Wie erreicht eine AG Erträge durch eine Kapitalherabsetzung (Einzug der Aktien)?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ja, im Prinzip hast Du das richtig verstanden. Die Firma "verdient" nichts im herkömmlichen Sinn.

Das Kapital wird durch die Zusammenlegung nominal auf 50% herabgesetzt, d.h. jeder Aktionär verliert auf dem Papier 50% seines Kapitals. Das führt für das Unternehmen durch den reinen Buchertrag zu einem Ausgleich des Bilanzverlustes, hat keinerlei Auswirkungen auf die Liquidität, ist aber erforderlich, um eine Insolvenz wegen Überschuldung zu vermeiden.

Für den Aktionär bedeutet das zunächst einmal nichts, es sei denn er verkauft seine Aktien direkt. Andernfalls zeigt sich am weiteren Kursverlauf, wie sich die Maßnahme auf sein angelegtes Kapital auswirkt.

Ist die Liquidität des Unternehmens nicht vorhanden, nützt auch Kapitalzusammenlegung nichts, weil dann ein weiterer Grund für eine Insolvenzanmeldung gegeben wäre.

Daher die Kapitalerhöhung, die dem Unternehmen € 5 Mio. Liquidität zuführt (sofern es denn Käufer für die Aktien zu diesem Preis findet) und den weiteren Betrieb ermöglicht.

Klasse, danke! :)

0
@sn0219

Da ich den Zusammenhang zum besseren Verständnis etwas vereinfacht und vielleicht missverständlich dargestellt habe und Du den Stern gegeben hast, hier noch etwas ergänzt:

Es gibt auch andere Gründe für eine Kapitalherabsetzung als die Abwendung einer Insolvenz. Eine Kapitalherabsetzung allein würde nicht reichen, eine mögliche Insolvenz wegen Überschuldung zu vermeiden.

Vielfach wird die Zusammenlegung im Zusammenhang mit einer Kapitalherabsetzung beschlossen. Diese Maßnahme wird bevorzugt im Rahmen von Unternehmenssanierungen durchgeführt, um Bilanzverluste zu eliminieren. Sinkt das Grundkapital durch die Kapitalherabsetzung unter den Mindestnennbetrag, muss gleichzeitig eine Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien durchgeführt werden.
0
@Zappzappzapp

Es fehlte noch ein Zitatnachweis. Google mal:

diekleinanleger, was-ist-und-wie-funktioniert-eine-aktienzusammenlegung

Der Link wurde von GF nicht zugelassen, passiert leider manchmal.

0

Durch Kapitalmaßnahmen (Kapitalerhöhungen bzw. - herabsetzungen) erzielt eine AG keine "Erträge".

Danke für die Antwort.
Im Buch wurde geschrieben, dass die "Erträge" durch die Zusammenlegung der Aktien dafür benutzt werden, um die Verluste zu begleichen.
Bedeutet die Kapitalherabsetzung also, dass das Grundkapital heruntergesetzt wird, um den Verlust durch die negative Bilanz im Grundkapital wiederzuspiegeln - d.h. damit das Grundkapital dem neuen nominalen Wert gleicht? Dementsprechend müssen die Aktionäre ja dafür einbüßen, oder nicht?

0
@sn0219

Die Aktionäre "büßen" schon vorher, nämlich wenn die Verluste entstehen. Die Verrechnung von Eigenkapital auf der Passivseite mit dem Verlustvortrag auf der Aktivseite ist dann nur noch ertragsneutrale Bilanzkosmetik um einen hässlichen Verlustvortrag zu vermeiden oder verschwinden zu lassen. Werden Aktien im Verhältnis 2:1 zusammengelegt, hat der Aktionär zwar nur noch halb so viele Aktien, die haben danach aber den doppelten Buchwert.

1
@NasiGoreng

Ah okay, d.h. effektiv hätte man bei 4 Aktien von 50 € nach dem Verlust nur noch einen Nennwert von 100 € besessen, statt 200€ , dadurch dass sich das Eigenkapital halbiert hat, und durch das Zusammenlegen der Aktien würde man nur 2 Aktien besitzen, aber auch im Wert von 100€?

0
@NasiGoreng

Richtig ist, dass die Aktionäre durch die Kapitalherabsetzung nicht direkt "büßen", sondern erst, wenn sie ihre Anteile real verkauft haben, da die Kursentwicklung, meist schon schon lange vorher nach unten gezeigt hat und sich nach der Zusammenlegung und Herabsetzung auch durchaus wieder in die andere Richtung bewegen kann.

Aber bei einer Zusammenlegung mit einer gleichzeitigen 2:1 Kapitalherabsetzung hat der Aktionär zwar nur noch halb so viele Aktien, aber doch nicht den doppelten Buchwert, sonst machte diese zum bilanzmäßigen Verlustausgleich doch überhaupt keinen Sinn. Die Bilanzbuchung zum Verlustausgleich im Beispielfall ist doch: Kapitalkonto -€10 Mio. Buchwert (neu €10 Mio.) und Ertragskonto: +€10 Mio. (neu +/- €0,00)? Wie sollten die €10 Mio. Buchgewinn denn anders entstehen?

0
@Zappzappzapp

Die Aktionäre erleiden einen Verlust, wenn der Kurs fällt, unabhängig davon ob der Verlust realisiert wird oder nicht. 

Nach der Zusammenlegung 2:1 hat jede Aktie den doppelten Buchwert wie vor der Zusammenlegung aber nach dem Verlust welche die Zusammenlegung erst notwendig gemacht hat.

0
@NasiGoreng
  1. Sehe ich anders, wenn mein Haus aufgrund der Marktentwicklung im Wert steigt, habe ich auch noch keinen Gewinn gemacht, allenfalls einen "Buchgewinn". Der echte Gewinn entsteht erst, wenn ich das Haus verkaufe. Aber lassen wir das mal so stehen, das war ja auch nicht die Frage.
  2. Es handelt sich nicht nur um eine Kapitalzusammenlegung, sondern um eine Kapitalzusammenlegung mit einer gleichzeitigen Kapitalherabsetzung. Und das bedeutet selbstverständlich, dass der Buchwert sich (auf €10 Mio.) halbiert hat. Wogegen sollen denn sonst die €10 Mio. Verluste aus der Bilanz ausgebucht werden?
0
@Zappzappzapp

Ich verstehe was Dui meinst: Wenn Deinen nagelneuen Porsche im Vollrausch vor den Baum fährst, dann hast Du erst dann den echten Verlust, wenn Du das Wrack für 25 Euro an den Schrotthändler verkaufst.

Es ist so wie Du sagst, eine Anteilszusammenlegung 2:1 ist  eine Kapitalherabsetzung. Wenn man die Passivseite durch Halbierung des Eigenkapitals verkürzt, muss auch die Aktivseite entsprechen verkürzt werden. z.B. durch Ausbuchung des Bilanzverlusts. Der Buchwert des Unternehmens ändert sich dadurch nicht, nur die Zahl der Anteile hat sich halbiert. Also hat sich der Buchwert pro Anteil verdoppelt.

Die IHK bietet übrigens Buchhaltungskurse für Anfänger an.

0
@NasiGoreng

Ich verstehe schon, dass Dein erster Absatz süffisant gemeint ist, aber erstaunlicherweise erklärt das ziemlich genau, was ich meine. Der echte Verlust ist erst zu beziffern, wenn ich das Wrack verkauft habe. Vielleicht finde ich einen Käufer, der mir erheblich mehr bezahlt. Aber wie gesagt, das ist Nebensache.

Absatz 2: Du kannst mir gerne genauer erklären, wieso sich bei vorher:

400.000 Aktien = € 20.000.000

im Vergleich zu nach der Kapitalherabsetzung:

200.000 Aktien = € 10.000.000

der Buchwert ("Der Buchwert einer Aktie ist sehr einfach zu ermitteln. In diesem Fall wird das Eigenkapital der Aktie durch die Anzahl der Aktien geteilt.") pro Anteil verdoppelt hat. Ich kann rechnen soviel ich will, ich komme in beiden Fällen auf €50 pro Anteil.

Absatz/Satz 3: Solche Ungehörigkeiten sollte man sich sparen, ich verzichte daher auf eine Retourkutsche.

0

Was möchtest Du wissen?