von haushaltsnahen Dienstleistungen mit anderen Aufwendungen?

Hallo,

bei folgender, eher theoretischer, Überlegung kommen meine bescheidenen finazmathematischen Fähigkeiten an ihre Grenzen:

Wenn man haushaltsnahe Dienstleistungen (HD) in seiner Einkommensteuererklärung geltend macht, so werden 20 Prozent dieser Lohnkosten direkt von der Steuer abgezogen. Viele andere Aufwendungen wie bspw. Werbungskosten werden dagegen vom zu versteuernden Einkommen (zvE) abgezogen, so dass sich dort das zvE und in der Folge der persönliche Steuersatz und dadurch die Steuer verrringert.

Intuitiv vermute ich, dass HD stärker die Steuerlast reduzieren als andere Aufwendungen. Wie kann man dazu beide Regelungen (mathematisch) vergleichen?

Die Vergleichbarkeit scheint mir dadurch erschwert, dass sich die 20 Prozent direkt auf die HD-Aufwendung bezieht und dieser Betrag dann absolut von der Steuer abgezogen wird.

Um meine Frage zu präzisieren: Würde stattdessen die HD-Aufwendung vom zvE abgezogen, wie hoch müsste dann das zvE vor diesem Abzug sein, damit sich die Steuerminderung effektiv genauso auswirkt wie bezüglich der anderen, tatsächlichen Regelung?

Dazu habe ich auf dem Einkommensteuerrecher einige zvE-Werte eingegeben und und die Steuerlast mit um zvE-Werte minus 100 Euro verglichen, d.h. einen fiktiven Wert von 100 Euro für eine HD-Aufwendung angenommen.

Erstaunlicherweise kommt man auf eine entprechende Steuerlast von 20 Euro bereits bei einem zvE von 11.800 versus 11.700 Euro. Bei einem höheren zvE werden HD-Aufwendungen also geringer steuermindernd berücksichtigt als andere Aufwendungen. Ist das richtig?

Kann man sagen, dass Absetzbarkeit von HD einen fiktiven Grenzsteuersatz von 20 % unterstellt?

Ich hoffe ihr könnt mir folgen :-) Danke für eure Antworten!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LittleArrow, 28

Kann man sagen, dass Absetzbarkeit von HD einen fiktiven Grenzsteuersatz von 20 % unterstellt?

Ja und zwar gilt das - wie von Dir ermittelt - bei einem zvE von € 11.800. 

Bei einem höheren zvE werden HD-Aufwendungen also geringer
steuermindernd berücksichtigt als andere Aufwendungen. Ist das richtig?

Ja. Aber der Vergleich mit den andereren Aufwendungen hinkt, denn welches Wahlrecht für welche anderen (vergleichbaren?) Ausgaben hätte der Steuerpflichtige?

Hier findest Du zu einem gegebenen zvE den zugehörigen Grenz- und Durchschnittssteuersatz, den grafischen Verlauf und die Einkommensteuerformel:

https://www.bmf-steuerrechner.de/ekst/?

Kommentar von LittleArrow ,

Vielleicht noch eine Ergänzung: Der Grenzsteuersatz gilt streng genommen nur für den Fall einer sehr geringen Einkommensänderung - sagen wir - von € 50.

Bei den HD-Aufwendungen ist der absolute Wert der 20 % idR erheblich höher, so dass dort nicht der Grenzsteuersatz, sondern ein Differenzsteuersatz zum Tragen kommt, der für eine Bandbreite von zvE anwendbar ist, je nach Höhe des absoluten Wertes der 20 % von in Frage kommenden HD-Aufwendungen. 

Kommentar von m2323 ,

ja, so ist es genau genommen korrekt. Danke für deine Antwort.

Antwort
von Brigi123, 29

Ich glaube ja nicht, dass 20% der haushaltsnahen Dienstleistungen “ direkt von der Steuer abgezogen“ werden. 

 Wie kommst Du darauf? Normalerweise werden ja Aufwände vom zu versteuernden Einkommen abgezogen. Warum sollte es hier anders sein?

Ansonsten kann ich Dir auch nicht folgen, da ich mich hier nicht eingedacht habe. Die Idee ist m. E. falsch.

Und übrigens: Was soll das Ganze?

Kommentar von LittleArrow ,

Brigi123, doch m2323 hat das schon richtig dargestellt: Abzug der 20 % von der tariflichen Einkommensteuer (allerdings mit jeweiligen Höchstbeträgen). Siehe auch § 35a EStG:

http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html

Kommentar von Brigi123 ,

O.k., dann nehme ich meinen Kommentar zurück.

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