Wie lange sollte man sich bei der derzeitigen Zinssituation an Hypothekenzinsen binden?

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Hallo Fritz,

was die Entwicklung der Zinsen angeht:

Hör Dich um und Du wirst genauso viele Gründe hören, warum die Zinsen in Zukunft steigen werden wie Du Gründe hören wirst, warum sie so niedrig bleiben werden wie zur Zeit.

Was wichtig ist:

Im Gegensatz zum Herbst 2008 haben wir zur Zeit wieder eine stark ansteigende Zinskurve in Abhängigkeit zur Festschreibungszeit. Darlehen mit 5 Jahren Zinsbindungszeit kosten mittlerweile rd. 1,2% weniger als Darlehen mit 15 Jahren Zinsbindungszeit. Im vergangenen Jahr war es noch vielfach so, dass sich die Konditionen für 5, 10 und 15 Jahre Zinsfestschreibung kaum unterschieden haben. Da war die Entscheidung wesentlich einfacher, man hat halt 15 Jahre festgeschrieben und kann ja zur Not über den §489 BGB nach 10 Jahren kündigen (mit 6 Monaten Frist).

Das zeigt, dass die Märkte aktuell davon ausgehen, dass sich das Zinsniveau langfristig wieder erhöht. Das Dilemma: Genau das ist, wie man im börsendeutsch sagt, bereits 'eingepreist'.

Vor dem Hintergrund ist ein varibales Darlehen sehr riskant, weil es von den momentanen 2,5% (Marktdurchschnitt) innerhalb weniger Jahre auf 5% und mehr hochschießen kann.

Folgende Fragen spielen in der Wahl der geeigneten Zinsbindung eine Rolle:

  • Wie hoch möchtest Du tilgen? Je höher die Tilgung, desto geringer die Restschuld zum Ablauf der Zinsbindung, und desto geringer das Ratenerhöhungsrisiko. Was Dir hier weiterhelfen kann: Werbung durch Support gelöscht

  • Wäre eine Ratenerhöhung infolge Zinssteigerung zum Zinsbindungsende 'nur ärgerlich' oder wirtschaftlich bedrohlich? Beispiel: Du schließt eine Hypothek über 200.000 Euro mit 10 Jahren Zinsbindung und 1% anf. Tilgung zu 4% nom. ab. Die Rate beträgt mtl. 833,33 Euro. Würde der Zins im Jahre 2019 auf 8% steigen (wie Anfang der 90er Jahre), dann würde die Rate auf 1.285,19 Euro hochschnellen. Wenn diese 450 Euro Mehrbelastung ein ernsthaftes Problem darstellen, sollte man hier entsprechend lange festschreiben.

Letztendlich würde ich eine lange Zinsbindung wie eine Versicherung gegen Zinserhöhungen ansehen. Sie kostet Geld, und ob der 'Versicherungsfall' (in diesem Fall die Zinserhöhung) eintritt, weiß man erst im Nachhinein.

Wenn Du mit Deiner Immobilie langfristig planst und Du Ratenerhöhungen in der dargestellten Art nicht mal eben so aus der Portokasse bezahlen kannst, empfehle ich Dir zur Orientierung:

Tilgung <=1,5 %: Zinsbindung 20 Jahre Tilgung zw. 1,5% und 3%: Zinsbindung 15 Jahre Tilgung zw. 3% und 5%: Zinsbindung 10 Jahre

Wo der Zins in 3 Jahren stehen wird, steht ebenso in der Sternen wie die Frage, wer dann die Bundesliga-Schale mit nach hause nimmt...

Beim jetzigen Niveau, würde ich sogar überlegen bis Ablauf festzuaschreiben.

Langfristig, denn kündigen kannst Du nach 10 Jahren noch immer!

Ich würde das Augenmerk aber nicht nur auf den (Effektiv)Zinssatz legen, sondern mir auch die monatliche, noch gut tragbare Zahlungsbelastung (also einschl. einer höheren Tilgungsrate und den übrigen Hausnebenkosten usw.) angucken.

Vielleicht kommen für Dich auch sog. Schnelltilgungsdarlehen in Frage, die Dir eine vollständige Baukreditrückzahlung in - sagen wir - 18 Jahren ermöglichen. Hier findest Du nähere Informationen: http://www.test.de/themen/bauen-finanzieren/test/-Immobilienkredite/1804865/1804865/1807041/

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