Wie unterscheidet sich Aufklärungspflicht von Banken bei eigenen und bei fremden Anlageprodukten?

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4 Antworten

Zum einen gibt es die Differenzierung zwischen Anlageberatung und Anlagevermittlung. Bei der Anlageberatung obliegen der Bank umfangreichere Pflichten als bei der bloßen Vermittlung.

Zum anderen ergibt sich ein großer Unterschied hinsichtlich der Frage, ob die Bank ihren Kunden über ihr Eigeninteresse aufklären muss. Denn nach der neusten Rechtsprechung des BGH muss eine Bank nur über Rückvergütungen (sog. "Kickbacks") aufklären, die sie von Dritten für die Empfehlung von fremden Produkten erhält. Kauft die Bank die Produkte dagegen und verkauft sie dann an den Kunden weiter (sog. Festpreisgeschäft), so muss sie nicht gesondert über ihr Eigeninteresse aufklären (vgl. BGH, Urteil vom 27.09.2011, Aktenzeichen XI ZR 302/10). Hier mehr dazu:

http://www.slb-law.de/de/aktuelles/36-zertifikate-gilt-die-kickback-rechtsprechung-des-bgh-auch-fuer-zertifikate-im-festpreisgeschaeft.html

Ansonsten kann ich nur Gandalf und Niklaus beipflichten. Berät eine Bank, so entstehen die Beratungspflchten unabhängig davon, ob es sich um eigene Produkte (z.B. Swaps) oder Fremdprodukte (z.B. Fonds) handelt.

Es gibt keine Unterschiede, allerdings ist Eigen- oder Fremdprodukte bei Banken ist ein schwammiger Begriff.

Hier ein paar Beispiele:

Investmentfonds jedweder Art sind nie ein Bankenprodukt. Keine Bank gibt Investmentfonds heraus. Es gibt lediglich weiter oder enger verbundene Investmentgesellschaften.

Versicherungen. Das Gleiche - Versicherungsgesellschaften sind eigene Institutionen mit denen eine Vertriebsvereinbarung/-partnerschaft besteht.

Bausparkasse: Das Gleiche.

Geschlossene Beteiligungen. Dto. eigene Gesellschaften, meist nicht mit Banken verbunden. Vertriebsvereinbarung für einzelne Produkte.

Juristisch gesehen ist der Union Investmentfonds kein Eigenprodukt für die Raiffeisenbank Hintertupfingen obwohl die Fondsgesellschaft zur Volksbankengruppe gehört und ihre Produkte ausschliesslich über diesen Kanal veräußert. http://unternehmen.union-investment.de/-snm-0184282173-1327915677-0666b00000-0000000001-1327915860-enm-Unternehmen/UMH/Unternehmensprofil/Aktion_re/index.html?nm_caller=nav

Als Eigenprodukt der Muster Raiffeisenbank bleiben nur Girokonten, Sparkonten, Kredite übrig. Und bis auf Kredite gibt es dafür keine Aufklärungspflicht.

Banken, oder besser gesagt der Bankberater, bietet eher ihm bekannte Produkte als nicht so bekannte Produkte an. Und da liegt das Problem, nicht bei den Provisionen. Die Provisionen sind für fast alle Fonds identisch. Nur wenn der Berater nur 20 Produkte kennt dann wird er davon nur maximal die 20 (eher aber nur 10) empfehlen. Halt wie der Opel/Fiat Verkäufer (bei uns) um die Ecke. Der kennt auch nicht die speziellen Vorzüge des Ford und preist halt in hohen Tönen seine Produkte an.

Und der Bankberater bekommt nur 20 Fonds in den Vertrieb weil so zentral gesteuert die Haftung gering gehalten werden kann. Für den Normalkunden ist es halt egal ob er die beste Versicherung abschliesst, eine mittelgute tut es auch. Er selbst vergleicht ja nicht sondern verläßt sich auf den netten Berater.

Die Aufklärungspflicht unterscheidet sich nicht. Hier geht es um den Verkauf und die dazu gehörige Beratung - egal welches Produkt. Der Druck zum Verkauf der eigenen Produkte mag jedoch höher sein, so daß hier eine höhere Wahrscheinlichkeit von Falschdokumentation entsteht.

Banken verkaufen natürlich am liebsten die eigenen Produkte bzw. die von Vertriebspartnern, bei denen sie noch Provisionen einstecken. Das war wohl eher eine rhetorische Frage, oder? ;-)

Wenn die Bank dir etwas verkauft, muss sie dich aufklären. Egal ob Eigenprodukt oder Fremdprodukt. Der Verkauf von Eigenprodukten ist natürlich höher, weil hier mehr verdient wird. Deshalb haben die meisten Bankkunden z.b. auch keine guten Investmentfonds.

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