Wie ermittelt man den zu versteuernden Veräußerungserlös bei Aktien?

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2 Antworten

Wenn Du Aktienfonds meinst, dann schreibe doch auch Aktienfonds und nicht Aktien.

Im Prinzip ist der steuerlich relevante Erlös aus einem Fondsverkauf schon der Verkaufswert abzüglich dem Kaufpreis abzüglich Transaktionskosten (nicht Ausgabeaufschläge). Es gibt jedoch ein paar Details, die hier noch zu berücksichtigen sein können: Zwischengewinne, Differenz bereinigter akkumulierter ausschüttunggleicher Erträge, Altveräußerungsgewinne, besitzzeitanteilige Immobiliengewinne, Substanzauskehr.

Weiterhin kommt es auf den Zeitpunkt der Veräußerung an. Wird zwischen dem Geschäftsjahresende und dem Erscheinen der Besteuerungsgrundlagen im Bundesanzeiger verkauft, so kann es zu ungünstigen Schätzwerten für Erträge kommen, die später zu revidieren sind.

Bei ausländischen thesaurierenden Fonds erfolgt eine Doppelbesteuerung der thesaurierten Erträge der Vorjahre, die per Einkommensteuererklärung und Nachweis der Versteuerung in den Vorjahren wieder zurückgeholt werden kann.

Also: welche ISIN? :-)

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EnnoBecker 17.09.2012, 14:49

dann schreibe doch auch Aktienfonds und nicht Aktien.

Es gibt auch Leute, die Umsatzsteuer meinen und Gewerbe schreiben.

Man gewöhnt sich dran.

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LittleArrow 17.09.2012, 15:00
@EnnoBecker

Oder auch bissig: Manche Leute kaufen sog. Wertpapiere und wissen gar nicht, was sie gekauft haben. Aber sie bekommen wenigstens Zinsen als Tranquilizer auf ihre Aktien. Lehman Zertifikate lassen grüßen.

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gandalf94305 17.09.2012, 19:36

Angenommen, Du willst einen ausländischen thesaurierenden Fonds mit 100 EUR je Anteil kaufen. Thesaurierter Ertrag jedes Jahr 8 EUR je Anteil. Geschäftsjahr 01.10. bis 30.09.

Dann kaufst Du am 01.10.2012 davon 100 Anteile zu 10.000 EUR (Zwischengewinne ignoriere ich mal). Im ersten Jahr wird nichts thesauriert, d.h. es ist nichts zu versteuern.

Der Fonds-NAV steigt weiter und im zweiten Jahr wird zum 30.09.2013 ein Betrag von 8 EUR je Anteil, d.h. eine Summe von 800 EUR als ausschüttungsgleicher Ertrag ausgewiesen (auf Besonderheiten mit nicht abzugsfähigen Werbungskosten, die als thesaurierte Erträge ausgewiesen werden, gehe ich jetzt nicht ein). Der NAV ist nun beispielsweise 112 EUR.

Der Fonds-NAV steigt weiter und im dritten Jahr wird zum 30.09.2014 ein Betrag von 8 EUR je Anteil, d.h. eine Summe von 800 EUR als ausschüttungsgleicher Ertrag ausgewiesen. Der NAV ist nun beispielsweise 124 EUR. Die Besteuerungsgrundlagen werden am 15.12.2014 veröffentlicht.

Du verkaufst am 18.01.2015 zu 125,01 EUR.

Gewinn (Transaktionskosten ignoriert, da per KAG angenommen) wäre damit 125,01-100,00 EUR mal 100 Anteile, d.h. 2.501 EUR. Das wird besteuert. Nach Abzug des Freistellungsbetrags von 801 EUR bleiben 1.700 EUR Gewinn, d.h. 425 EUR Abgeltungssteuer und 23,38 EUR SolZ (Kirchensteuer ignoriere ich mal).

Da Du ein gesetzestreuer Bürger bist, hast Du in 2013 und 2014 aber schon die 800 EUR jeweils an thesaurierten Erträgen ja versteuert bzw. als unter Deinem Freistellungsauftrag steuerfrei verrechnet. Das wurde in den Einkommensteuererklärungen dort angegeben. Also sind effektiv die 800 + 800 = 1.600 EUR aus den Vorjahren nicht zu versteuern. Nur der verbleibende Kursgewinn von 100 EUR ist zu besteuern. Du kannst auf eine weitgehende Rückerstattung der gezahlten Steuern aus 2015 mit der in 2016 abgegebenen Steuererklärung hoffen.

Wäre der Fonds bereits am 18.12.2014 verkauft worden, wäre der Freistellungsauftrag aus 2014 nicht für die Kursgewinne ausreichend gewesen. Die Steuerbelastung wäre damit deutlich höher gewesen.

Falls der Fonds Zwischengewinne ausweist: beim Kauf gezahlte Zwischengewinne sind als Verlust zu verrechnen, beim Verkauf erhaltene Zwischengewinne als Gewinn. Das geht in die obige Rechnung ein.

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Bei Aktien fallen keine Zinsen an. Da fallen allenfalls Dividenden an. Die Dividenden werden aber ja ausgeschüttet. Mit dieser Ausschüttung fallen Steuern an. Am Aktienbestand ändert sich nichts. Ich vermute mal du hast gar keine Aktien, sondern Aktienfonds. Da fallen aber i. d. R auch keine Zinsen an, da gibt es je nach Fonds thesaurierte Erträge oder ausgeschüttete Erträge.

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Pumuckl12345678 17.09.2012, 13:46

Ja, genau, ich meine thesaurierende Aktienfonds.

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heinerbumm 17.09.2012, 14:20
@Pumuckl12345678

Seit 2012 behält die depotführende Stelle die Steuern auf die thesaurierten Erträge ein. Der Wert Deines Depots wird dann etwas sinken (die Steuer wurde ja abgeführt). Dann geht es wie oben beschrieben Verkauf-Ankauf ist dein steuerpflichtige Erlös. Durch die Abführung der thesaurierten Erträge sinkt der Wert, wie oben erwähnt, deshalb ist der muss Du weniger versteuern. Auf den Depotabrechnung kann man das nachvollziehen. Um bei deinem Beispiel zu bleiben. Wenn du für 10.000 Euro kaufst und nach 1 Jahr 1.000 Euro thesaurierte Erträge besteuert werden, sinkt der Depotwert um die Steuer auf die 1.000 Euro (hier 250,- Euro). Hat das Depot einen Wertzuwachs von 2.000 Euro ist der Wert nach einem Jahr 10.000 + 2000 - 250 = 11.750 € bei einem Verkauf also 11.750 -10.000 € zu versteuern. Allerdings fallen auch bei Aktienfonds gelegentlich Zinsen an (z. B Cash Positionen), diese sind aber normalerweise nahe null.

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gandalf94305 17.09.2012, 14:43
@heinerbumm

Bei inländischen Fonds wird die Steuer auf Fondsebene bereits abgeführt und ggf. dann erstattet bzw. mit Ausschüttungen verrechnet. Bei ausländischen Fonds erfolgt keine Besteuerung im Fonds, sondern die Steuern sind separat zu zahlen (thesaurierende Fonds) bzw. werden mit Ausschüttungen verrechnet (ausschüttende oder teilthesaurierende Fonds).

Der NAV des Fonds sinkt um die Ausschüttung. Findet keine Ausschüttung statt, sinkt der Positionswert auch nicht.

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heinerbumm 17.09.2012, 15:46
@gandalf94305

Seit 1.1 2012 führt die depotführende Stelle die Steuer ab (bei inländ. Fonds und inländ. Depot)

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