Wie funktionieren Derivate auf Realprodukte wie z.B Getreide, Holz oder Fleisch?

1 Antwort

Ganz einfach: bei physischen Produkten wie Edelmetallen, Industriemetallen, Erdölprodukten, Gas, landwirtschaftlichen Produkten, etc. geht es tatsächlich um die realen Dinge. Wenn Du Futures für 60 Tonnen Kupfer in zwei Monaten kaufst, dann bekommst Du in zwei Monaten die 60 Tonnen Kupfer in Deinen Vorgarten geliefert - es sei denn, jemand kauft Dir die Futures vorher ab.

Du kannst daher Futures auch verkaufen, ohne die echten Güter zu besitzen, aber am Ende der Laufzeit wird das Produkt zu liefern sein. Da Du das selbst nicht kannst, musst Du den Vertrag zur Lieferung mit einem Dritten schließen, der diesen Vertrag erfüllt. Also verkaufst Du beispielsweise Silber Futures zu je $25, der Markt rechnet mit einem Anstieg des Silberpreises. Zur Fälligkeit liegt der Silberpreis, der einem Future-Wert entspricht, aber bei $22. Jetzt kannst Du den Kontrakt erfüllen, indem Du zu $22 genügend Silber einkaufst, um die Käufer Deiner Futures zufriedenzustellen. Gewinn für Dich: $3 pro Future.

Futures können aber auch Preise manipulieren, indem sie eine bestimmte Erwartung im Markt suggerieren. Werden Futures verkauft, die auf steigende Preise deuten, könnte jemand auf die Idee kommen, jetzt günstig das Underlying einzukaufen, um es dann später genau den Händlern, die keine physischen Underlyings besitzen, günstig, aber immer noch profitabel zu verkaufen.

Ah vielen Dank!

Noch eine Frage hätte ich. Forwards und Future werden immer so in einem Atemzug genannt. Man bedient sich aber immer nur einer der beiden varianten oder? Also sichert man seinen Verkaufspreis/Einkaufspreis entweder über Future oder über Forwards ab?

0
@Panda8888

Futures und Forwards sind beides unbedingte Termingeschäfte. Futures sind standardisierte Kontrakte, die an Terminbörsen gehandelt werden, während Forwards deutlich mehr Freiheiten in der Ausgestaltung bieten und OTC gehandelt werden. Forwards können auch Cash Settlements anbieten. Als Absicherung muss man auch noch Optionen berücksichtigen, die es erlauben, "best-of-two" Strategien umzusetzen, da man für die Option eher als Risikoversicherung zahlt, die am Fälligkeitstermin nicht in Anspruch genommen werden muss.

Futures, Forwards und Optionen haben damit verschiedene Rollen, d.h. je nach Intention und Markterwartung wird man das eine oder andere Instrument nehmen. Futures sind liquider, da sie an Terminbörsen fortlaufend gehandelt werden, während Forwards ein Kontrahentenrisiko haben. Vielleicht gibt es auch Szenarien, in denen Kombinationen sinnvoll sind.

Als Absicherung für Preise eignen sich natürlich auch Optionen und CFDs.

Mit wenig Recherche findest Du die entsprechenden Beschreibungen bei Terminbörsen und Terminkontrakten über die Suchmaschine Deiner Wahl.

2

Was möchtest Du wissen?